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Handball-EM : Pekeler und das Dilemma der Deutschen

„Die Mannschaft nicht im Stich lassen“: Hendrik Pekeler wirft sich wohl auch Samstag noch mal ins Getümmel. Bild: EPA

Er ist vor dem „Spiel ohne Bedeutung“ gegen Portugal im roten Bereich angekommen. Doch Hendrik Pekeler wird seinen strapazierten Körper bei der Handball-EM weiter schinden – wenn auch nicht ganz aus freien Stücken.

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          Die Kraft, sagte Hendrik Pekeler, werde schon reichen. Sein Körper sprach jedoch eine andere Sprache. Pekeler wirkte ausgelaugt und matt, als er nach dem 26:22 gegen Tschechien in den Katakomben der Wiener Stadthalle stand, wie jemand, der nur noch nach Hause möchte. Und wenn man ihn vorher gesehen hatte, wie er sich in den Schlussminuten auf dem Parkett bewegte, „sehr sparsam, aber intelligent“, wie Bundestrainer Christian Prokop es charmant formulierte, dann konnte man diesen Wunsch nachfühlen.

          Pekeler half zwar noch einmal mit, den Sieg zum Hauptrundenabschluss zu sichern, aber er ist im roten Bereich angekommen bei dieser Handball-Europameisterschaft, in die er schon mit Achillessehnenproblemen gegangen war. „Leider ist es von Spiel zu Spiel schlechter geworden“, sagte er am Mittwochabend. „Ich denke, dass die hohe Anzahl an Spielen in kurzer Folge mir nicht sonderlich gutgetan hat. Ich muss einfach schauen, dass ich das in den Griff bekomme.“

          Pekeler machte kein Hehl daraus, dass er lieber eine Auszeit nehmen würde, als die Reise nach Stockholm anzutreten, wo die Deutschen am frühen Donnerstagnachmittag gelandet sind. „Es sind einfach vier Tage, die flöten gehen“, sagte er, für ein „Spiel ohne Bedeutung“, das Duell mit Portugal an diesem Samstag (16.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM, bei One und sportschau.de) um Platz fünf. Aber Pekeler wird gebraucht. In der deutschen Abwehr, wo Patrick Wiencek wegen Knieproblemen wohl weiter ausfällt, und als einer von Prokops Anführern.

          „Er will von seinen Führungsspielern, dass sie vorangehen“, sagte Pekeler, „das habe ich versucht, so gut es geht.“ Damit verkörpert der 28 Jahre alte Kreisläufer vom THW Kiel wie kein anderer das Dilemma, das die Deutschen auf der letzten Etappe dieser EM begleitet: zwischen dem sehnlichen Wunsch durchzuschnaufen einerseits und dem erklärten Ziel des Bundestrainers, auch dieses Spiel zu nutzen im Hinblick auf die Olympia-Qualifikation im April, in der es wieder gegen Portugal gehen könnte.

          Für die großen Gesten sind andere im Team zuständig, Kollege Wiencek etwa, der nach gewonnenen Bällen die Energie herausbrüllt, gegen Portugal aufgrund von Knieproblemen aber abermals nicht zum Einsatz kommen wird, oder die Torhüter Andreas Wolff und Johannes Bitter, der Kapitän ist Uwe Gensheimer, aber Pekeler ist derjenige, der den Laden zusammenhält. Ein Leader ohne laute Töne, dessen Worte aber Gewicht haben und der, wenn nötig, auch mal deutlich wird. So wie in der Debatte um Prokop, als er einen der schärfsten Kritiker des Bundestrainers, den früheren Welthandballer Daniel Stephan, einnordete. „Man hört von ihm elf Monate im Jahr gar nichts. Und dann bei einer EM ist er der Erste, der aus seinem Loch gekrochen kommt und meint, das Maul aufreißen zu müssen“, sagte Pekeler der ARD. „Er war ein richtig guter Handballer. Aber seitdem hat er nichts dazu beigetragen, dass die Sportart in Deutschland wächst oder weiter vorangebracht wird. Deswegen kann man das, was er sagt, nicht mehr für voll nehmen.“

          Schon lange gehört Pekeler auch zu denjenigen, die am deutlichsten die Belastungen anprangern, denen die Spieler ausgesetzt sind, die atemlose Hatz von Match zu Match. Dass es jetzt bei der EM noch einmal von Wien nach Stockholm ging, zusätzlicher Reisetag hin oder her, ließ ihn vernehmlich den Kopf schütteln. Gegen Tschechien sollte er eigentlich ein bisschen mehr Ruhe bekommen, nach 15 oder 20 Minuten, so war es mit dem Bundestrainer abgesprochen, sollte Schluss sein.

          Doch als Johannes Golla gegen Ende mit einer Disqualifikation hinausmusste, gab es keinen anderen gelernten Innenblockspieler mehr – Pekeler musste wieder ran. Und so wird er seinen strapazierten Körper nach Lage der Dinge auch gegen Portugal schinden, wenn auch nicht ganz aus freien Stücken. „Es geht auch darum, dass man die Mannschaft nicht im Stich lässt“, sagte Pekeler, der nach der verkorksten EM 2018 zu den Prokop-Skeptikern gehörte, nun aber noch einmal den Zusammenhalt im Team und mit dem Trainer lobte, „und das ist ja nicht nur so dahingesagt“.

          Also keine Pause, auch wenn sie „gut und sinnvoll“ wäre. „Außer wenn der Trainer sagt, du fährst nach Hause.“ Ein paar Minuten später stand dann Prokop vor den Mikrofonen und zog aufgeräumt Bilanz. Den Gedanken, dass es eine Herausforderung sein könnte, seine Spieler noch einmal auf den Kraftakt gegen Portugal einzuschwören, schob der Bundestrainer beiseite: „Die Jungs wissen, was wir 2020 vorhaben und wodurch wir das erreichen können, nämlich indem jeder alles aus sich herauskitzelt.“ Auch, wenn es weh tut, wie bei Pekeler? „Auf Peke ist Verlass“, sagte Prokop. Und dass er ihn, selbstverständlich, auch in Stockholm brauchen werde.

          Mögliche Gegner in der Olympia-Ausscheidung

          Vom 17. bis 19. April werden in drei Qualifikationsturnieren sechs Tickets für das olympische Handball-Turnier der Männer vergeben. Deutschland ist Gastgeber einer Ausscheidung, die in Berlin stattfindet. Nach derzeitigem Stand wären dort Rekord-Europameister Schweden, Slowenien und der Dritte der Afrika-Meisterschaft, die derzeit parallel zur EM ausgetragen wird, die Gegner. Die ersten zwei Mannschaften jedes Turnier lösen das Olympia-Ticket für Tokio, das Gastgeber Japan, Weltmeister Dänemark, Panamerika-Meister Argentinien und Asienvertreter Bahrein schon sicher haben. Weitere Plätze sind für den Europameister und den Afrika-Meister reserviert.  Aus diesem Grund kann sich die Zusammensetzung der drei Turniere noch ändern. Sollte zum Beispiel Norwegen Europameister werden, träfe die DHB-Auswahl auf Spanien und Portugal. Eine weitere Verschiebung der Turnierzusammensetzung gäbe es im Fall eines Titelgewinns von Slowenien. Definitiv stehen die deutschen Gegner daher erst am Sonntagabend fest. (dpa)

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