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Börsenwoche : Der Irrtum der Märkte

Bild aus besseren Zeiten: Cristiano Ronaldo lächelt im ManU-Trikot mit Teamviewer-Schriftzug Bild: Imago

Eben stand noch der Weltuntergang bevor, nun herrscht wieder großer Optimismus. Herrliche Zeiten für Anleger. Aber es geht noch besser.

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          Die Aktienmärkte haben ein Problem. Sie unterliegen Stimmungsschwankungen. Und zwar ziemlich heftigen. Von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt ist es oft nur ein kurzer Weg. Ende September dachten sie noch, der Winter wird furchtbar kalt. Das Gas wird nicht reichen. Fabriken werden schließen. Ludwigshafen mit dunkler BASF-Fabrik, Leverkusen ohne Bayer. Da auch viele Zulieferer kein Gas mehr haben, liegt quasi die ganze Wirtschaft brach, weil jedem irgendwo ein Teilchen fehlt, um Maschine, Auto oder Solaranlage fertigstellen zu können.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Stimmung heute: Wir haben genug Gas, die Unternehmen machen Rekordgewinne, sie können die hohen Preise an die Kunden weiterreichen. Die Zentralbanken werden die Wirtschaft schon nicht abwürgen, so klug werden sie ja wohl sein und die Zinsen nicht ganz so stark erhöhen. Zumal der Inflationspeak ohnehin hinter uns liegt. Alles wird gut! Von 11 863 Punkten Ende September hat dies den Dax bis auf mehr als 14 570 Punkte in dieser Woche geführt. Plus 23 Prozent in acht Wochen. Nicht schlecht.

          Die eben noch besonders geprügelten Hunde wurden wieder zu Lieblingen. Siemens Energy zum Beispiel. Wer braucht schon noch Gasturbinen, wenn die Pipelines aus Russland leer sind? Kurstief im Oktober 10 Euro. Seither 60 Prozent Kursplus. Alle Dax-Werte konnten sich deutlich von ihren Jahrestiefs lösen. Die im M-Dax auch.

          Selbst die Immobilienwerte, auch wenn da die Tiefschläge noch nicht ganz verdaut sind. Mancher Marktteilnehmer scheint zu glauben, die einst als solide gefeierten Geschäftsmodelle würden in der Zinswende untergehen. Der Wochenverlierer TAG Immobilien notiert derzeit bei einem für Immobilienaktien spottbilligen Kurs-Gewinn-Verhältnis von fünf.

          Rettet Apple Teamviewer?

          Oder Teamviewer. Bis auf 7,67 Euro wurde die Aktie des Corona-Gewinners und Software-Fernwartungsspezialisten heruntergeprügelt. Der kam einst im Überschwang der Euphorie auf die Idee, Hauptsponsor von Manchester United zu werden. 50 Millionen Euro kostet das die Schwaben im Jahr. Die Aktionäre machen Druck, die Sache vorzeitig zu beenden. Als nun Gerüchte aufkamen, Apple könne den englischen Fußball-Rekordmeister Manchester United übernehmen, witterten die Märkte gleich die Chance für Teamviewer, den kostspieligen Ausflug in die große Fußballwelt zu beenden. Erstmals seit Juni kostete die Aktie wieder mehr als zwölf Euro. Analysten haben die Titel hochgestuft.

          Welche Schlüsse können Anleger aus den vergangenen Wochen ziehen? Die Aktienmärkte übertreiben. Weder war der abgrundtiefe Pessimismus Ende September angebracht, noch ist es die Sorglosigkeit, die derzeit um sich greift. Für Anleger sind das herrliche Zeiten. In den pessimistischen Phasen lassen sich Aktien so billig kaufen wie selten.

          Und in den sorglosen Phasen kann man die Gewinne laufen lassen, bis der Eindruck von Übermut entsteht. Wann das genau ist, weiß leider niemand. Deswegen fahren meist die Anleger am besten, die sich den ganzen Stimmungszirkus nicht antun, sondern langfristig Cola trinken und an die Marke glauben wie Warren Buffett. Er und viele andere bleiben ihren Lieblingsunternehmen mit Erfolg über Dekaden treu.

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