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Tour de France : Buchmann bleibt dran

  • -Aktualisiert am

Der Niederländer Steven Kruijswijk, gefolgt von Emanuel Buchmann vor der Ziellinie Bild: AFP

Der deutsche Radprofi lässt sich auch bei der Kletterpartie auf den Galibier nicht abschütteln und darf sich weiter Hoffnungen auf den Gesamtsieg bei der Tour de France machen. Quintana gewinnt die Etappe, Alaphilippe verteidigt das Gelbe Trikot.

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          Emanuel Buchmann bleibt bei der Tour de France im Rennen um den Gesamtsieg. Der 26-Jährige vom Team Bora-hansgrohe fuhr am Donnerstag auf der ersten von drei schweren Alpenetappen in der Gruppe der Favoriten ins Ziel. Den Sieg holte sich der Kolumbianer Nairo Quintana (Team Movistar) mit einem Vorsprung von 1:35 Minuten vor dem Franzosen Romain Bardet (AG2R), der auch die Führung in der Bergwertung übernahm. Rang drei ging an den Kasachen Alexej Lutsenko (Astana), auf Platz vier folgte nach einer famosen Leistung der deutsche Tour-Debütant Lennard Kämna (Team Sunweb). Er hatte einen Rückstand von 2:58 Minuten.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Quintanas kolumbianischer Landsmann Egan Bernal (Ineos) war der einzige Fahrer aus dem Kreis der Favoriten, der Zeit gutmachen konnte. Er fuhr 32 Sekunden auf Buchmann, Vorjahressieger Geraint Thomas (Ineos), den Niederländer Steven Kruijswijk (Jumbo-Visma) und den Franzosen Thibaut Pinot (Groupama-FDJ) heraus. Sein Lohn: Er rückte in der Gesamtwertung hinter dem Franzosen Julian Alaphilippe auf Platz zwei und überholte damit seinen Teamkollegen Thomas, der nach wie vor die Kapitänsrolle bei Ineos spielen darf. Wie lange noch, ist die Frage. Bernal, erst 22 Jahre alt, machte bislang bei allen schweren Etappen einen stärkeren Eindruck als Thomas. „Ich habe mich gut gefühlt und bin froh, dass wir am Ende Zeit gegenüber Alaphilippe gewonnen haben“, erzählte Bernal im Ziel. „Geraint hatte mir am Galibier gesagt, ich solle angreifen, und dass er es später auch versuchen werde.“ Gesagt, getan.

          Nairo Quintana, der die Etappe mit einem eindrucksvollen Solo gewann, war mit einem Zeitrückstand von mehr als neun Minuten ins Rennen gegangen, er hatte auf den Pyrenäenetappen viel Zeit verloren. Mit seiner Leistung vom Donnerstag kehrte der schmächtige Kolumbianer in den Kreis der Favoriten zurück. Er liegt nun mit 3:54 Minuten Rückstand auf Rang sieben der Gesamtwertung, direkt hinter Buchmann, der ihm noch 1:40 Minuten voraus ist.

          Quintana profitierte bei seiner Aufholjagd auf der 208 Kilometer langen Etappe über die Alpenriesen Col de Vars, Izoard und Galibier von der anfänglichen Zurückhaltung der Favoriten, die offenbar darauf aus waren, Kräfte für die kommenden Tage zu sparen. Lange Zeit hatte in diesem ersten Teil der Alpen-Trilogie, die über Sieg und Niederlage bei der 106. Tour de France entscheidet, im Favoritenlager Waffenstillstand geherrscht. Man ließ schließlich eine Ausreißergruppe um Quintana gewähren, offenbar sah man ihn nach seinen Vorstellungen in den Pyrenäen nicht mehr als ernsthaften Gegner an.

          In die heiße Phase ging das Rennen erst am Ende des letzten Anstiegs auf den 2642 Meter hohen Galibier. Herrschte bis dahin unausgesprochen eine Art gemeinsame Stillhaltetaktik, so überschlugen sich nun die Ereignisse. Das Tempo wurde sukzessive erhöht, der Mann in Gelb, Alaphilippe, kam in Schwierigkeiten, und als Bernal schließlich wenige Kilometer vor dem Gipfel angriff, herrschte plötzlich Chaos. Es war klar: Erreichte Bernal den Gipfel mit Vorsprung, so würde er ihn auf der abenteuerlich steilen Abfahrt hinunter zum Ziel nach Valloire noch vergrößern können. Der Kolumbianer ist – wie Alaphilippe – ein exzellenter Abfahrer. Pinot versuchte, die Gefahr zu bannen, führte die Verfolgung an, auch Buchmann, der wiederum eine hervorragende Leistung im Kreise der weltbesten Kletterer zeigte, doch Bernal war nicht mehr zu stellen, er war auf und davon.

          Als kurz vor dem Gipfel auch noch Thomas mit einem trockenen Antritt davonsauste, schien die Ineos-Rechnung vollends aufzugehen, doch der Tour-Sieger des vergangenen Jahres wurde bald wieder gestellt. Sein Antritt immerhin hatte zur Folge, dass Alaphilippe das Tempo nicht mehr halten konnte und schnaufend zurückfiel. Sein Glück: Das Ziel hatten die Streckenplaner nicht oben auf dem Galibier aufgebaut, sondern 19 Kilometer weiter unten im Skiort Valloire, und bei Abfahrten macht dem französischen Steuerkünstler kein Konkurrent etwas vor, nicht einmal Bernal. Alaphilippe zischte durch die Kurven und holte die Gruppe um Buchmann, Pinot, Thomas und Kruijswijk wieder ein, fuhr zeitgleich mit ihnen ins Ziel und rettete sein Gelbes Trikot in einen weiteren Tag. Zwar rückte ihm Bernal in der Gesamtwertung gefährlich nahe, die anderen Bergfahrspezialisten aber hielt er auf Distanz.

          Viel Rauch also am Ende dieser ersten Alpenetappe bei brütender Hitze. Aber letztlich doch nicht ganz so viel Feuer. Quintana hatte mit freundlicher Unterstützung der Konkurrenz ein sportliches Lebenszeichen gegeben, Bernal 32 Sekunden gewonnen. Passiert ist dadurch nicht viel. Der Alpen-Auftakt war, wie erwartet, eine leicht gedämpft klingende Ouvertüre für die folgenden beiden Etappen. Vor allem ganz zum Schluss der Tour-Festspiele, am Samstag auf der 33 Kilometer langen Steigung hinauf nach Val Thorens, wird dann die volle Kapelle spielen, so viel ist sicher.

          Tour de France

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