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Fahrbericht Audi Q2 : Charakterdarsteller mit Teilzeitjob

Passt einfach ins tägliche Leben: der Q2 von Audi Bild: Hersteller

Der Audi Q2 spielt mit sportlichen Talenten und legt beim Ausatmen zwei Brennkammern still. Er eckt im doppelten Wortsinne an.

          Es gibt Autos, die passen einfach ins tägliche Leben. Der Q2 von Audi ist so eines, mit maßvollen Maßen und angenehm erhöhter Sitzposition, praktisch pendelnd zwischen Schule und Edeka, vernünftig im Unterhalt. Sein keckes Äußeres könnte zudem für ihn sprechen. Oder eben gegen ihn. Wir sind froh über jeden Charakterdarsteller, trauen sich die in einengenden Vorschriften ertrinkenden Designer doch kaum noch an außergewöhnliche Linien heran. Der Q2 eckt im doppelten Wortsinne an, wer möchte, erkennt darin Zitate einer ruhmreichen Quattro-Ära.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Klasse, in der dieser Audi antritt, balanciert auf dem Entscheidungsgrat zwischen Diesel und Benziner. Wir wollten diesmal wissen, wie der Benziner fährt, der als quer eingebauter Vierzylinder antritt und als Besonderheit eine Zylinderabschaltung mitführt. Die schickt unter Teillast zwei Brennräume in den vorübergehenden Ruhestand, was dem Kraftstoffkonsum zuträglich sein soll. Zu Gast war der Q2 also in seiner Ausprägung als Sport 35 TFSI, wobei wir mit der Bezeichnung 35 und ihren ebenso verworrenen Zahlengeschwistern noch immer nichts anfangen können. Es sind halt 1,4 Liter Hubraum und 150 PS, verbunden mit dem S-Tronic-Doppelkupplungsgetriebe, was sich in Grundausführung auf knapp über 30.000 Euro stellt und unter nicht mal enthemmter Zuhilfenahme der Aufpreisliste 47.000 Euro ergibt.

          Wir reden hier keineswegs von Champagnerkelchen, schon eine umklappbare Rücksitzlehne erfordert Zuschlag. Dass es in dieser Region der Sparbuchplünderung dann nur zu hartem Kunststoff in den Türtafeln reicht, wirkt ein wenig unverschämt. Geliefert wird freilich eine saubere Verarbeitung, es gibt ein hübsches Arrangement aus klar rastenden Tasten und adretten Drehreglern. Ein mit ziemlich viel Informationen beladenes Kombiinstrument der digitalen Ära sendet Botschaften zu Geschwindigkeit und Drehzahl, die von 8,5 Sekunden auf 100 km/h und 212 km/h Maximaltempo künden. Der Navi-Radio-Telefon-Bildschirm steht oben auf dem Armaturenbrett, was man aus heutiger Sicht, da Audi nach der Schirmherrschaft strebt und den halben Innenraum mit Displays pflastert, wohl altmodisch nennen muss. Wir finden es soweit in Ordnung, gar angenehm.

          Man erkennt Zitate einer ruhmreichen Quattro-Ära. Bilderstrecke

          Gleichsam für Freude sorgt die gute Sitzposition vorn. Hinten finden auf der nicht verschiebbaren Bank besser zwei als drei Menschen Platz und Kinder besser als Erwachsene. 405 Liter nimmt der Kofferraum auf, meist genügt das. Recht straff ist das Fahrwerk, Sport ist eben Sport. In Kurven bringt derlei fröhliche Momente, und die Lenkung hilft dabei. Auf Reise und in Schlaglöchern wird sich mancher eine weichere Einstellung wünschen. In jedem Fall fühlt sich der Q2 handlich und wieselflink an.

          Mit dem Motor konnten wir uns anfreunden, wenn er mit vollem Tatendrang zu Werke geht. Dann ist er ein angenehmer Beschleuniger mit dynamischen Talenten. Zur Hälfte abgeschaltet bereitet zwar ein kleiner grüner Balken im Cockpit ein gutes Gewissen, die übrigen Organe vernehmen jedoch Unmut aus den Tiefen der Technik. Die Maschine ruckelt und zuckelt, in hohem Gang entspannt Dahingleiten wird einem vergällt. Ob sich der Teilzeitjob auf den Konsum bescheidend auswirkt, ist schwer zu sagen, der realitätsnahe WLTP-Normverbrauch ist mit 6,6 Litern angegeben, wir ermittelten einen Durchschnitt von 7,3 Litern Superbenzin. Mit entfesselter Entschlossenheit lassen sich auch Werte jenseits von 10 Litern erreichen. Der zuletzt in der Redaktion verweilende Diesel mit 190 PS und bärigen 400 Nm Drehmoment genehmigte sich im Durchschnitt 7,1 Liter. Vielleicht nützt das als Entscheidungshilfe.

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