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Devisenfachmann im Interview : „Der Euro ist aktuell ein sicherer Hafen für Anleger“

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Der Euro ist ein sicherer Hafen in Krisenzeiten, sagt Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. Bild: dpa

Während sich das Coronavirus ausbreitet, wertet der Euro gegenüber anderen Währungen wie dem Dollar auf. Ulrich Leuchtmann, der Devisenstratege der Commerzbank, erklärt, woran das liegt.

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          Herr Leuchtmann, der Euro wertet gerade merklich auf gegenüber dem Dollar und anderen Devisen. Woran liegt das?

          Der Euro ist mittlerweile ein echter sogenannter sicherer Hafen, also eine Währung, in die Anleger hineingehen, wenn aus ihrer Sicht Risiken deutlich zunehmen – aktuell ist das die Ausbreitung des Coronavirus.

          Aber das ist doch eigentlich die Rolle des Dollars?

          Historisch stimmt das, der Dollar ist natürlich Weltwährung, weil da eine gewaltige Wirtschaft dahintersteht und das stärkste Militär der Welt, der Schweizer Franken – Stichwort Alpenfestung – gehört ebenfalls dazu aus anderen Gründen. Doch etwas ist momentan anders.

          Was?

          Die Zinssituation. Heute sind Niedrigzins-Währungen wie der Euro oder der Yen sichere Häfen.

          Das müssen Sie erklären.

          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve ist mit einer recht aggressiven Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt vorgeprescht. Damit zeigt sie sich aktiv. Die Europäische Zentralbank wartet noch ab. Und bei ihr wird es wohl nur eine Zinssenkung um 0,1 Prozentpunkte – einfach, weil sie kaum noch Spielraum zu weiteren Zinssenkungen hat. Schon jetzt ist der Effekt mehr als fraglich. Für die Fed hingegen muss das noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Das heißt: Der Zinsvorteil des Dollars – bislang ein starkes Argument für den starken Dollar – schmilzt wie Schnee In der Sonne. Und damit auch die Dollar-Stärke der vergangenen Monate.

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          Wer schichtet denn gerade in den Euro um?

          Vermutlich viele international ausgerichtete Investoren generell. Und dann vermutlich auch diejenigen, die versucht haben, mit sogenannten Carry-Trades Geld zu verdienen, also in der jüngeren Vergangenheit in Euro Kredite aufnahmen und die in Dollar anlegten, um am Zinsunterschied zu verdienen in der Erwartung, dass der erst einmal bestehen bleibt. Die werden ihre Position nun glattstellen. Darauf deutet zumindest hin, dass wir in der vergangenen Woche eine wirklich substantielle Bewegung des Euro nach oben gesehen haben.

          Die Finanzminister und Notenbank-Präsidenten der G-7-Länder haben gerade ihre Mitteilung zur heutigen Telefonkonferenz veröffentlicht. Was halten Sie davon?

          Die Finanzminister und Notenbankchefs der G7 haben sich heute nicht auf konzertierte Maßnahmen geeinigt. Das wäre anhand der sehr unterschiedlichen Ausgangslagen auch schwer möglich gewesen. Das heißt aber nicht, dass andere Zentralbanken inaktiv bleiben. Die großen Zentralbanken haben mehr oder weniger deutlich Maßnahmen angekündigt. Das muss nicht bei allen Zinssenkung bedeuten. Die EZB könnte andere Instrumente aus ihrem Arsenal bevorzugen, etwa eine Erhöhung der Anleihekäufe. Auch Bank of Canada und Bank of England dürften aktiv werden.

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