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Qualifikation in Oberstdorf : Aus der Flugbahn

  • -Aktualisiert am

Bester deutscher Springer: Martin Schmitt Bild: REUTERS

Die Oberstdorfer Schanze liegt den deutschen Springern, auch wenn Freund und Freitag bei wechselndem Wind die Qualifikation verpatzen. Immerhin hat Martin Schmitt sein Fluggefühl wiedergefunden.

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          Die beste Vorbereitung nützt nicht viel, wenn plötzlich neue Einflüsse hinzukommen. So wie am Donnerstag bei der Qualifikation zum Auftaktspringen der Vierschanzentournee in Oberstdorf. Wechselnder Wind brachte selbst die Favoriten aus der gewohnten Flugbahn. Titelverteidiger Thomas Morgenstern hatte bereits nach 111,5 Metern wieder Schneekontakt – Platz 41. Damit war der Österreicher noch um eine Position besser als der deutsche Hoffnungsträger Richard Freitag, der 109,5 Meter weit gesprungen war.

          Als jedoch zum Schluss die Weltcup-Führungskräfte Anders Bardal und Andreas Kofler abhoben, legte sich der ungeliebte Rückenwind wieder. Beide dominierten daraufhin wie gewohnt: der Norweger landete bei 138,5 Metern, der Österreicher gar bei 142. Damit eroberten sie sich die Plätze an der Spitze. Martin Schmitt sprang als bester Deutscher auf Rang 13. Doch die Qualifikation ist freilich nur ein Fingerzeig, ernst wird es erst an diesem Freitag, wenn es um den ersten Tagessieg der Tournee geht.

          Die Lieblingsschanze der Deutschen

          Dann haben auch die deutschen Springer wieder die Gelegenheit, eine lange Tradition fortzusetzen. Denn die Schattenbergschanze in Oberstdorf ist – historisch betrachtet – die Lieblingsschanze der Deutschen. Zwanzig Mal wurde in den vergangenen 59 Jahren schon die deutsche Hymne für den Sieger gespielt. So oft wie an keinem anderen Tourneeort. Helmut Recknagel, Hans-Georg Aschenbach, Dieter Thoma und Jens Weißflog haben sich in die Siegerliste eingetragen. Sven Hannawald, dem 2002 der letzte deutsche Sieg gelungen ist, bezeichnet die Schattenbergschanze deshalb auch als „das Wohnzimmer der deutschen Skispringer“.

          Besonders gerne erinnert sich auch Martin Schmitt an die vielen Springen in Oberstdorf. Dreimal nacheinander – von 1998 bis 2000 – hat der Schwarzwälder triumphiert. Diese Leistung ist bislang einmalig. Doch bei seinem 16. Start ist der 33-Jährige weit davon entfernt, diesen Erfolgen einen weiteren hinzufügen zu können. Vor dem Start in diese Saison wagte Bundestrainer Werner Schuster, in Absprache mit seinem Springer, nüchtern: „Es wird Zeit, dass sich die Öffentlichkeit von dem Gedanken verabschiedet, dass der Martin Schmitt wieder einmal der Alte im Sinne eines Seriensiegers wird.“

          Schmitts zäher Einstieg

          Immer wieder haben den vierfachen Weltmeister Probleme mit seinen Knien zurückgeworfen. So auch vor diesem Winter. „Ich konnte nicht so rhythmisch trainieren, wie ich wollte“, sagte er. Entsprechend zäh war auch sein Einstieg in diesen Winter. Schuster zog daraufhin die Notbremse, nahm Schmitt aus dem Weltcupteam. Statt in Engelberg um Punkte zu springen suchte er in Lillehammer sein Fluggefühl. „Ich habe mir die Zeit genommen, die mir im Vorfeld der Saison gefehlt hat“, sagt Schmitt. Das zahlt sich womöglich aus. In der Oberstdorfer Qualifikation erwischte einen guten Absprung und segelte bei schwierigen Verhältnissen auf 125,5 Meter. „Das war ein guter Schritt vorwärts“, sagte Schuster. Im ersten Durchgang trifft Schmitt nun auf Markus Eisenbichler aus dem deutschen B-Team – eine lösbare Aufgabe.

          Innerhalb der Mannschaft spielt der Team-Olympiasieger von 2002 sowieso eine ganz besondere Rolle. „Martin hat mit seiner Offenheit, mit der er sich neuen Trainingssystemen speziell im athletischen Bereich gewidmet hat, den Boden bereitet, dass sich die Severin Freunds und Richard Freitags und Pascal Bodmers entwickeln konnten“, hebt Schuster hervor. Schmitt sei es auch gewesen, der seinen jungen Mannschaftskameraden beigebracht habe, was eine professionelle Einstellung alles beinhaltet. Ihm als erfolgreichem Athleten wurde dies eher abgenommen als den Trainern.

          „Wir wollen nicht unbescheiden sein“

          Diesbezüglich sind die Voraussetzungen bei Freitag und Freund anders. Der Sachse und der Bayer sind die neuen Hoffnungsträger. Selbst nach der verpatzten Qualifikation im Allgäu. Freund nahm seinen 27. Platz nach einem Sprung auf 117,5-Meter ebenso gelassen wie Freitag seinen Hüpfer auf 103,3 Meter. Schuster kann als Bundestrainer in diesem Jahr eine Premiere feiern. „Erstmals, seit ich in Deutschland Trainer bin, haben wir zwei Sportler, die im erlesenen Kreis derer sind, vorne reinspringen zu können“, sagt der Bundestrainer.

          Richard Freitag und Severin Freund bescheren dank ihrer Erfolge in dieser Saison ihrem Chef eine „deutlich angenehmere Situation als im Vorjahr“. Damals war weit und breit niemand zu sehen, der die hohen Erwartungen würde erfüllen können. Freunds Durchbruch kam erst später mit seinem Sieg in Sapporo. „Ich könnte noch ruhiger schlafen, wenn wir noch einen dritten Springer unter den zehn Besten hätten“, sagt Schuster – um gleich ein „wir wollen nicht unbescheiden sein“ nachzuschieben.

          Den Auftakt zur Jubiläums-Tournee können Sie am Freitag ab 16.15 Uhr im F.A.Z.-Liveticker verfolgen.

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