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Portugal : Nummer 7 lebt

„Die Leute beneiden mich, weil ich reich und schön bin“, sagte Cristiano Ronaldo einmal. Eine Haltung, die auch ins „Pestana CR7 Hotel“ einfloss. Bild: Tiago Sousa

In Lissabon hat das Hotel „CR7“ eröffnet, für das Cristiano Ronaldo Pate steht. Aber man sollte nicht nur wegen Fußball in die portugiesische Hauptstadt reisen.

          Na klar, denkt man sofort, so hat er einen schon häufig genervt. „Your love makes me strong. Your hate makes me unstoppable.“ So steht es über der Rezeption in diesem sorgfältig und geschmackvoll renovierten alten Gebäude an der Rúa do Comércio, mitten in der Baixa, mitten in Lissabons Innenstadt, zwei Minuten entfernt vom Tejo. Das ist der Originalton von Cristiano Ronaldo, wie ihn alle kennen - und nicht alle mögen. Große Klappe, großes Ego. Aber Liebe? Oder gar Hass? Geht’s auch ein bisschen kleiner?

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und was macht der berühmteste Portugiese der Welt überhaupt als Mottospender in einem Hotel? Das ist ganz einfach. Es ist in gewisser Weise „sein“ Hotel. Pestana, Portugals größte Hotelgruppe mit Hotels in 15 Ländern, ist seit kurzem eine Partnerschaft eingegangen mit CR7, wie er sich überall auf der Welt nennen lässt, nach der Rückennummer auf dem Trikot. Zunächst in Funchal auf Madeira, Ronaldos Heimat, dann in Lissabon wurde ein „Pestana CR7 Lifestyle Hotel“ eröffnet, weitere werden 2017 in Madrid und New York in zentraler Lage folgen.

          Zimmer im CR 7 - mit angedeutetem Fußball an der Decke.
          Zimmer im CR 7 - mit angedeutetem Fußball an der Decke. : Bild: Tiago Sousa

          Wenn man den Schock mit der Schrift hinter sich hat, was nicht wirklich lange dauert, dann findet man sich in einer geräumigen, offenen Lobby wieder. Kein respektheischendes Bollwerk von Rezeption mit uniformiertem Concierge, nur ein schlichter, stabiler Desk, darauf leichtes Apple-Equipment, dahinter zwei freundliche junge Damen aus der Generation, für die Pestana und Ronaldo diesen Typus Hotel entworfen haben: für die sogenannten Millennials, die zwischen 1980 und 1999 Geborenen. Für diejenigen unter ihnen mit ein bisschen mehr Kaufkraft.

          Diskrete Fußballmotive

          Die Lobby geht zur Linken fast nahtlos in die Bar, zur Rechten in den Restaurantbereich über - keine Wände, keine Abschottung, fließende Übergänge, leider auch gleichmäßig laute Musikbeschallung. Das Fußballmotiv wird diskret eingesetzt: ein paar alte Plakate, alle ohne CR7, ein paar Formen, die, wenn man nun schon mal darauf fixiert ist, an Bälle denken lassen. In der Bar ist das etwas anders, das ist eben der typische Sportbar-Charakter, nur dass man hier besser isst und bessere Drinks bekommt als in vergleichbaren Etablissements. Zwei große Flatscreens hinter der Bar dominieren den Raum. Wenn sie laufen, läuft meist Fußball.

          Sieben Spuren in jedem Zimmer: Im „CR 7“ ist CR 7 auf subtile Weise allgegenwärtig.
          Sieben Spuren in jedem Zimmer: Im „CR 7“ ist CR 7 auf subtile Weise allgegenwärtig. : Bild: Tiago Sousa

          Das gehört in einer Sportbar zur Grundversorgung - bis auf die große Leinwand in der Ecke, die ein Livebild des Raumes zeigt. Er ist auch im Bild, in wechselnder Gestalt, mal im Real-Madrid-Weiß, mal im Portugal-Rot, immer mit dem Ball jonglierend. Wem danach ist, der bekommt hier sein Selfie mit dem fast lebensgroßen CR7. Die Proportionen in diesem Fall von „augmented reality“ sind nun nicht gerade klassisch, aber man muss sich ja auch kein Bildnis machen mit ihm. Man kann auch denen zuschauen, die es machen.

          So leer ist das „Memmo Alfama“ nur, wenn der Hausfotograf kommt. Ansonsten ist das Designhotel quasi immer ausgebucht.
          So leer ist das „Memmo Alfama“ nur, wenn der Hausfotograf kommt. Ansonsten ist das Designhotel quasi immer ausgebucht. : Bild: Designhotels

          Es ist auch davon auszugehen, dass alle, die im CR7 einchecken, nichts gegen Fußball haben, wenn es denn nicht übertrieben wird mit den Anspielungen, Motiven und Gimmicks, wenn es nicht zum Themenhotel wird oder sich das Gefühl einstellt, hier träfen sich Anhänger einer seltsamen Religion, um einem Guru zu huldigen. Man erwartet schließlich, dass ein Star, der eine Weltmarke ist, auch unübersehbare Präsenz zeigt, wenn er seinen Namen zur Verfügung stellt.

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