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Eishockey : Haie und Pinguine haben es schwer

  • -Aktualisiert am

Aufrappeln ist angesagt: DieKölner Haie und die Krefeld Pinguine befinden sich in der Krise. Bild: Picture-Alliance

Krisenderby in Krefeld: Für die Pinguine steht die Existenz in der DEL auf dem Spiel, den Kölner Haien droht die nächste Saison ohne Titel. Die Eishockeyregion an Rhein und Ruhr leidet wie nie zuvor.

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          Die Eishockeyfreunde an Rhein und Ruhr hatten zuletzt wenig zu lachen. Die kürzlich zu Ende gegangenen 2010er Jahre waren die erste Dekade seit dem Zweiten Weltkrieg ohne einen Meister aus Nordrhein-Westfalen. Die großen Zeiten, in denen sich die Rivalen aus Düsseldorf und Köln regelmäßig im Finale der Play-offs gegenüberstanden, liegen schon mehr als ein Vierteljahrhundert zurück. Auch aktuell sieht es nicht gut aus. Zwar ist es gar nicht so einfach, die aufregendste Zeit des Jahres zu verpassen, in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) erreichen immerhin zehn von vierzehn Mannschaften die Play-offs. Doch nach jetzigem Stand gilt das weder für Köln (elfter Platz) noch für Krefeld (zwölf) oder Iserlohn (dreizehn). Lediglich die Düsseldorfer (sieben) wären in der Endrunde vertreten, aber eine echte Chance auf den Titel scheinen auch sie nicht zu haben.

          Die Laune unter den Fans der DEG ist dennoch nicht die schlechteste. Denn ebenso wichtig wie die Lage bei ihrem Herzensverein ist ja die bei den ungeliebten Nachbarn. Und die wäre mit prekär noch wohlwollend umschrieben. Die Iserlohn Roosters können die Saison mit 16 Punkten Rückstand auf einen Play-off-Platz schon elf Spieltage vor Ende der Hauptrunde abhaken, und wenn sich die rheinischen Gegner aus Krefeld und Köln an diesem Freitagabend (19.30 Uhr/Magentasport) zum Krisenderby treffen, weiß man gar nicht, wer derzeit mehr leidet.

          Streit unter den Hauptanteilseignern

          Im Gesamtbild sind das die Krefeld Pinguine. Weil die nicht nur sportlich durchhängen, sondern gleich ihre ganze Zukunft am seidenen Faden hängt. Seit Monaten gibt es Streit unter den beiden Hauptanteilseignern, weil der eine laut Geschäftsführer Matthias Roos nicht das getan hat, was zum Wesen des Investors gehört: investieren. Ende September ging Roos an die Öffentlichkeit und beschuldigte Gesellschafter Mikhail Ponomarew, seine finanziellen Zusagen über mehrere hunderttausend Euro nicht einzuhalten. Sollte der Russe, der auch beim Drittliga-Fußballteam des KFC Uerdingen das Sagen hat, nicht langsam zahlen, drohe dem Klub die Insolvenz.

          Ponomarew wies das von sich, er habe zu keinem Zeitpunkt etwas versprochen. Es folgte eine monatelange Schlammschlacht mit immer neuen öffentlichen Beschuldigungen, ergebnislosen Gesellschafterversammlungen und geplatzten Notarterminen. Zum Leidwesen von DEL-Chef Gernot Tripcke, der tunlichst vermeiden will, dass die DEL wieder den Ruf der „Pleiteliga“ erhält. Im Laufe der Jahre mussten immer wieder Vereine aus finanziellen Gründen aufgeben. Und weil es sich in Krefeld nun um eine vereinsinterne Angelegenheit handelt, kann das Ligabüro nicht eingreifen, sondern nur hoffen, dass sich alles zum Guten wendet. Sportlich tat es das nicht: Die um ihre berufliche Zukunft bangende Mannschaft stürzte ab, die Play-off-Plätze gerieten früh außer Sichtweite. Entsprechend entwickelte sich die Stimmung rund um den KEV.

          Irgendwann hatten die übrigen Klubbesitzer genug und wollten der Firma Energy Consulting (ECE), der Ponomarew lange vorstand und bei der er heute noch die Fäden ziehen soll, die Gesellschafteranteile entziehen. Dagegen erwirkte das Unternehmen eine einstweilige Verfügung beim Landgericht Krefeld. Spätestens da war klar, dass die beiden Seiten nicht mehr zueinanderfinden.

