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Handball-WM : Deutschland spielt sich in Stimmung fürs Halbfinale

Ein gewohntes Bild: Der deutsche Kapitän Uwe Gensheimer jubelt nach einem Tor. Bild: AP

Nach dem Sieg über Spanien geht es für die deutschen Handballer als ungeschlagener Gruppenerster ins WM-Halbfinale. Dort wartet am Freitag Norwegen im Kampf um den Einzug ins Endspiel.

          Ein solches Spiel hatte sich noch vor ein paar Wochen kaum jemand vorstellen können: Dass die deutsche Mannschaft schon vor dem letzten Hauptrundenspiel für das Halbfinale qualifiziert sein würde, wäre vor Beginn der Weltmeisterschaft eine ziemlich verwegene Wette gewesen. Am Mittwochabend war das Duell mit Spanien, dem Europameister, in dieser Hinsicht aber tatsächlich bedeutungslos. Es ging zwar noch um die Frage, ob die Deutschen als Gruppenerster oder -zweiter nach Hamburg reisen würde. Aber auch diese war mit der 20:23-Niederlage der ebenfalls schon fürs Halbfinale qualifizierten Franzosen am frühen Abend gegen Kroatien praktisch beantwortet.

          Handball-WM 2019

          Nur eine Niederlage mit acht oder mehr Toren Unterschied hätte den Gruppensieg noch gekostet. Aber in diese Gefahr geriet die Mannschaft von Christian Prokop nie. Nach eher verhaltenem Beginn spielte sie sich und das Publikum in Stimmung, und nach dem 31:30 stand endgültig fest: Es geht als Gruppensieger und ungeschlagen nach Hamburg, wo die Deutschen am Freitag auf Norwegen treffen (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD). Im zweiten Halbfinale, ebenfalls in Hamburg, stehen sich dann Frankreich und Dänemark gegenüber (17.30 Uhr). „Es war heute eine tolle Erfahrung für uns, nicht mit allen Mitteln gewinnen zu müssen“, sagte Prokop. „Die Jungs wollten sich mit einem guten Gefühl verabschieden. Wir wollten mit Rückenwind nach Hamburg reisen.“

          Die Norweger also. In deren Reihen steht der Star dieser WM, Sander Sagosen, Teamkollege von Uwe Gensheimer bei Paris Saint-Germain. Dazu sticht aus dem breit besetzten Kader Linksaußen Magnus Jöndal von der SG Flensburg-Handewitt hervor. Spannend wird sein, was Trainer Christian Berge sich einfallen lässt, er gilt weltweit als besonders interessante Figur in dieser Funktion. Ob das ein Wunschgegner ist? Im Vorfeld waren Stimmen im Team zu hören gewesen, die ein Heim-Halbfinale gegen die Dänen präferierten, anstatt es – womöglich – in Herning im Endspiel am Sonntag mit ihnen zu tun zu bekommen. Prokop allerdings hatte derlei Gedankenspiele von sich gewiesen: Das Halbfinale an sich sei wichtig, nicht der Gegner.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          „Norwegen ist eine Mannschaft, die auf einem Toplevel spielt. Aber wir können uns auch noch steigern“, sagte Teammanager Oliver Roggisch nach dem Sieg über Spanien. Am Montagabend wurde die Mannschaft erst einmal herzlich und stimmungsvoll aus Köln verabschiedet. Mit der ganz großen deutschen Sause könnte es atmosphärisch nun indes vorbei sein. In Hamburg werden es nicht nur 6500 Zuschauer weniger sein als in Köln, Bob Hanning rechnet auch mit einem gemischteren Publikum. Jeder deutsche Fan dort müsse „für zwei oder drei brüllen, um die Lautstärke wieder hinzukriegen“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes.

          Sportlich hatte Bundestrainer Prokop zwar einen engagierten Abschied aus Köln versprochen, aber auch angekündigt, dass er die „Kräfte gut verteilen“ wolle. Neu dabei war Tim Suton, der 22 Jahre alte Mann vom TBV Lemgo, er war für den verletzten Spielmacher Martin Strobel nachgerückt. Dessen Aufgabe übernahm aber erst einmal Paul Drux, der im Vergleich zu Strobel ein Plus an Wurfgewalt, aber auch ein Minus an strategischer Klasse einbrachte. Außerdem startete Finn Lemke anstelle von Hendrik Pekeler im Mittelblock.

          Es war schnell zu sehen, dass es nicht mit hundert Prozent zur Sache ging. Zwar erspielte sich das deutsche Team eine 3:1-Führung, doch viele kleine Unkonzentriertheiten schlugen sich im Ergebnis nieder. Vorne saßen ein paar Würfe nicht, hinten zeigten sich Lücken in der Deckung, Torwart Wolff bekam nicht wirklich viel zu fassen, so dass Spanien schnell wieder nach- und gleichgezogen hatte. Bis Ende der ersten Hälfte sollte kein Team mit mehr als einem Tor entwischen.

          Als Drux sich beim Stand von 6:6 eine Zeitstrafe einhandelte, begann das große Wechselspiel, Suton kam zum Zug und führte sich gut ein, unter anderem mit drei Treffern bis zur Pause. „Es war ein super Einstand. Ich habe mich zwei Tage darauf gefreut – und dass es so gut geklappt hat, war super“, sagte der Lemgoer. Ansonsten war es am ehesten Fabian Wiede und Fabian Böhm, die sich entschlossen Bahnen zum Tor suchten – und sie sich manchmal auch mit Wucht selbst schufen. Offensiv nahm das Spiel nun Tempo auf, das machte Prokops zweite Reihe gut. In den Abwehrformationen aber ging es für Handballverhältnisse ziemlich körperlos und eben nicht sehr wehrhaft zur Sache. So lagen die Deutschen zur Pause zwar mit einem Tor vorn, hatten aber auch 16 Gegentreffer kassiert – nur fünf weniger als gegen Kroatien im ganzen Spiel.

          Zur Pause sollte der Auftritt der Weltmeister von 2007 noch einmal die Stimmung anheizen, doch es war kein Abend, an dem sich die ganz großen Emotionen und Phonzahlen auf Knopfdruck produzieren ließen. Wobei es schon noch einmal für Stimmung sorgte, wie die aktuelle Generation erst auf 20:17, dann auf 23:19 davonzog. Am Ende wurde es sogar noch einmal eng, aber Silvio Heinevetter rettete beim 30:29 die knappe Führung.

          Handball-WM 2019

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