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Handball-WM in Ägypten : Corona im Gepäck

  • -Aktualisiert am

Gute sportliche Aussichten: Nationaltrainer Alfred Gislason Bild: dpa

So zerzaust die deutsche Auswahl ins ägyptische Abenteuer startet, so umstritten die WM sein mag: Die sportlichen Aussichten sehen besser aus als vor ein paar Wochen. Doch über Folgen und Spätfolgen des Virus wird zu sprechen sein.

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          Im Februar 2016 wunderten sich die Jugendtrainer, wer da plötzlich alles Vereinshandball spielen wollte. Tore werfen wie Rune Dahmke, Würfe blocken wie Finn Lemke, Bälle halten wie Andreas Wolff: Die Nationalmannschaft hatte durch den überraschenden Titelgewinn bei der EM in Polen beste Werbung gemacht; Handball war Pausenthema, neue Mannschaften im Kindesalter entstanden in ganz Deutschland. Es sind auch diese Gedanken an den Boom von 2016, die alle Verantwortlichen des Deutschen Handballbundes (DHB) zu Befürwortern der WM in Ägypten machen. „Wir müssen sichtbar bleiben“, hat DHB-Vize Bob Hanning gesagt, „wir verlieren sonst eine ganze Generation.“

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          Das ist nicht übertrieben, denn Sportspiele wie der Handball finden in Zeiten der Pandemie zumindest im Regelbetrieb des Breitensports nicht mehr statt. Da sollen zumindest die Profis auf der großen Bühne spielen – auch, um daran zu erinnern, dass da mehr existiert als Fußball in der deutschen Sportlandschaft. Natürlich müssen (Fernseh-)Verträge eingehalten werden, und zu den verbandsinternen Gründen, ohne Protestnoten teilzunehmen, gehört, dass sich der DHB auf Jahre in der internationalen Handball-Landschaft isoliert hätte, wäre er der WM ferngeblieben.

          So zerzaust Bundestrainer Alfred Gislasons Auswahl in das ägyptische Abenteuer startet, so umstritten eine WM unter den Vorzeichen auch sein mag: Nähert man sich den sportlichen Aussichten des Teams, sieht vieles heller aus als vor ein paar Wochen. Protagonisten von 2016 wie Wolff oder Tobias Reichmann haben selbstbewusst an die EM in Polen erinnert, als der DHB geschwächt anreiste, nach einer Auftaktniederlage gegen Spanien aber die perfekte Welle ritt. Ein trotz der Absagen breiter Kader, zwei, drei aufstrebende Rückraumspieler, dazu Erfahrung und Klasse im Tor – schafft es Gislason, die Lücke in der Abwehr zu schließen, ist das Viertelfinale ein realistisches Ziel.

          Das Thema Corona bleibt im Gepäck. Es waren auch die diffusen Umstände der Absage, die Torwart Wolff zu seiner deplazierten Kritik an den daheimgebliebenen Kielern Wiencek, Pekeler und Weinhold brachten: Probleme bei der Kinderbetreuung? Zweifel am Sinn der WM? Furcht vor der Infektion? Dringend notwendige Schonung? Die Bandbreite der persönlichen Beurteilung dieser WM ist je nach Alter und Familienstand groß. Das sollte jeder akzeptieren.

          Noch am Montag strich Gislason Rückraumspieler Christian Dissinger aus dem Kader, geschwächt durch sechs Quarantäne-Phasen und eine eigene Infektion. Auch die jungen Regisseure Marian Michalczik und Juri Knorr litten schon am Virus; Knorr berichtete von einer unangenehmen Woche im Bett. Beide sind dabei. Während Finn Lemke, Abwehrchef 2016, absagte – auch, weil er nach zwei Infekten nicht rechtzeitig fit wurde. Über Folgen und Spätfolgen des Virus wird zu sprechen sein.

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