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Frauenfußball : Deutschland braucht schon Zimbabwes Hilfe

Geknickt: Melanie Leupolz merkt man die Enttäuschung über die Leistung des deutschen Frauenfußballteams an Bild: Reuters

Erstmals verlieren die deutschen Fußballfrauen gegen Kanada. Die Niederlage hat dank paralleler Schützenhilfe von Zimbabwe sogar positive Folgen, aber die Leistung ist beunruhigend. Der nächste Gegner kommt aus Asien.

          3 Min.

          Die erfreuliche Nachricht kam kurz vor Abpfiff aus Salvador de Bahia: Zimbabwe hatte soeben ein Tor erzielt im Spiel gegen Australien. Die „Mathildas“, wie sich die Australierinnen nennen, führten nur noch 6:1. Die Gefahr, dass Deutschland nach der 1:2-Niederlage im letzten Gruppenspiel gegen Kanada in Brasilia wegen der schlechteren Tordifferenz im Vergleich zu Australien auf Gruppenplatz drei abrutschen könnte, war gebannt. Dies wäre bei einem späten Treffer zum 7:0 für Australien der Fall gewesen.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          So weit ist es für das deutsche Team schon gekommen, dass es Hilfe des krassen Gruppenaußenseiters aus Afrika benötigt, um einem Duell mit den Vereinigten Staaten oder Gastgeber Brasilien schon im Viertelfinale des olympischen Fußballturniers aus dem Weg zu gehen. Stattdessen wird eine wie schon beim vorangegangenen 2:2 gegen Australien enttäuschende deutsche Leistung gar gewissermaßen noch belohnt: Durch Rang zwei in der Gruppe vermieden die Deutschen auch ein Duell mit Angstgegner Frankreich.

          Nächste Station: China

          Statt dessen treffen sie nun auf China. Die Asiatinnen zogen nach einem 0:0 gegen Schweden als Zweiter der Gruppe E in die K.o.-Runde ein, wo es am Freitag (21.00 Uhr MESZ) in Salvador zum Duell mit der DFB-Auswahl kommt. „Für uns geht jetzt das Turnier richtig los“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. Topfavorit Amerika spielt in der Runde der besten acht Mannschaften gegen Schweden, Gastgeber Brasilien bekommt es mit Australien zu tun.

          Vor dem Anpfiff des letzten Gruppenspiels des olympischen Turniers erweckten die Kanadierinnen wie die Deutschen mit den Aufstellungen den Eindruck, dass ihnen der Gruppensieg wegen des vermeintlich schwereren Viertelfinalgegners nicht allzu bedeutsam erscheint. Beide Teams nutzten bei den Feldspielerinnen alle vorhandenen Möglichkeiten zur Rotation aus, auch vor dem Hintergrund des Drei-Tages-Rhythmus zwischen den Spielen und der olympischen Beschränkung auf einen recht kleinen 18er-Kader.

          Bundestrainerin Silvia Neid konnte wegen der Verletzung von Simone Laudehr ihre Startelf nur auf fünf Positionen verändern, diese Möglichkeit schöpfte sie aber voll aus. Zudem kehrte sie nach den durchwachsenen Vorstellungen im 4-3-3-System wieder zum alten 4-2-3-1-System zurück, mit dem die nach den Sommerspielen aus dem Amt scheidende Bundestrainerin in den vergangenen elf Jahren fast ausnahmslos agieren ließ. Kanada verzichtete ebenfalls auf einige Stammkräfte wie vor allem die Rekordnationalspielerin und -torschützin Christine Sinclair, die Superstars des Teams.

          Nach der Führung in die Ballbesitzfalle

          Nach einem Elfmetertreffer durch Melanie Behringer, Mandy Islacker hatte den Strafstoß herausgeholt, ging Deutschland nach zwölf Minuten sogar noch in Führung, tappte aber anschließend in die Ballbesitzfalle: Kanada überließ den Gegnerinnen allzu bereitwillig den Ball, Deutschland hatte am Ende zu zwei Dritteln das Spielgerät im Besitz, mehr Torschüsse abgegeben und auch mehr Zweikämpfe gewonnen, lief dafür aber immer wieder in Konter. Dabei nutzte Kanada die deutlichen Schnelligkeitsvorteile im Zentrum immer wieder, um die Deutschen vor allem in der abermals löchrigen Innenverteidigung zu düpieren.

          Melissa Tancredi, an Stelle von Sinclair Spielführerin ihres Teams, war die Glückliche, die mit ihren beiden Toren das Spiel zu Gunsten Kanadas drehte. Die deutsche Torfrau Almuth Schult setzte dabei ihre unglückliche Serie fort: Ihr war kein grober Fehler zu unterstellen, aber die Schlussfrau hat im Turnierverlauf weiterhin keine Fortune: Fast jeder Schuss aufs Tor war bislang drin, fünf Gegentreffer muste sie in drei Spielen (6:1 gegen Zimbabwe, 2:2 gegen Australien und 1:2 gegen Kanada) nun hinnehmen.

          Offensiv sorgten die deutschen Frauen fast nur durch Standards für Gefahr vor dem gegnerischen Tor. In der Schlussphase hatte das Team mehrfach Pech, dass nicht wenigstens noch der Ausgleich gelang. So aber blieb es bei der ersten Niederlage gegen Kanada nach zuvor zwölf Siegen in zwölf Spielen.

          Frau des Spiels: Melissa Tancredi trifft doppelt
          Frau des Spiels: Melissa Tancredi trifft doppelt : Bild: Reuters

          „Man hat schon gesehen, dass wir den Ausgleich machen wollten“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid. „Aber wir müssen unbedingt die individuellen Fehler abstellen.“ Zudem mahnte die Bundestrainerin mehr Kreativität in der Offensive an. Das deutsche Spiel wirkte tatsächlich allzu schematisch und ideenlos.

          Kanada, das mit drei Siegen in drei Spielen souverän die Gruppe gewann, muss nun im Viertelfinale gegen Frankreich spielen, den Geheimfavoriten auf den Turniersieg. Deutschland, olympisch bislang dreimal in den Jahren 2000, 2004 und 2008 jeweils mit Bronze bedacht, begibt sich hingegen am kommenden Freitag auf den vermeintlich einfacheren Weg Richtung Edelmetall. Ein erstaunlicher Lohn für eine Leistung, die nur dank Zimbabwe ohne Folgen blieb.

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