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Handball-Nationalmannschaft : Dürre auf der Spielmacherposition

  • -Aktualisiert am

Steffen Weinhold soll das Spiel der Deutschen am Wochenende lenken Bild: picture alliance / dpa

Handball-Bundestrainer Heuberger hat mehr Zeit zur Verfügung als sein Vorgänger Brand. Dafür drücken ihn vor den Testspielen gegen Serbien Personalsorgen. Nun sollen es ein Debütanten-Quartett richten.

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          Etwas Entscheidendes hat sich verändert, seit Heiner Brand im Juli 2011 begann, die Handball-Nationalmannschaft nicht mehr von der Trainerbank aus anzuleiten, sondern sich übergeordnet als Manager des Deutschen Handball-Bundes (DHB) um die Geschicke der ersten Auswahl zu kümmern: Sein Nachfolger Martin Heuberger hat wesentlich mehr Zeit für Lehrgänge und Länderspiele. Es ist ein Verdienst Brands, den Bundesligavereinen in zähen Auseinandersetzungen ein paar zusätzliche Tage für die Nationalmannschaft abgerungen zu haben. Eine ganze Woche hat der 48 Jahre alte Heuberger seine Auswahlkräfte nun beisammen; am Wochenende testet er sie gegen Serbien in Schwerin und Rostock.

          Es ist eine äußerst kostbare Zeit für Heuberger. Gleich mit vier Debütanten muss der Bundestrainer zeigen, wie es bei ihm läuft. Kai Häfner aus Balingen, Tobias Reichmann aus Wetzlar, der Melsunger Felix Danner und der Berliner Jewgeni Pewnow stehen vor ihrem ersten Länderspiel. Es ist eher die blanke Not als ein überbordendes Angebot an qualifiziertem Personal, die Heuberger auf dieses Quartett zurückgreifen lässt. Denn in den ersten Länderspielen der Spielzeit 2012/2013 hat den Bundestrainer eine Flut von Absagen ereilt. Der Flensburger Holger Glandorf und der Gummersbacher Adrian Pfahl sind noch nicht voll austrainiert. Im rechten Rückraum sollen sich Häfner und der Wetzlarer Michael Müller versuchen. Patrick Groetzki von den Rhein-Neckar Löwen und Johannes Sellin aus Berlin fehlen auf Rechtsaußen. Sie werden vom Berliner Markus Richwien und Reichmann ersetzt. Alarmierend ist die Lage knapp vier Monate vor Beginn der Weltmeisterschaft in Spanien mit dem Spiel gegen Brasilien am 12. Januar 2013 aber vor allem dort, wo das Spiel gestaltet wird.

          Kein HSV-Profi im Kader

          Eine ausgesprochene Dürre herrscht auf der Spielmacherposition. Verschärft wurde die Lage am Donnerstag, als der Göppinger Regisseur Michael Haaß wegen eines Todesfalls in der Familie aus dem Camp in Schwerin abreiste. Dem 28 Jahre alten Musterprofi war acht Monate nach seiner schlimmen Knöchelverletzung bei der EM in Serbien eine Schlüsselrolle in Abwehr und Angriff zugedacht - diesbezügliche Planungen Heubergers sind durchkreuzt. Da auch Martin Strobel aus Lemgo noch nicht recht in die Saison gefunden hat, vertraut Heuberger einer Notlösung: Zusammen mit Sven-Sören Christophersen aus Berlin soll Steffen Weinhold das Spiel anleiten. Christophersen spielt eigentlich im linken Rückraum, Weinhold ist ein Typ mit Auge, der als Linkshänder auch den Regisseur geben kann, es bei seinem neuen Klub Flensburg aber wegen starker Konkurrenz in dieser Saison kaum getan hat.

          Die Not ist groß für Martin Heuberger: Zeit ist diesmal zwar da, aber das Personal fehlt
          Die Not ist groß für Martin Heuberger: Zeit ist diesmal zwar da, aber das Personal fehlt : Bild: dpa

          Zuletzt hatte sich Martin Heuberger auch wieder mit dem Thema Michael Kraus befasst. Der hochbegabte Profi des HSV spielt auch zu Beginn seiner dritten Saison in Hamburg keine Hauptrolle. Heuberger verzichtete darauf, ihn einzuladen. Fraglich, ob der Bundestrainer überhaupt noch einmal auf den 29 Jahre alten Profi setzt. Statt beim HSV einen Schritt nach vorn zu tun, hat sich Kraus auch wegen vieler Verletzungen deutlich zurückentwickelt. Weil Torwart Johannes Bitter und der ehemalige Kapitän Pascal Hens zurücktraten, Torsten Jansen verletzt ist und Kraus formschwach, sind zum ersten Mal seit Jahren keine Profis des HSV im DHB-Kader. Der Hamburger Trainer Martin Schwalb hat nichts dagegen. Er empfahl seinen Profis Mitte der Woche unverblümt, auf die WM zu verzichten: „Die Belastung ist unglaublich hoch, wir müssen etwas dagegen tun“, sagte Schwalb.

          Schaut man auf die Kaderzusammensetzung, sieht man, dass die bekannten Probleme der Nationalmannschaft auch auf diesen Jahrgang zutreffen: Auf den entscheidenden Positionen im Rückraum und am Kreis ist kein Spieler der Topteams aus Kiel und Hamburg dabei, denn dort vertraut man auf ausländische Profis. Zuletzt geißelte Heiner Brand wieder einmal den mit Abstand erfolgreichsten Klub aus Kiel, der „seit Jahren keinen Nationalspieler“ hervorgebracht habe. Heuberger will sich von all diesen Misstönen und Absagen nicht aus der Ruhe bringen lassen.

          Es gibt keine Schonfrist für seine zusammengewürfelte Mannschaft. Schon Anfang November stehen Qualifikationsspiele zur nächsten Europameisterschaft Anfang 2014 in Dänemark an. Klagen will Heuberger nicht über die missliche Lage: „Es ist nun einmal so, dass einige der Arrivierten angeschlagen oder nicht fit sind. Deswegen gebe ich jungen Spielern eine Chance.“ Damit folgt der Badener ganz seiner Berufung. Als DHB-Nachwuchstrainer wurde er mit den Junioren 2009 und 2011 Weltmeister. Heuberger weiß also, wie es geht.

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