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Goldpreis : Der trügerische Glanz des Goldes

Der Goldpreis ist alles andere als stabil, er schwankt stark - und ist abhängig von politischen Entscheidungen Bild: dpa

Ackerland und Gold gelten als sichere Anlagen: Vor Silvester brach der Goldpreis aber ein, jetzt steigt er wieder. Was macht uns so sicher, dass Gold auf Dauer wertvoll bleibt?

          In der weltweiten Krise des Geldanlegens haben sich mittlerweile zwei Typen von Pessimisten herauskristallisiert: Die einen halten nur noch ausschließlich Ackerland für eine sinnvolle und auf Dauer sichere Geldanlage. Die anderen zumindest auch noch - Gold. Für die zweite Gruppe gab es zum Jahreswechsel in diesem Diskurs eine schmerzhafte Niederlage. Der Goldpreis verlor vor Silvester rund 60 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) - immerhin fast vier Prozent.

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Jetzt steigt der Goldpreis wieder. Trotzdem hat der Absturz eine Frage in Erinnerung gerufen, die angesichts wankender Banken und unsicherer Staatsanleihen im vorigen Jahr etwas verdrängt worden war: Was macht uns eigentlich so sicher, dass Gold auf Dauer seinen Wert behält?

          Jeder Analyst und Rohstoffexperte warnt zwar, dass in Krisenzeiten der Goldpreis auch mal fallen könne, wenn die Anleger zuhauf Gold verkaufen, um Geld für andere Ausgaben freizuschaufeln. Wer aber auch immer derzeit Misstrauen gegenüber dem Papiergeld artikuliert, lobt im gleichen Atemzug die Stabilität des Goldes. Allein schon, weil sein Wert dem Einfluss der Politik entzogen ist.

          Dabei: Was ist der Preis des Goldes anderes als das Ergebnis von Angebot und Nachfrage? Frühere ökonomische Theorien, die den "natürlichen Wert" gleichsam in der Substanz eines Materials versteckt sahen, haben sich auf Dauer nicht halten können.

          Für die Preisbildung beim Gold gilt: Das Angebot an Gold steigt tendenziell, weil weiteres Gold in Minen abgebaut wird. Die Nachfrage hingegen schwankt. Sie wird (in abnehmendem Maße) durch die Verwendung für Schmuck, technische Geräte und die Medizin - zum Beispiel Zahngold - bestimmt. In zunehmendem Maße aber durch Käufe von Anlegern, Fondsgesellschaften und Notenbanken, die Gold ausschließlich als Investment betrachten.

          Der Goldpreis seit dem Jahr 2000 ... Bilderstrecke

          Verblüffend, und die These vom sicheren Wert des Goldes stützend, ist die über viele Kulturen hinweg hohe Wertschätzung des Edelmetalls. Ägypter, Römer, Azteken, Menschen im mittelalterlichen Europa - sie alle schätzten Gold. Als Ausnahme gelten einige afrikanische Länder, in denen Salz teurer war als Gold.

          Deutsche Vergangenheit

          Münz-Fachleute berichten gern von der Zeit der Goldmark im Deutschen Kaiserreich, als Münzen in Nachbarländern problemlos akzeptiert wurden - einfach aufgrund ihres hohen Goldanteils. Während nämlich der Wert des Papiergelds auf dem Vertrauen beruht, dass die Stelle, die das Geld ausgegeben hat, es zurücknimmt, wenn man es eintauschen will, lebt der Wert des Goldes von einer Einschätzung, die zumindest mehrere uns bekannte Kulturen überdauerte: dass es (vor allem seines Glanzes wegen, aber auch aufgrund der guten Formbarkeit) wertvoll sei.

          Allerdings: Es ist natürlich ein gewaltiger Unterschied, ob viele Kulturen Gold "irgendwie wertschätzen" oder ob der Wert stabil bleibt. Die Gold-Freunde argumentieren gern mit dem Tunika-Beispiel: Im alten Rom, so lesen sie aus antiken Quellen heraus, konnte ein reicher Römer für eine Unze Gold eine Toga mit Gürtel und Lederschuhen kaufen. Heute ist eine Unze gut 1200 Euro wert. Mit etwas gutem Willen kann man sagen, dass ein Maßanzug plus Schuhe etwa in dieser Preiskategorie liegt. Das Gold hätte 2000 Jahre seinen Wert gehalten.

          Vager Vergleich

          Der Vergleich ist aber natürlich äußerst vage. Kritiker sagen sofort: Als der Goldpreis bei 500 Dollar stand, hätten die Gold-Freunde gesagt, Anzug plus Schuhe kosteten 500 Dollar. Und wenn Gold irgendwann einmal bei 2000 Dollar stehen sollte, werde sicher irgendwer herausfinden, dass im alten Rom im Preis für die Schuhe und die Toga auch noch eine Diamantbrosche inbegriffen gewesen sei.

          In neuer Zeit gilt: Seit gut zehn Jahren ist der Goldpreis tendenziell gestiegen, nachdem es Anfang der achtziger Jahre einen kräftigen Einbruch gegeben hatte. Einen legendären Tiefpreis gab es 1999, als England beachtliche Teile seiner Goldreserven verkaufte. Der damalige Preis von 252 Dollar wird nach dem damaligen britischen Schatzkanzler Gordon Brown auch "Brown"-Boden genannt. Sein letztes Hoch erreichte Gold im September 2011 mit 1921 Dollar. Heute steht Gold nur noch bei gut 1600 Dollar. Das zeigt: Der Preis ist alles andere als stabil, er schwankt stark - und ist sogar abhängig von politischen Entscheidungen.

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