https://www.faz.net/-gv6-74rgw

Internationaler Finanzmarkt : Kurz vor der Dämmerung Aktien kaufen

Die Deutsche Bank sieht den Dax am Jahresende bei 8000 Punkten Bild: dpa

Mögliche Zinserleichterungen für Portugal beschäftigen die Politik. Die Börsen schauen auf die Kapitalmarktprognosen der Banken, die den Aktienmarkt weiter stabil sehen.

          3 Min.

          70 Billionen Dollar sind für jede Börse eine Menge Geld und für eine kleine Börse wie Stockholm erst recht. Nach einem Bericht der schwedischen Wirtschaftszeitung „Svenska Dagbladet“ ging am vergangenen Donnerstag als Folge einer technischen Panne eine einzelne Kauforder über fast 70 Billionen Dollar an der Stockholmer Börse ein. Im einzelnen handelte es sich um den Versuch, 4,3 Milliarden Terminkontrakte auf den schwedischen Aktienindex OMXS 30 zu kaufen. Der Börsenhandel musste nach dem Eingang der Kauforder für mehrere Stunden ausgesetzt werden.

          Die Ursachenforschung ist noch im Gang, aber sofern es sich um einen Fehler handelt, der von einem automatischen Computerprogramm generiert wurde, dürfte er die Debatte um den Nutzen und die Gefahren des Hochfrequenzhandels beschleunigen. Auch früher schon haben Händler versehentlich falsche Aufträge an Makler oder Börse geleitet - in der Fachwelt benutzt man hierfür den Anglizismus fat finger trade -, aber in den vergangenen Jahren hat es mehrere Störungen den Handels durch monströse Aufträge gegeben, die ohne Computerunterstützung kaum denkbar erscheinen.

          In der neuen Woche werden sich die Teilnehmer an den Kapitalmärkten schon ab Montag mit anderen Themen befassen müssen. Über das Wochenende hat die Ratingagentur Moody’s die Bonität der beiden europäischen Rettungsfonds EFSF und ESM von der besten Note Aaa auf die zweitbeste Note Aa1 herab. Dies geschah im wesentlichen als Folge der vorangegangenen Abstufung Frankreichs, nach der es mit Deutschland nur noch ein großes Land im Euroraum mit dem Spitzenrating Aaa gibt. Aus der europäischen Politik wurde Unverständnis gegenüber der Entscheidung von Moody’s geäußert, aber viele Kapitalmarktteilnehmer dürften sie seit der Herabstufung Frankreichs für zumindest möglich gehalten haben.

          Verhaltene Zuversicht an den Finanzmärkten

          Ob sie Einfluss auf die Preisbildung an den Märkten haben wird, dürfte man schon am Montagvormittag sehen. Nach einem Pressebericht werden die EU-Finanzminister am Montag über Zinserleichterungen für Portugal reden, nachdem man zuvor Griechenland Zinserleichterungen auf Rettungskredite gewährt hatte. Portugal ist seit dem Frühjahr 2011 Programmland und soll im Herbst 2014 mit der Ausgabe mehrjähriger Anleihen an den Kapitalmarkt zurückkehren. Derzeit begibt es nur kurzlaufende Papiere.

          Gewinner und Verlierer im Dow Jones Bilderstrecke

          Der spanische Premierminister Mariano Rajoy sagte am Wochenende, es werde sehr schwierig werden, in einer Rezession die staatliche Neuverschuldung von 8,9 auf 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu reduzieren, wie es von der Europäischen Union verlangt wird. Die Bayerische Landesbank berichtet in ihrem Schuldenmonitor, dass die Haushaltszahlen für den spanischen Zentralstaat im Oktober besser als erwartet ausgefallen seien, aber ungünstigere Nachrichten aus den Provinzen drohten. Die Bayern LB sieht die spanische Neuverschuldung am Jahresende bei 7 Prozent.

          Die Stimmung an den internationalen Finanzmärkten war auch in der vergangenen Woche von verhaltener Zuversicht geprägt. In Spanien und Italien fielen die Renditen der Staatsanleihen nach der politischen Einigung über die Griechenland-Rettung weiter. In Italien erreichten sie ihren niedrigsten Stand seit Sommer 2011. Neben die politischen Einflüsse wie die Debatten um die fiskalische Klippe in den Vereinigten Staaten treten die Konjunkturerwartungen als wichtige Maßzahl für die Börsen hinzu.

          Die Zeit der Kapitalmarktprognosen

          Die Deutsche Bank sieht die Weltkonjunktur im kommenden Jahr um knapp 4 Prozent wachsen, was angesichts des erheblichen Wachstumspotentials in vielen Schwellenländern keine sehr optimistische Prognose darstellt. In den kommenden Tagen steht die Veröffentlichung interessanter Konjunkturdaten bevor. Dazu zählen amerikanische Daten zum Arbeitsmarkt und zur Stimmung der Unternehmer, die allerdings durch den Wirbelsturm Sandy verzerrt sein könnten. In Europa dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) nach Ansicht vieler Analysten ihre Leitzinsen in ihrer Dezember-Sitzung vermutlich unverändert lassen. Von Interesse für die Märkte wird aber auch die Einschätzung der europäischen Konjunkturaussichten durch die EZB sein.

          Das nahende Jahresende ist die Zeit der Kapitalmarktprognosen aus den Studierstuben der Banken. Erkennbar wird ein Trend, die Aktie gegenüber der Unternehmensanleihe wieder stärker herauszustellen. Mit Unternehmensanleihen ließ sich in der jüngeren Vergangenheit viel Geld verdienen und die Nachfrage gerade nach Anleihen deutscher Unternehmen ist ungebrochen stark. Aber die Renditen für Papiere von Emittenten mit guter Bonität bieten kaum noch Aufschläge gegenüber Bundesanleihen. Aktien sind in diesem Jahr zwar auch sehr gut gelaufen - der Dax liegt gut 25 Prozent im Plus -, aber am Aktienmarkt muss das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein. Die Deutsche Bank sieht den Dax Ende 2012 bei 8000 Punkten. Denn Aktien laufen erfahrungsgemäß am besten, wenn es noch Konjunkturpessimismus gibt, die Wirtschaftslage aber zu drehen beginnt. Vielleicht folgt ja noch eine Jahresendrallye.

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.