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Im Gespräch: Anja Huber : „Skeleton ist ein bisschen wie Busfahren“

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Aerodynamik ist fast alles: Skeletoni Anja Huber im im Windkanal Bild: Christoph Meissner/The Red Bulle

Anja Huber ist nach zwei von vier Läufen im Skeleton von einer Medaille weiter entfernt als erhofft. Im Interview sprach sie schon vor dem Wettbewerb über Geschwindigkeit und Gefahren.

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          Sie sind nicht nur im Eiskanal schnell unterwegs, sondern auch auf der Straße mit dem Motorrad. Ihre Ducati 848 dürfte so um die 280 Kilometer pro Stunde laufen. Fahren Sie oft damit?

          Ich habe sie mir 2010 nach den Olympischen Spielen in Vancouver gekauft, und das war eigentlich nicht in Ordnung, denn ich hatte meiner Mama versprochen, dass ich entweder Skeleton fahre oder Motorrad. Zwei riskante Sachen auf einmal, habe ich gesagt, würde ich nicht machen. Nach Vancouver hat mich die Ducati dann aber dermaßen angelacht, dass ich mein Versprechen nicht einhalten konnte. Jetzt steht die Maschine zu Hause, und meine Mama ist not amused. Jedes Jahr im Frühjahr erzählt sie mir alle möglichen Horrorgeschichten über Motorradunfälle, die bei uns im Berchtesgadener Land mit seinen vielen Bergstrecken ja leider häufig vorkommen. Was Unfälle betrifft, bin ich immer auf dem neuesten Stand. Später hat sich meine Mama dann ein bisschen daran gewöhnt. Ich glaube, sie hat gemerkt, dass ich das Motorrad nicht so schnell bewege, wie ich es könnte.

          Auch wenn Sie auf den Landstraßen rund um Berchtesgaden unterwegs sind?

          Diesen Sommer bin ich keinen einzigen Meter gefahren. Diesmal hatte ich es meinem Trainer versprochen. Den kompletten Sommer stand mein Baby in der Garage, Das tat sehr weh. Ich habe die Maschine trotzdem behalten, sie frisst ja kein Brot in der Garage, und irgendwann kommt der Punkt, an dem ich wieder Zeit für sie habe. Motorradfahren bedeutet für mich nicht, dass ich mir den Adrenalinkick auf der Straße hole. Für mich ist Motorradfahren etwas, bei dem ich abschalten kann. Da muss ich nicht austesten, ob die Maschine 280 geht oder 290. Den Kick hole ich mir im Eiskanal. Da ist es wesentlich sicherer als auf der Straße.

          Dort ist Ihr Baby ein Schlitten. Wie behandeln Sie ihn?

          Der Schlitten ist meine Überlebensgarantie, deshalb wird er behandelt wie ein rohes Ei. Den darf nicht jeder anfassen. Ich will immer wissen, was an dem Gerät gemacht wird, und stehe in engem Kontakt mit dem Mechaniker der Nationalmannschaft, Wolfram Schweizer, und mit Trainer Jens Müller, der auch viel an den Geräten baut. Ich muss immer genau wissen, was verändert wird, um im Eiskanal bei Tempo 120, 130 darauf reagieren zu können.

          Wie viele Schlitten haben Sie, wie viele benutzen Sie?

          Am Anfang der Saison fährt man noch mit zwei, drei. Am Ende der Saison gibt es nur noch ein Gerät. Das, mit dem man das beste Gefühl hat, mit dem die Einheit zwischen Mensch und Schlitten am besten ist.

          Nicht ganz zufrieden: Anja Huber ist zur Halbzeit des olympischen Wettbewerbs nur Siebte

          Ist das wie bei den Rodlern eine ewige Tüftelei, ein ewiges Geschraube und Gefeile, um noch ein paar Hundertstelsekunden herauszukitzeln?

          Ja, man versucht ständig, im Materialsektor einen Schritt nach vorn zu gehen. Man ändert Einstellungen und Komponenten, die dann den Schlitten etwas härter lenkbar machen oder etwas weicher. Da muss jeder Fahrer das Optimum für sich herausfinden. Das ist ein bisschen wie bei der Formel 1, man fährt, testet und bespricht die Ergebnisse dann mit den Mechanikern.

          Welches sind die Schräubchen, an denen Sie am meisten drehen können, um das Setup zu verbessern?

          Die meisten sind dort, wo es um die Steifigkeit des Schlittens geht. Wir können was am Schlitten ändern, wir können was an den Kufen ändern, an der Fräsung. Ein Rennrodel hat im Gegensatz zu einem Skeletonschlitten eine Kante an der Kufe und lässt sich ein bisschen fahren wie ein Gocart. Ein Skeletonschlitten aber hat einen Rundstahl als Kufe und nur eine schmale Fräsung, die Folge ist: Mit ihm ist es ein bisschen wie Busfahren, du musst wesentlich weiter vorausdenken. Jede Richtungsänderung dauert länger, und da muss man einen Mittelweg finden zwischen Steifigkeit und Lenkbarkeit. Je besser sich ein Skeletonschlitten lenken lässt, desto weniger Speed kann man mit ihm aufnehmen.

          Welche Rolle spielt die Charakteristik der Bahn?

          Eine große. Es gibt Gleiterbahnen wie in Winterberg, und es gibt Bahnen wie in Whistler, bei denen es viele Richtungsänderungen gibt und du viel Druck in den Kurven hast. Dann spielt auch das Wetter eine Rolle. Ist es kalt oder feucht - das muss man alles einberechnen. Das ist schon eine Philosophie für sich.

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