https://www.faz.net/aktuell/sport/sportpolitik/schwimmerin-franziska-van-almsick-zu-equal-pay-zu-viel-gebruell-18137049.html

Van Almsick zu Equal Pay : „Zu viel Gebrüll“

  • Aktualisiert am

Franziska van Almsick: „Ich will mich als Frau emanzipieren, ohne eine Emanze zu sein“ Bild: dpa

Das Verlangen von gleicher Bezahlung von Frauen und Männern im Sport hält die frühere Weltklasse-Schwimmerin Van Almsick für unangemessen. Fußballstar Thomas Müller äußert sich differenziert.

          2 Min.

          Die frühere Weltklasse-Schwimmerin Franziska van Almsick hält die Diskussion um gleiche Bezahlung für Sportlerinnen und Sportler im Fußball für zu aufgeregt und derzeit für unangebracht. „Ich will mich als Frau emanzipieren, ohne eine Emanze zu sein. Manchmal ist mir das Gebrüll zu groß und es geht alles einen Ticken zu schnell. Ich hätte es gerne ein bisschen nachhaltiger“, sagte die mehrfache Welt- und Europameisterin auf dem Zukunftskongress „Neuland“ am Mittwoch in Aachen.

          In den USA haben die Fußballerinnen einen historischen Tarifvertrag erstritten, der ihnen die gleiche Bezahlung garantiert. Das könne man aber nicht vergleichen, sagte die 44-Jährige: „Frauenfußball hat in den USA einen ganz anderen Stellenwert – und der Männer-Fußball auch. Der steht hier bei uns eben über allem“, sagte sie: „Wir überpacen manchmal und hauen einfach Parolen raus. Das finde ich schwierig. Wir sind auf dem richtigen Weg, aber alles muss Schritt für Schritt gehen.“

          Die DFB-Frauen wollen sich entsprechenden Forderungen derzeit auch nicht anschließen. „Zur Wahrheit gehört auch, dass die Vermarktungserlöse von Männern und Frauen, aus denen sich auch die Turnierprämien ergeben, bei uns in der Bundesliga und den Nationalmannschaften extrem weit auseinanderliegen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg.

          Thomas Müller sieht die Unterscheide

          Fußball-Nationalspieler Thomas Müller kann die gleiche Bezahlung für Frauen und Männer im US-Fußball nachvollziehen, sieht sie in Deutschland aber schwer anwendbar. „In Amerika ist die Frauenfußball-Mannschaft ja das deutlich stärkere Pferd und bewegt vielleicht sogar mehr Massen“, sagte der Offensiv-Star des FC Bayern München ebenfalls auf dem Zukunftskongress „Neuland“.

          „Wenn es ums Geld geht, geht es ja drum, wie viel Erlös das Produkt bringt. Und dementsprechend geht der Geldfluss in das Produkt hinein“, sagte Müller. Das habe „weniger mit der Leistung zu tun. Wir Fußballer bekommen mehr Geld als Basketballer und Handballer. Aber nicht, weil wir besser Fußball spielen als die Basketball und Handball, sondern weil zum Glück den Fußball die meisten Menschen auf der Welt lieben.“

          Thomas Müller: „Am Ende entscheidet der Kunde, wo er hingeht“
          Thomas Müller: „Am Ende entscheidet der Kunde, wo er hingeht“ : Bild: dpa

          Wohin die Entwicklung des Frauenfußballs in Deutschland gehe, sei nicht abzusehen. „Natürlich kann die Sportpolitik unterstützen, aber am Ende entscheidet ja der Kunde, wo er hingeht und nicht“, sagte Müller: „Wir haben Teams mit Wolfsburg oder Bayern München, die auch in der Champions League immer eine gute Figur machen, das ist cool. Aber wieso Frauenfußball in den Stadien weniger gut besucht wird als bei den Männern, weiß ich nicht.“

          Der Frauen-Nationalmannschaft drücke er bei der am 6. Juli beginnenden EM in England die Daumen, erklärte der 32-Jährige: „Wie bei uns in Qatar können wir den Titel holen, aber wir gehören nicht zu den Top-Favoriten. Als ich im jugendlichen Alter war, gehörten wir immer zu den Top-Favoriten. Das war zuletzt, glaube ich, nicht mehr so. Aber wir sind immer noch gut.“

          „Die Influencer kommen von rechts und links“

          Van Almsick beklagte bei der gleichen Veranstaltung den generell sinkenden Stellenwert von Sportlern als Vorbilder in der Gesellschaft: „Wir müssen aufpassen, dass wir unsere Vorbildrolle nicht verlieren“, sagte sie. „Die Influencer kommen von rechts und links. Wir Sportler und ehemaligen Sportler müssen aufpassen, dass wir uns nicht vertreiben lassen. Da müssen wir uns für die Zukunft durchboxen, damit die Athleten weiter als die Vorbilder gesehen werden, die sie sind“, sagte die 44-Jährige.

          Der in London lebende Sprint-Paralympicssieger Felix Streng kritisierte derweil die Einstellung zum Sport in Deutschland. „In London gibt es viele Parks mit öffentlichen Sportanlagen, die sind immer voll. Wenn ich in Deutschland eine Sportanlage betrete, werde ich gefragt, was ich hier will, ob ich hier drauf darf und ob ich versichert bin“, sagte er: „Es gibt heute für Kinder so hohe Hürden, überhaupt Sport machen zu können. Wenn ich rausgehe, werde ich wieder weggeschickt oder da steht ein fünf Meter hoher Zaun, über den ich nicht komme. Und wenn ich keinen Zugang habe, greife ich viel schneller zur Konsole.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Reger Handel: Containerhafen St. Petersburg

          Folgen des Ukraine-Kriegs : Warum Russland nicht zusammenbricht

          Niemand weiß, wie hart die Wirtschaftssanktionen Russland treffen. Doch versucht das Land auf vielen Wegen, Blockaden zu unterlaufen. Die Türkei hilft dabei.
          Hoffnungsträger für den Nordwesten: Seit Ende Mai läuft in Emden die Serienproduktion des ID 4

          Umbau zur E-Mobilität : VW-Werk Emden arbeitet an der Zukunft ohne Passat

          In Ostfriesland läuft der Bau des einst beliebten Familienautos Passat aus. Umgestellt wird auf neuere Elektroautos. Zwar gibt es Perspektiven, doch Risiken bleiben – auch für den neuen Konzernchef Blume.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.