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Nur ein Remis : Ein schwarzer Abend für Borussia Dortmund

Auch Christian Pulisic konnte den BVB nicht mehr zum Sieg führen. Bild: AFP

Durch das blamable 1:1 in Nikosia verspielt der BVB fast alle Optionen auf das Achtelfinale in der Champions League. Die Chance zum Sieg vergibt der Torjäger in letzter Sekunde. Den größten Fehler macht aber ein anderer.

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          Kaum war die Dortmunder Champions-League-Partie in Nikosia zu Ende, gingen Kapitän Marcel Schmelzer, die nicht eingesetzten Nuri Sahin und Gonzalo Castro sowie die ausgewechselten Andrej Jarmolenko und Ömer Toprak auf Roman Bürki zu. Der Torwart im mausgrauen Trikot nahm den Trost seiner Kollegen an diesem schwarzen Abend entgegen. Mit dem blamablen 1:1 bei Apoel auf Zypern hat der BVB fast schon alle Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale verspielt. Beim Gegentor durch den früheren Dresdner Stürmer Mickaël Poté (62. Minute) beging Bürki einen Doppelfehler, danach gelang nur noch der Ausgleich durch Sokratis (67.).

          Champions League
          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Einen Rückpass hatte Bürki unbedrängt genau in den Fuß des Nikosia-Angreifers Lorenzo Ebecilio gespielt, der danach Schmelzer und Marc Bartra mit einer Finte ins Leere laufen ließ. Den Schuss ließ Bürki nach vorne prallen, Poté hatte wenig Mühe, den Schweizer Schlussmann zu umspielen und zur Führung der Zyprer einzuschieben. Peter Bosz nahm den Patzer seines Torwarts gelassen hin. „Das passiert im Fußball, die Mannschaft wird ihm das nicht vorwerfen“, sagte der Trainer beim TV-Sender Sky. Auch Schmelzer stützte seinen Kollegen: „Wir wollen hinten herausspielen. Auf einem normalen Platz wäre der Ball auch angekommen.“ Den Fehlpass aber alleine auf den nicht optimalen Rasen zurückzuführen, wäre zu einfach.

          Bürki steht nicht das erste Mal in dieser Saison in der Kritik. Während die teils furiosen Leistungen in der Bundesliga mit vielen eigenen Toren manche Unsicherheit in der Defensive kaschierten, wurden die Fehler in der Champions League hart bestraft. Beim 1:3 im ersten Spiel bei Tottenham Hotspur fing sich der BVB zwei Tore in die kurze Ecke. Die sollte bei gutem Torwartspiel aber abgedeckt sein. Nun trug das Missgeschick Bürkis dazu bei, dass der dringend benötigte Sieg in Nikosia verpasst wurde. Auf einen Tausch des Torhüters lassen die Aussagen von Trainer Bosz aber nicht schließen. Auf der Bank sitzt derzeit der schon 37 Jahre alte Roman Weidenfeller. Auch Schmelzer sprang Bürki nochmal bei. „Das passiert auch den Besten der Welt – selbst Manuel Neuer ab und an. Es gibt bei uns in der Mannschaft keine Diskussion. Roman ist ganz klar unsere Nummer eins.“

          An Bürki alleine aber lag es auch nicht. Obwohl der BVB destruktive Zyprer erwarten musste, fand der Tabellenführer der Fußball-Bundesliga kaum ein Mittel, die Defensive auszuspielen. „Das hätte uns nicht passieren dürfen“, sagte Mario Götze. Die größte Chance nach Sokratis‘ Kopfballtor durch eine kurz ausgeführte Ecke und eine hohe Flanke von Götze hatte Pierre-Emerick Aubameyang. Der Torjäger, dem fast nichts gelungen war, traf mit einem Kopfball in der letzten Aktion der Nachspielzeit den Pfosten. Auch den Gabuner nahm Bosz in Schutz. „Für ihn war es schwierig“, sagte Bosz, der das Resultat enttäuschend nannte und monierte, dass die Borussia im Verlauf der Partie „langsamer und schlechter“ geworden sei. Auch Julian Weigl gab zu, dass „sich immer wieder Fehler eingeschlichen“ haben. „Das ist sehr, sehr ärgerlich.“

          23 Tore hat die Borussia in der Bundesliga in acht Spielen schon erzielt. In der Champions League aber will es nicht klappen. „Wir waren nicht scharf genug darauf, das Tor zu machen“, sagte Bosz. „In solchen Spielen ist es wichtig, das erste Tor zu schießen.“ Das gelang aber weder in Zypern noch bei Tottenham oder gegen Real Madrid. Da die beiden in ihrem Duell zur gleichen Zeit unentschieden spielten, beträgt der Rückstand der Dortmunder in der Tabelle nun schon sechs Punkte auf Platz zwei, der ins Achtelfinale führt. „Man muss ehrlich sein. Das wird jetzt sehr, sehr schwer. Unsere einzige Chance ist es, die nächsten drei Spiele zu gewinnen“, sagte Bosz.

          Einige Fans von Borussia Dortmund sind mit ihrer Mannschaft nach Zypern gereist. Bilderstrecke

          Ähnlich desillusioniert klang auch Sportdirektor Michael Zorc. „Ich bin kein Träumer, sondern Realist“, sagte er beim Blick auf die Konstellation zur Halbzeit der Gruppenphase. „Irgendwann geht es auch darum, Platz drei abzusichern.“ Der berechtigt zur Teilnahme an der Europa League nach der Winterpause und wäre ein kleines Trostpflaster. Doch Apoel hat durch das Remis Mut gefasst und dürfte auch bei der Partie in zwei Wochen in Dortmund ein unangenehmer Gegner werden. Dann geht es für den BVB gegen Tottenham, ehe die Reise zum Abschluss nach Madrid führt.

          Bevor es in der Champions League weitergeht, stehen allerdings in den nationalen Wettbewerben schwere Aufgaben bevor – alle auswärts. In der Bundesliga warten Eintracht Frankfurt und Hannover 96, im DFB-Pokal der Drittligaklub 1. FC Magdeburg. In diesen Partien wird sich entscheiden, in welche Richtung es für die nach dem furiosen Saisonstart geht. Fängt sich der BVB oder machen die Jäger aus München und Leipzig fette Beute bei der Jagd auf den Spitzenreiter. Bosz, der vor dieser Spielzeit die Mannschaft übernahm, jedenfalls hat erkannt, dass die Leistung vom Dienstagabend mangelhaft war. „Wir müssen eine Reaktion zeigen und zwei, drei Schüppchen drauflegen.“

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