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Verdi-Streikleiter in Hessen : „In fast jedem Bundesland verdienen Busfahrer mehr als in Hessen“

Ausstand: Nicht nur in Hanau blieben die Busse am Dienstag in der Regel streikbedingt in den Depots Bild: dpa

Auch am Mittwoch streiken Busfahrer in ganz Hessen wieder. Verdi-Streikleiter Jochen Koppel erläutert im Interview die Lohnforderung und sagt, wieso die Pausenregelung aus Sicht der Gewerkschaft ungerecht ist.

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          Verdi hat einen unbefristeten Streik ausgerufen. Woher kommt Ihre Entschlossenheit im Tarifstreit mit den Omnibus-Unternehmern in Hessen?

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei den vorherigen Verhandlungen vor zwei Jahren haben wir gesagt: Wir geben nach und reden nur über die Entgelte, lassen aber den Manteltarifvertrag außen vor. Dazu haben wir angekündigt, in der nächsten Runde dafür eine höhere Lohnforderung zu stellen und über den Manteltarif zu reden. Nun ist es soweit.

          Worum geht es Verdi im Streit um den Manteltarif?

          Zum Beispiel wollen wir die Pausenregelungen neu fassen. Die sind bisher sehr kompliziert. Wir wollen die Pausenregelungen vereinfachen und Busfahrer vor ungerechtfertigten Nachteilen schützen. Ein Beispiel: Wenn ein Busfahrer die letzte Haltestelle einer Tour anfährt und die letzten Fahrgäste aussteigen lässt, muss er eine Pause einlegen. Nehmen wir an, es regnet in Strömen und draußen stehen Kinder. Die lässt der Busfahrer einsteigen, bekommt deswegen aber eine Pause abgezogen, die er nicht hatte. Das ist nicht in Ordnung. 

          Was schlagen Sie für solche Fälle vor?

          Wir möchten, dass Busfahrer zukünftig, unter Beachtung des Arbeitszeitgesetzes, ihre Pausen einlegen, wie es in den geregelten Betriebsablauf passt.

          Im Vordergrund steht aber doch der Streit um höhere Löhne. Verdi fordert 16,60 Euro, also 3,10 Euro mehr, als die Fahrer aktuell erhalten. Das klingt happig, denn das wäre ein Aufschlag von fast einem Viertel.

          Wir sind bei 13,50 Euro in der Stunde, das ist richtig, sehen uns aber mit Blick auf Wirtschafts- und Kaufkraft auf Augenhöhe mit Baden-Württemberg. Dort erhalten die Kolleginnen und Kollegen eben 16,60 Euro und im nächsten Jahr wohl mehr als 17 Euro. Da hinken wir zu stark hinterher.

          Wie sehen die hessischen Entgelte im bundesweiten Vergleich aus?

          In fast allen Bundesländern bezahlen die Omnibus-Unternehmer besser als in Hessen, sogar im Osten Deutschlands. Nur im Saarland herrscht ein Lohnniveau wir bei uns. Allerdings gibt es dort für die Fahrer bessere Regelungen im Manteltarif etwa zu den Pausen. Jede freie Minute ist ja letztlich Geld.

          Nun haben die Arbeitgeber zuletzt 15,60 Euro geboten. Das ist nicht so weit weg von Ihrer Forderung. Wieso gehen Sie nicht darauf ein?

          Das Problem ist: Die 15,60 Euro sollen erst in vier Jahren gelten. Das geht gar nicht. Dann ist Baden-Württemberg vielleicht schon bei 20 Euro. Wir wollen die 16,60 Euro so schnell wie möglich und reden dann mit den Arbeitgebern darüber, was sonst noch geht.

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