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Vierschanzentournee : Kofler „klaut“ Schlierenzauer die Million

  • -Aktualisiert am

Der falsche Springer aus dem Stubaital siegt: Andreas Kofler verdrängt seinen österreichischen Landsmann Gregor Schlierenzauer auf Rang zwei am Bergisel Bild: dpa

Gregor Schlierenzauer kann Sven Hannawalds Bestmarke nicht einstellen: Der österreichische Skispringer ist in Innsbruck „nur“ auf dem zweiten Platz gelandet.  Ausgerechnet ein Landsmann beendete den Traum vom Vierfachsieg bei der Vierschanzentournee.

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          Sven Hannawald bleibt unerreicht in der Geschichte der Vierschanzentournee. Denn Gregor Schlierenzauer hat am Mittwoch in Innsbruck den dritten Sieg auf der dritten Station der Vierschanzentournee verpasst und damit die Chance auf Siege in allen vier Springen einer Tournee. Dies gelang als bisher einzigem Springer dem Deutschen Hannawald vor zehn Jahren gelungen war.

          Der Österreicher musste sich seinem Team- und Trainingskollegen Andreas Kofler geschlagen geben, führt aber weiter die Gesamtwertung mit 17,0 Punkten Vorsprung vor dem Tagessieger an und darf deshalb darauf hoffen, am Freitag in Bischofshofen zum ersten mal die Tournee zu gewinnen.

          Beste Deutsche vor 22.500 Zuschauern in der ausverkauften Arena an der Bergisel-Schanze waren Maximilian Mechler aus Isny, der mit 235,1 Punkten Siebter wurde. Der Berchtesgadener Michael Neumayer folgte auf Rang Acht (siehe auch Tageswertung).

          Runter von Wolke sieben: Im diesigen Innsbruck endet Gregor Schlierenzauers  Traum vom Sieg in allen vier Springen der Tournee

          Andreas Kofler gelang wie in Garmisch-Partenkirchen am Neujahrstag ein famoser zweiter Sprung. Unmittelbar vor ihm hatte Renndirektor Walter Hofer den Wettbewerb unterbrochen, weil eine Schneewolke über die Schanze geweht war. Kofler ließ sich nicht beirren, sondern landete mit 131,5 Metern den weitesten Sprung des zweiten Durchgangs, im ersten hatte er 127,5 Meter geschafft und sich noch mit Rang vier begnügen müssen. „Ich habe mich ganz auf den Sprung konzentriert, alles andere beiseite gedrängt“, sagt der 27 Jahre alte Innsbrucker, der seinen ersten Sieg auf seiner Heimschanze bei der Tournee feierte.

          Noch nie seien so viele Zuschauer am Bergisel gestanden, „und jetzt stehe ich hier zum ersten Mal ganz oben.“ Der nach ihm springende Japaner Taku Takeuchi blieb hinter Kofler zurück und wurde mit 246,7 Punkten am Ende Dritter, knapp hinter Schlierenzauer (247,6), der ebenfalls chancenlos gegen Kofler (252,8) war. Der Führende nach dem ersten Durchgang, der Pole Kamil Stoch, fiel bei schwierigen Windbedingungen noch auf den neunten Platz zurück.

          Enttäuschter Schlierenzauer

          Als Schlierenzauer realisierte, dass es nichts werden würde mit dem dritten Sieg und der für einen Gewinn des Grand Slams ausgelobten Prämie von einer Million Schweizer Franken, war er enttäuscht, würdigte Kofler bei der Gratulation kaum eines Blickes und verschwand sofort aus dem Auslauf. Später gab er sich versöhnlich. „Der Doppelsieg hier ist sensationell. Das mit dem Grand Slam ist mir egal, mein Ziel ist der Tournee-Sieg, den habe ich noch nie geschafft“, sagte er und haderte nur mit den Windpunkten. „Das weiß man, dass die nicht ganz gerecht sind.“

          Das dürfte aber vergessen sein, wenn Schlierenzauer sich am Freitag seinen größten sportlichen Wunsch in dieser Saison erfüllt und als vierter Österreicher hintereinander bei der Tournee triumphiert. „Ich bin emotional sehr gerührt. Es war eine ganz hervorragende Vorstellung unserer Athleten, denn es war doch sehr schwierig mit dem schlechten Wetter, das hereingezogen ist“, sagt der österreichische Cheftrainer Alexander Pointner.

          Freund patzt

          Der bestplazierte Deutsche in der Gesamtwertung, Severin Freund, patzte in Innsbruck „Vielleicht bin ich mit dem falschen Fuß aufgestanden. Manchmal gibt es so Tag, da läuft es nicht. “ Der 22 Jahre alte Niederbayer sprang 118,5 und 116,5 Meter und belegte am Ende den 21. Rang. Vor allem mit dem ersten Durchgang haderte er. „Unabhängig von den Bedingungen war der Sprung zu schlecht. Er ist einfach daneben gegangen“, sagte Freund, der in der Gesamtwertung einen Rang einbüßte und nun Sechster ist und nun schon 38 Punkte Rückstand auf das angestrebte Podest aufweist.

          Bester Deutscher: Maximilian Mechler im Anlauf der Innsbrucker Schanze

          Richard Freitag hatte immerhin einen guten ersten Sprung erwischt. Er profitierte von den guten Windverhältnissen zu Beginn des Wettkampfes. Als 21. der Qualifikation am Dienstag hatte der 20 Jahre alte Sachse den Vorteil, früh springen zu dürfen. Noch besser war es ihm allerdings im Probedurchgang ergangen. „Da war der Sprung harmonischer“, sagte der Halbzeit-Siebte. Im Wettkampf musste er „die Flugkurve korrigieren, damit es weit geht.“ Obwohl er im Finale noch ein paar Plätze zurückfiel und am Ende Zwölfter wurde, dürfte sich Freitag versöhnt haben mit der Schanze, die er bisher so gar nicht mochte.

          In die Bresche sprangen in Innsbruck Mechler und Neumayer. „Ich hatte zwei gute Sprünge und bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis aufm meiner Lieblingsschanze“, sagte Mechler über seine bisher beste Plazierung bei dieser Tournee. Der fünfte Deutsche im Finale, Stephan Hocke aus Schmiedefeld landete mit 218,0 Punkten auf dem 18. Platz.

          Der viermalige Skisprung-Olympiasieger Simon Ammann stieg derweil vorzeitig aus. Nach seinem 16. Platz am Mittwoch in Innsbruck sagte der Schweizer seine Teilnahme am Finale in Bischofshofen ab und reiste in die Heimat zurück. „Ich habe keine Topform. Für mich ist es ein Kampf, dass alles stimmt“, begründete Ammann seine Entscheidung. Ob der 30-Jährige seine Karriere im Frühjahr beendet, ließ er offen. „Da dürft ihr weiter spekulieren“, sagte Ammann.

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