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Ärger nach Erdogan-Affäre : Löw spricht über geplatztes Treffen mit Özil

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Bei der EM 2018 sprachen Löw (links) und Özil noch miteinander, danach nicht mehr. Bild: AP

Nach dem Rücktritt aus dem DFB-Team wegen der Erdogan-Affäre wollte der Bundestrainer mit Mesut Özil sprechen. Doch beim Besuch in London darf er nicht. Nun verrät Joachim Löw, wie enttäuscht er ist.

          Bundestrainer Joachim Löw hat sich enttäuscht von Mesut Özil nach dem geplatzten Treffen mit dem früheren Weltmeister bei dessen Verein FC Arsenal gezeigt. „Mesut war nicht da, von daher müssen wir akzeptieren, dass er aktuell nicht mit uns sprechen will. Die Gründe kenne ich auch nicht“, sagte der 50-Jährige nach dem Zuschlag für Deutschland im Rennen um die Fußball-EM 2024 am Donnerstag in Nyon. „Das hätte ich mir erwartet, gerade von Mesut. Persönlich bin ich darüber enttäuscht, wenn man so lange zusammengearbeitet hat (...), hätte ich mir ein persönliches Gespräch gewünscht.“

          Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff wollten ihren Besuch in London am Sonntag und Montag anlässlich der Weltfußballer-Gala nutzen, um mit dem Arsenal-Profi Özil ins Gespräch zu kommen. Die Visite beim Londoner Verein sei angekündigt gewesen, betonte Löw. „Selbstverständlich hätte ich die Chance wahrgenommen mit Mesut Özil zu sprechen, das liegt mir nach wie vor am Herzen.“ Löw unterhielt sich mit Arsenal-Torwart Bernd Leno, Shkodran Mustafi und Per Mertesacker, dem Jugendleiter von Arsenal.

          Löw sieht sich nach dem historischen WM-K.o. weiter unter Ergebnis-Druck. Trotz der Vergabe der EM 2024 an Deutschland will er daher nicht über eine langfristige Zukunft als Bundestrainer bis zum Heimturnier in sechs Jahren nachdenken. „Alle im Verband, in der Organisation, die können jetzt vorausplanen, die dafür zuständig sind. Aber das betrifft mich als Trainer nicht, denn ich bin unmittelbar vom Erfolg abhängig, der vielleicht in den nächsten Monaten oder beim nächsten Turnier erfolgt“, sagte Löw auf die Frage, ob er nun bis zur EM 2024 DFB-Chefcoach bleiben wolle.

          „Soweit vorausdenken, ist für einen Trainer schwierig“, sagte Löw. Der Bundestrainer gehörte zur Delegation des Deutschen Fußball-Bundes, die in der Uefa-Zentrale die letztlich siegreiche deutsche Bewerbung präsentierte. Sein Vertrag war vom DFB-Präsidium im Mai bis 2022 verlängert worden. Trotz des historischen Scheiterns in Russland war ihm von DFB-Chef Reinhard Grindel das Vertrauen ausgesprochen worden.

          Dem Mut machenden 0:0 gegen Frankreich in der Nations League folgte ein mühsamer 2:1 im Test gegen Peru Anfang September beim ausgerufenen Neuanfang für die Nationalmannschaft. Nun stehen für Löws Team die schweren Auswärtsspiele in der Nations League am 13. Oktober in den Niederlanden und drei Tage später in Frankreich an. Wird Deutschland in der Gruppe nach Abschluss im November Letzter, muss Löw in dem neuen Uefa-Wettbewerb in die zweitklassige B-Liga absteigen. Das nächste große Turnier ist die EM 2020.

          Die EM 2024 in Deutschland kann nach Ansicht von Löw für junge Spieler ein großer Ansporn sein. „Ich glaube, dass so ein Turnier bei Spielern, die jetzt 16, 17 18, 19, 20 Jahre alt sind, eine große Motivation auslöst“, sagte Löw. Auch vor der WM 2006 in Deutschland habe man gemerkt, „dass junge Spieler unglaublich bereit waren, bei so einem Turnier dabei zu sein.“ Deutschland hatte sich in Nyon gegen die Türkei durchgesetzt. Die Ausrichtung eines großen Turniers sei „etwas Außergewöhnliches“ für ein Land, sagte Löw. „Es ist ein guter Schritt jetzt für die nächsten Jahre. Alle können jetzt vorausplanen“, ergänzte der Bundestrainer. Die WM 2006 in Deutschland sei „eine große Party“ gewesen. „Wir werden alles dafür tun, dass es 2024 genauso wird.“

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