http://www.faz.net/-gtl-9et0k

Erdogan-Affäre : Löw darf in London nicht mit Özil reden

  • Aktualisiert am

Da sprachen sie noch miteinander: Mesut Özil (links) und Joachim Löw im WM-Trainingslager im Mai 2018. Bild: dpa

Nach dem krachenden Rücktritt aus der Nationalmannschaft sucht Joachim Löw Kontakt zu Mesut Özil. Nun reist der Bundestrainer gar nach London. Doch zum Gespräch kommt es dort nicht.

          Der FC Arsenal hat nach Informationen der „Bild“-Zeitung einen Trainingsbesuch von Bundestrainer Joachim Löw und damit einen direkten Kontakt mit dem zurückgetretenen Mesut Özil verhindert. Löw und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff wollten demnach ihren Besuch in London am Sonntag und Montag anlässlich der Weltfußballer-Gala nutzen, um mit dem Arsenal-Profi Özil ins Gespräch zu kommen. Laut „Bild“ soll Chefcoach Unai Emery verboten haben, dass Löw und Bierhoff beim Regenerationstraining am Montag auf dem Vereinsgelände zusehen durften.

          „Wir hätten uns gerne mit Mesut unterhalten. Aber wir müssen akzeptieren, dass er momentan das Gespräch mit uns nicht haben will“, sagte Bierhoff der „Bild“. Nach Angaben der Zeitung unterhielt sich Löw im Besucherzentrum des Premier-League-Klubs mit Torwart Bernd Leno und Shkodran Mustafi. Mit Per Mertesacker, dem Jugendleiter von Arsenal, aßen Löw und Bierhoff auf dem Gelände zusammen Mittag. Özil-Berater Erkut Sögüt erklärte auf „Bild“-Nachfrage zum verhinderten Kontakt von Löw und Özil nur: „Bitte haben Sie Verständnis, dass ich mich dazu nicht äußern möchte.“

          Wenige Tage vor seinem Staatsbesuch in Deutschland hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan unterdessen sein Unverständnis über die Aufregung um das Foto mit den deutschen Fußball-Nationalspielern Özil und Ilkay Gündogan geäußert. „Es gibt nichts zu bedauern“, sagte Erdogan der Funke Mediengruppe. „Wie Sie wissen, hat sich Lothar Matthäus mit Wladimir Putin getroffen. Unsere Spieler sollten auch in der Lage sein, mit freiem Gewissen handeln zu können. Ich bedaure die Personen, die das kritisieren“, sagte Erdogan.



          Özil war nach dem WM-Aus in der Vorrunde aus dem DFB-Team zurückgetreten. Er fühlte sich vom Deutschen Fußball-Bund in der Affäre um die Fotos mit Erdogan alleingelassen und äußerte in einer dreiteiligen Social-Media-Botschaft im Juli Rassismusvorwürfe gegen den DFB. „Er hat die deutsche Nationalmannschaft nicht grundlos verlassen. Jeder andere, der mit diesen rassistischen Attacken und Beleidigungen zu kämpfen hätte, würde dieselbe Reaktion zeigen“, sagte Erdogan. „Mesut Özils Aussage „Deutscher, wenn ich gewinne, aber Immigrant, wenn ich verliere“, fasst die Diskriminierung von Spielern in Deutschland sehr gut zusammen“, betonte Erdogan. DFB-Präsident Reinhard Grindel hatte die Vorwürfe zurückgewiesen.

          Er sei Özil, der in Deutschland geboren wurde und türkische Eltern hat, schon „bei verschiedenen Gelegenheiten begegnet“, sagte Erdogan in dem Interview der Funke Mediengruppe, das im Yildiz Palast in Istanbul geführt wurde. „Mesut ist jemand, der in London lebt. Warum soll ich ihn nicht treffen, wenn ich schon da bin?“, sagte Erdogan und fragte: „Sollten wir, wenn ein deutscher Fußballspieler, der in unserem Land spielt, ein Foto mit Frau Merkel macht, ihn dann lynchen? Diese Logik ist nicht nachzuvollziehen.“ Özil und Gündogan könnten sich „beiden Ländern zugehörig fühlen. Dem Land, in dem sie geboren sind, und dem Land, aus dem ihre Eltern kommen.“

          Weitere Themen

          Özils Berater und die Imagekorrektur

          Erkut Sögüt : Özils Berater und die Imagekorrektur

          Erkut Sögüt ist der Berater von Mesut Özil und legt sich gern mit den Größen der Fußball-Branche an. Bei einem Vortrag wiegen seine Anschuldigungen schwer. Und er hat eine deutliche Botschaft.

          „Unverschämt“ und „polemisch“ Video-Seite öffnen

          Pressekonferenz des FC Bayern : „Unverschämt“ und „polemisch“

          Ungewöhnlicher Auftritt der Bayern-Bosse: Rummenigge, Hoeneß und Salihamidzic schimpfen über die Kritik von Journalisten und Experten am FC Bayern. Sehen Sie sich die denkwürdige Pressekonferenz noch einmal im Video an.

          Grün, grün, grün

          FAZ.NET-Sprinter : Grün, grün, grün

          Auch ohne Daenerys von Bayern bleibt Hessen keine Wahl. Die EU hat ihre schon getroffen. Was der Tag bringt, steht im FAZ.NET-Sprinter.

          Topmeldungen

          Rundumschlag beim FC Bayern : Lieber Mist statt Dreck?

          Der FC Bayern übt strenge Medienschelte und fordert: Sachliche Kritik ja, Polemik, Beleidigungen nie und nimmer! Ein schöner Vorsatz. Doch wenig später bezeichnet Uli Hoeneß die Leistung eines Spielers selbst schon wieder als „Scheißdreck“. Ein Kommentar.
          Kann vom 23. bis 25.10. neue Pläne machen: Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing

          Fall Khashoggi : Deutsche-Bank-Chef sagt Reise nach Saudi-Arabien ab

          Lange hat Christian Sewing gezögert, nun aber sagt der Chef der Deutschen Bank seine Teilnahme an einer wichtigen Investorenkonferenz in Riad ab. Um Siemens-Chef Kaeser wird es einsam.
          Den Vorhang lieber zu: So viel kann aa koa Engel saufn.

          Fraktur : Zwei Münchner im Himmel

          Frei nach Ludwig Thoma: Franz Josef und Wilfried im Gespräch über die CSU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.