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Bundesliga-Kommentar : Bayerns Mentalitäts-Monopol

Bayern-Luxus: Dreimal Weltklasse auf der Bank, für die Bundesliga reicht’s trotzdem. Bild: dpa

Wer eine spannende Liga sehen will, muss nach England schauen. Dort tummeln sich drei Teams punktgleich an der Spitze. In Deutschland herrscht Langeweile: Nur die Bayern können sich Weltklasse leisten.

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          Deutschland im Fußballherbst. Dortmund gewinnt wieder nicht, Wolfsburg kommt nicht mal an den eigenen Fans vorbei, und Champions-League-Teams wie Leverkusen und Gladbach wursteln in der zweiten Tabellenhälfte vor sich hin. Wer im Titelkampf spannenden deutschen Fußball sehen will, braucht ein noch viel größeres Fernglas als jenes, das sich Uli Hoeneß einst für die Suche nach der Bayern-Konkurrenz wünschte.

          Ein Bild etwa, wie man es jenseits des Ärmelkanals erkennt, hat die Bundesliga seit Generationen nicht mehr geboten: nicht ein Team vorn, mit 23 Punkten, sondern drei, jedes mit 23 Punkten. Alle auch dank Hilfe aus der Bundesliga. Vorneweg Manchester City mit Pep Guardiola, bis Mai Münchner, und Ilkay Gündogan, bis Mai Dortmunder, der beim 4:0 bei West Bromwich Albion zwei Tore schoss, eins vorbereitete.

          Dann Arsenal, wo Mesut Özil, gebürtiger Schalker und vergangene Saison Vorlagenkönig der Premier League, beim 4:1 in Sunderland seine Vorlagenflaute in dieser Saison beendete. In der Abwehr räumt Shkodran Mustafi auf, der heute in Hamburg spielen könnte, hätte der HSV ihn 2009 aus der eigenen Jugend übernommen. So landete er über Everton, Genua und Valencia im September in London. Bei Arsenal hat er seitdem alle Spiele bestritten und keins verloren.

          Und dann Liverpool mit Jürgen Klopp, dem Alex Ferguson gerade ein Kompliment gemacht hat, wie es ein Trainer der „Reds“ von einem Mann des ewigen Rivalen Manchester United kaum je bekam. Zwei Jahrzehnte lang habe Liverpool „Trainer gewechselt, ohne eine eigene Identität aufzubauen“, so Sir Alex. „Jetzt riecht man regelrecht, dass mit ihnen in diesem Jahr zu rechnen ist.“ Worauf Klopp geschmeichelt fragte: „Darf ich sagen, dass ich Alex Ferguson mag?“ England mag den deutschen Fußball nicht erst seit der WM 2014. Als Exporteur ist die Bundesliga dort schon seit dem deutschen Champions-League-Finale in Wembley 2013 höchst gefragt. Und es müssen nicht immer Weltstars sein. Beim Liverpooler 4:2 bei Crystal Palace trafen Emre Can, aus Leverkusen gekommen, und Joel Matip, aus Schalke.

          Mario Götze: Beim BVB noch nicht in alter Verfassung, aber es wird ein bisschen besser.

          Nicht nur ein Kroos oder Khedira, beim 2:1-Sieg von Juventus Turin im italienischen Top-Spiel Vorarbeiter des Siegtores, auch Spieler wie Can und Matip werfen die Frage auf, ob der deutsche Fußball sich angesichts explodierender Einnahmen der Premier League, aber auch der oberen Champions-League-Kaste, seine eigene Top-Qualität bald noch leisten kann. Jenseits von München natürlich, wo man es sich sogar leisten kann, Weltmeistern Ruhetage zu gönnen, wie zuletzt Lahm, Boateng, Hummels oder, beim 3:1 in Augsburg, Müller. Spieler, die in jedem anderen Team der Liga Anker und Anführer wären. Die Bayern haben in ihrem Personal nicht nur ein Maximum an Qualität, auch an Mentalität vereinigt, ja monopolisiert. Sie holen Führungsspieler und machen sie zu willigen Team-, ja Ergänzungsspielern. Woanders fehlt ihre Führungskraft.

          Selbst Dortmund, der von den Bayern einzige ernst genommene Rivale, muss beim Personal immer mehr Risiken eingehen - keine fertige Weltklasse, sondern unfertige holen, Spieler also, entweder noch sehr jung oder schon mit Knick in der Karriere. Wie Mario Götze und André Schürrle. Als Joker machten sie Deutschland zum Weltmeister. Im Derby gegen Schalke machten sie keinen Unterschied.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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