          Elf Niederlagen am Stück für die Haie

          Anfang Januar drehte Energy Consulting den Spieß um und kündigte an, den ganzen Klub kaufen zu wollen, sie habe einen Investor an der Hand. Dagegen regte sich öffentlicher Widerstand. Die Fans protestierten, erste Sponsoren zogen sich zurück, Vereinslegenden wie Uwe Fabig und Karel Lang kündigten an, ihre Trikots unter dem Hallendach abzuhängen, sollte Ponomarew die Macht übernehmen. Der fühlte sich weiterhin zu Unrecht beschuldigt. Warum sollte er Geld in einen Verein investieren, der ihn nicht mal in die Bücher gucken lässt? Auch die Identität des potentiellen Investors der Gegenseite, der Ponomarews Anteile übernehmen will, wurde ihm vorenthalten. Am Mittwoch kündigte er nun an, endgültig auszusteigen: „Ich bin nicht länger bereit, als alleiniger Buhmann für ein System der jahrelangen Misswirtschaft herzuhalten“, schrieb er in einer Stellungnahme. Ob das nun die Rettung ist? Geschäftsführer Roos bleibt skeptisch. Er persönlich habe „noch nichts von Herrn Ponomarew oder seinem Anwalt gehört, wir sind gespannt, zu welchen Bedingungen die ECE ihre Anteile abgeben will“.

          Doch selbst wenn der Verkauf reibungslos klappt und der KEV neues Geld bekommt, ist sein langfristiger Verbleib in der DEL unklar. Im Gegensatz zur Konkurrenz konnte Roos wegen der unsicheren Zukunft noch keinen Kader für die nächste Saison planen, und dann werden Auf- und Abstieg wieder eingeführt. Spätestens im Frühjahr 2021 könnte es also vorbei sein mit Erstliga-Eishockey in Krefeld.

          Das droht den Haien freilich nicht, aber auch sie erleben eine in ihrer Geschichte beispiellose Talfahrt. Am Dienstag gab es die elfte Niederlage am Stück – obwohl ihr Kader zu den teuersten der Liga gehört. Krisen gibt es in allen Mannschaftsteilen: Die Torhüter halten zu wenig, die Verteidiger machen zu viele Fehler, und die Stürmer treffen das Tor zu selten. Dabei wollten die Haie nach der als Übergangsjahr angekündigten Vorsaison, die überraschend gut lief und erst im Halbfinale endete, den nächsten Schritt gehen. Doch nun droht den Kölnern eine Saison ohne Play-offs. Und Nordrhein-Westfalens Eishockeyfreunden ein weiteres Jahr zum Vergessen.

          Debakel in Krefeld: Krise der Kölner Haie immer heftiger

          Die Krise der Kölner Haie in der Deutschen Eishockey Liga wird immer schlimmer. Am Freitag ging das Team von Trainer Mike Stewart bei den angeschlagenen Krefeld Pinguinen mit 2:8 (0:3, 1:2, 1:3) unter. Das Debakel beim von der Insolvenz bedrohten Drittletzten der DEL war die zwölfte Niederlage der Haie am Stück. Zehn Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde wird der Rückstand des achtmaligen Meisters auf die Playoff-Ränge damit größer. Vor der Saison galt Köln bei Experten als Geheimfavorit auf den Titel.

          Den Pinguinen nützt der Prestigesieg nur bedingt. Sportlich besteht kaum noch Hoffnung auf den Einzug in die Playoffs. Zudem droht weiterhin ein Antrag auf Insolvenz, obwohl der ungeliebte Investor Michail Ponomarew in dieser Woche seinen Rückzug angekündigt hatte. Dies war laut KEV die Voraussetzung für alle weiteren Rettungspläne. Laut Geschäftsführer Matthias Roos gibt es aber nach wie vor keine Einigung über die geplante Übertragung der Ponomarew-Anteile.

          An der Tabellenspitze verpasste es Meister Adler Mannheim, weiter Boden auf Tabellenführer Red Bull München gut zu machen. Bei seinem alten Team Grizzlys Wolfsburg unterlag Adler-Coach Pavel Gross mit Mannheim 2:4 (0:0, 1:3, 1:1). Der Meister bleibt als Zweiter fünf Punkte hinter München, das bereits am Donnerstag beim 5:4 (0:3, 2:0, 2:1) nach Verlängerung gegen Augsburg einen Punkt abgegeben hatte.

          Der Tabellendritte Straubing hielt die Eisbären Berlin auf Platz fünf mit einem 2:1 (0:1, 1:0, 1:0) in der Hauptstadt auf Distanz. Wichtige Auswärtssiege im Kampf um die Playoffs schafften auch Bremerhaven mit 3:1 (1:0, 0:0, 2:1) in Nürnberg und Düsseldorf mit 2:1 (0:1, 0:0, 2:0) in Schwenningen. (dpa)

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