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Wertverlust : Technologiewerte geraten in den China-Strudel

Ein Mitarbeiter der Sartorious AG stellt Filterelemente her. Bild: dpa

Nach dem starken Wachstum der vergangenen Monate nehmen Anleger die Gewinne mit. Der Nasdaq verlor am Freitag so viel an Wert wie nie seit April 2014. Dort haben auch die „Fabelhaften Fünf“ massive Kurseinbrüche hinnehmen müssen.

          Die Sartorius AG kennen nur Spezialisten. Und doch hat der Labor- und Pharmaausstatter bislang eine der besten Börsengeschichten des Jahres hingelegt. Wer im Januar Aktien des Göttinger Unternehmens gekauft hat, konnte seinen Einsatz schon verdoppeln. Erst am Dienstag Vormittag stand ein neuer Höchststand zu Buche, bei 215 Euro. Doch seitdem sieht das Bild ganz anders aus. Innerhalb weniger Tage ist der Wert um gut 10 Prozent nach unten gesackt, allein am Freitag Vormittag zählte die Aktie mit einem Minus von 6,5 Prozent zu den größten Verlierern im Tec-Dax.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Allein war Sartorius nicht in der Negativliste des Technologiewerte-Indizes. Der Windanlagenhersteller Nordex startete mit einem Minus von 7 Prozent in den Tag, SMA Solar mit 6,4 Prozent und der Softwareentwickler Nemetschek sogar mit mehr als 7 Prozent. Der gesamte Index ging mit einem Minus von mehr als drei Prozent in den letzten Handelstag der Woche. Hatte er am Mittwoch noch bei 1760 Punkten gestanden, stand er am Freitag zeitweise unter 1630 Zählern. Im Handelsverlauf erholte er sich etwas und lag bei 1653 Zählern.

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          Analysten sehen zumindest in den Fundementaldaten der Unternehmen keine Gründe für den plötzlichen Wertverlust der Titel aus so unterschiedlichen Branchen wie Biotechnologie, IT und Maschinenbau. Anders als bei vielen Dax-Unternehmen, die schon seit Wochen unter den Krisenängsten in ihrem wichtigen Exportmarkt China leiden, ist der Bezug bei den meisten kleinen Technologiefirmen zum Reich der Mitte gering. Igor Kim vom Wertpapierhandelshaus Oddo Seydler, der die Sartorius AG beobachtet, zeigte sich am Freitag überrascht von dem rapiden Kursverfall und verwies darauf, dass das Unternehmen erst im Juli seine Jahresziele erhöht hatte und keine Geschäfte mit China mache. Allerdings verkauften wohl viele Anleger ihre Papiere jetzt, um die sehr gute Entwicklung der Aktie zu Geld zu machen.

          Das sieht auch Kapitalmarktstratege Matthias Thiel von der Privatbank MM Warburg als ein Grund für das Absacken des Tec-Dax. Der Index hatte sich bislang gut gegen die Krise in China gestemmt und war noch vor zwei Wochen einmal nah an sein Allzeithoch von Mitte Juli von 1860 Punkten herangekommen. Mehrere darin enthaltene Titel haben im Jahresverlauf eine ähnliche Rally hingelegt wie Sartorius.

          Fabelhafte Fünf haben massive Kurseinbrüche hinnehmen müssen

          „Offenbar versuchen Marktteilnehmer, die sich jetzt von Aktienpositionen trennen, Papiere mit Gewinn abzugeben“, sagt Thiel, „entweder um Kunden zufrieden zu stellen oder die eigene Psyche.“ Der Tec-Dax habe sich zuletzt sehr gut entwickelt und werde sich nun nicht vom Rest des Marktes absetzen können.

          Ähnliche Gewinnmitnahmen dürften das Marktgeschehen in den Vereinigten Staaten vom Donnerstag geleitet haben, von denen sich manche deutsche Anleger am Freitag habe leiten lassen. Dort hatte der Technologiewerteindex Nasdaq 100 mit 2,8 Prozent so viel an Wert verloren wie nie an einem Tag seit April 2014. Die im Nasdaq enthaltenen Namen sind allerdings etwas bekannter als Sartorius und Nemetschek. Dort haben die „Fabelhaften Fünf” massive Kurseinbrüche hinnehmen müssen, nämlich Facebook, Amazon, Google, Apple und Netflix. Allein das Streamingportal verlor 7,8 Prozent. Alles in allem wurden durch die Verlust 49 Milliarden Dollar an Marktwert vernichtet.

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