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Deutscher Sieg bei Handball-EM : Alle Regler hoch

Befreiender Jubel: Andreas Wolff beim Spiel gegen Weißrussland Bild: dpa

Mehr von allem: Die deutsche Handball-Nationalmannschaft siegt gegen Weißrussland und wahrt ihre Chance auf das EM-Halbfinale. Vor allem ein Spieler zeigt sich dabei deutlich verbessert.

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          Sie mögen Handball nur, wenn er laut ist. Das hatten die deutschen Spieler am Tag vor dem Spiel gegen Weißrussland noch einmal vielstimmig zu Protokoll gegeben. Was das anging, blieb auch in der Wiener Stadthalle Luft noch Luft nach oben am Donnerstagabend, die Heim-WM im vergangenen Jahr war in Sachen Phonstärke noch einmal etwas ganz anderes als das erste Gastspiel in Österreich bei der Drei-Länder-Europameisterschaft. Dafür aber wirkte es, als hätte die Mannschaft von Christian Prokop an den richtigen Reglern gedreht, um bei diesem Turnier auf Touren zu kommen. Das 31:23 gegen Weißrussland bedeutete nicht nur die ersten beiden Punkte in der Hauptrunde für die Deutschen. Es war zugleich eine erhebliche Steigerung gegenüber den beunruhigenden letzten Eindrücken aus der Vorrunde, und so dürfen Team und Trainer ermutigt und gestärkt in die weiteren Aufgaben gehen.

          Konzentriert, leidenschaftlich, zielstrebig – das war die richtige Mischung für dieses erste Hauptrundenspiel, das mit Blick auf die angepeilten Ziele schon Endspielcharakter trug, wenngleich sich Weißrussland dabei als dankbarer Gegner zeigte. Aus einer diesmal zupackenden Deckung entwickelte das deutsche Team Rhythmus und Wucht, und weil die Deutschen auch verlässlich trafen, am häufigsten in Person von Timo Kastening (sechs Tore), Philipp Weber (fünf) und Julius Kühn (vier), wurde aus dem anfangs verhaltenem Jubel auf den Tribünen doch Begeisterung. „Ich bin komplett zufrieden, das war eine deutliche Leistungssteigerung in allen Mannschaftsteilen“, sagte Bundestrainer Prokop gegenüber der ARD: „Die Jungs haben das phantastisch gelöst.“

          Zuvor hatte sich Titelverteidiger Spanien keine Blöße beim 31:25 gegen Tschechien gegeben, die Kroaten unterstrichen mit dem souveränen 27:23 gegen Österreich ebenfalls, was in ihnen steckt – so dass dem Duell der Deutschen mit Kroatien am Samstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-EM und im ZDF) nun zugespitzte Bedeutung zukommt. Dann muss es gegen einen äußerst unbequemen und zupackenden Gegner schon ein Sieg sein, um in den verbleibenden beiden Partien gegen Österreich (Montag) und Tschechien (Mittwoch) doch noch den Halbfinal-Einzug schaffen zu können. Einen atmosphärischen Vorgeschmack gab es auch schon einmal: die kroatische Stimmgewalt beim Sieg gegen Österreich verheißt einen hitzigen Samstagabend. Alle Regler bis auf Anschlag – das wird dann auch für die deutschen Spieler gelten, wenn sie diese Aufgabe meistern wollen.

          Konnte zufrieden mit seiner Mannschaft sein: Bundestrainer Christian Prokop

          Prokop hatte am Morgen noch eine Veränderung im Team vorgenommen. Johannes Golla, der den Sprung in den 16er-Kader zunächst nicht geschafft hatte, aber weiter bei der Mannschaft geblieben war, ersetzte Marian Michalczik – Kreisläufer für Rückraumspieler, das war auch eine Maßnahme zur Stärkung der bislang unerwartet anfälligen Defensive. Auch wenn Golla in der zweiten Hälfte mithelfen durfte, den Sieg zu sichern, und sogar einen Treffer erzielte – dringend gebraucht wurde er gegen Weißrussland nicht. Nach der insgesamt missratenen Vorrunde hatte die deutsche Defensive, bei der Heim-WM noch das Prunkstück, besonders im Blickpunkt und auch in der Kritik gestanden. Prokop warnte zudem vor dem Tempo der von Juri Schewzow trainierten Weißrussen, einer „Geschwindigkeitsmannschaft“, wie der Bundestrainer sagte. Sein eigenes Team sollte mit einem erkennbaren Mehr an Energie und Emotion dagegenhalten.

          Der Start gelang nach Maß. Torwart Andreas Wolff, diesmal deutlich verbessert, parierte gleich den ersten Ball, und bei den ersten drei Treffern zeigten Julius Kühn, Paul Drux und Kastening so viel Wucht und Wille, dass die Richtung für diesen Abend vorgegeben war. Überhaupt war es in der Offensive wieder einmal der Rechtsaußen Kastening der für ständige Unruhe am gegnerischen Kreis sorgte und mit einer erstaunlichen Mischung aus Explosivität und Seelenruhe seine Tore warf – es ist sein erstes Turnier mit dem Nationalteam. Die augenfälligere Steigerung war aber die in der Defensive, wo Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler wieder eine Politik der harten Tür umsetzten, womit sie auch Torwart Wolff halfen, sich auszuzeichnen – allerdings segelten einige Würfe der insgesamt schwachen Weißrussen auch ohne deutsche Intervention weit vorbei.

          So baute Prokops Team die Führung beständig aus, und nach einer Viertelstunde schraubte Uwe Gensheimer den Vorsprung schon auf sieben Treffer (11:4). Sieben Tore, war da nicht etwas? So hoch hatten die Deutschen schon gegen Lettland geführt, eher der Vorsprung bis auf einen Treffer zusammenschmolz. Den Fehler, zu früh herunterzupegeln, schienen die Deutschen diesmal nicht zu machen. Konzentration und Körpersprache stimmten, und so ging das Team mit einem rundum verdienten 18:11 in die Pause. Mitte der zweiten Hälfte wirkte es kurzzeitig, als habe Prokop mit seinen vielen Wechseln auch den Schwung gebremst, doch als die Weißrussen bis auf fünf Tore herangekommen waren, sorgten die beiden besten Deutschen, Weber und Kastening, für den alten Abstand. So wurde es ein Sieg, bei dem – bis auf Johannes Bitter, der nicht zum Einsatz kam – für jeden etwas dabei war.

          Handball-EM 2020

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