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Frauenfußball : Genug der Worte

Knallt es? Bundestrainerin Steffi Jones mit Alexandra Popp (r.) Bild: dpa

Der deutsche Frauenfußball schlittert immer tiefer in die Krise. Die 2:3-Niederlage gegen Island war ein Tiefpunkt und gefährdet die Teilnahme an WM und Olympia. Kann Steffi Jones noch einen Ausweg finden?

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          War das noch Steffi Jones, die da sprach? „Wenn es die fehlende Peitsche ist, dann gebe ich sie gerne“, sagte die Bundestrainerin nach der 2:3-Niederlage gegen Island im WM-Qualifikationsspiel am Freitagabend in Wiesbaden. Die Worte waren an ihr Team gerichtet, das die erste deutsche Niederlage in einem Qualifikationsspiel seit 1998 hinnehmen musste gegen einen Gegner, der zuvor in 30 Jahren und zehn Duellen nicht mal ein einziges Tor erzielt hatte.

          Ein Fußballspiel kann mit einer Niederlage enden. Auch wenn man Olympiasieger ist und eine der vier bis fünf Nationen in der Welt, in denen Frauenfußball überhaupt auf ganz hohem Niveau betrieben und vom Verband gefördert wird, dann können Spiele verloren werden wie gegen Dänemark bei der Europameisterschaft, auch wenn die beim EM-Zweiten tobende Debatte um bessere Honorierung und Förderung des Frauenfußballs gerade deutlich offenbart, wie viel schlechter der Sport beim skandinavischen Nachbarn gefördert wird. Auch gegen Island ist mal eine Niederlage wie im WM-Qualifikationsspiel am Freitagabend in Wiesbaden möglich, auch wenn diese Insel im Atlantik mit seinen 330.000 Einwohnern nicht ansatzweise auf ein Spielerinnen-Fundament aufbauen kann wie Deutschland, sondern vornehmlich von der dieser Insel auch bei den Männern eigenen Mentalität lebt.

          Aber die Art und Weise, wie das deutsche Team bei beiden Niederlagen wie auch dem zuletzt hochnotpeinlichen 1:0-Sieg in Tschechien spielerische Offenbarungseide lieferte, ist das wahre Desaster. Verletzungsbedingt fehlende Spielerinnen wie Spielführerin Dzsenifer Marozsan, Torjägerin Mandy Islacker oder die zuletzt formschwache Sara Däbritz sind angesichts der großen Auswahl in Deutschland keine Erklärung in einem Spiel gegen Island.

          Die Bundestrainerin wälzte die Verantwortung für diese Niederlage später merkwürdig wenig selbstkritisch auf ihr Team ab, so als ob eine seit nun 14 Monaten am Pult stehende Dirigentin keinen Anteil am Auftritt eines Ensembles hätte. Nicht zuletzt ihre Entscheidung, der Ersatztorhüterin Laura Benkarth zu deen eigener Überraschung den Vorzug vor Stammtorhüterin Almuth Schult zu geben im wichtigsten Qualifikationsspiel, trug schließlich zur Verunsicheurng bei. „Es geht nicht, dass man uns mit so einfachen Mitteln schlägt. Wir halten nicht dagegen. Das ist mir zu wenig. Wenn wir da nicht die Einstellung ändern und Gras fressen, werden wir lange brauchen, um in die Erfolgsspur zurückzukehren“, sagte sie. „Die Ampel steht auf Rot“, sagte die Bundestrainerin in ihrem Ärger. Die Stimme klang dabei brüchig, die Sprecherin gab in dem Moment ihre Authentizität preis.

          Aufgabe der Authentizität

          Jones ist keine Frau, die mit Strafe drohen will. Die 44 Jahre alte Frankfurterin mit Wohnort Gelsenkirchen ist stattdessen ein offener Mensch, sie geht auf jeden zu wie auch während der Tage mit dem Nationalteam in Wiesbaden, wo sie als Gesicht des Frauenfußballs beim öffentlichen Training für jeden Fan ein nettes Wort parat hatte. Dann kommt dieser erstaunlich empathische Mensch zur Geltung, der trotz eines nicht immer einfachen Lebens als Kind einer Deutschen und eines in früher Kindheit ohne seine Familie in die Vereinigten Staaten zurückgekehrten amerikanischen Soldaten einen erstaunlichen Glauben an das Gute im Menschen vermittelt. Dank dieser Art wurde sie als Präsidentin des Organisationskomitees der WM 2011 zu einem sympathischen Gesicht Deutschlands.

          Die Zeit der Fröhlichkeit ist vorbei:Die deutschen Fußballfrauen um Svenja Huth und auch Maskottchen Paule sind ratlos

          Und so weckte sie mit ihrem Amtsantritt nach dem Olympiasieg 2016 die Hoffnung, die immer noch erfolgreiche, aber spielerisch zuletzt bleierne Ära Neid durch spielerischen, kreativen, fröhlichen Fußball ablösen zu können - obgleich die 111-malige Nationalspielerin keine Erfahrung als Trainerin vorzuweisen hatte. Nun, nach einer missratenen Europameisterschaft mit dem frühen Aus im Viertelfinale und nach dieser Niederlage gegen Island ist die Fröhlichkeit endgültig Vergangenheit. Aber ist Steffi Jones die richtige Frau für die Krise? Ist die nun dargebotene Härte authentisch genug, um den Zugang zum Team zu finden?

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