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U-Bahn-Bau in Frankfurt : 241 Meter durch die Erde gefressen

Vortrieb: Arbeiter in der neuen U-Bahn-Röhre im Frankfurter Europaviertel Bild: Bernd Kammerer

Der U-Bahn-Tunnel im Frankfurter Europaviertel wird jeden Tag ein paar Meter länger. Das liegt auch einer Maschine, die erstmals in der Unterwelt der Stadt zum Einsatz kommt.

          2 Min.

          Die Pforte zur Unterwelt liegt unter der Europaallee in Frankfurt auf Höhe der Warschauer Straße. Auf einer steilen Treppe aus Metallgittern geht es 18 Meter nach unten. Dort wartet nicht der mythische Fährmann Charon, sondern der sehr lebendige Lokomotivführer Hartmut. Er transportiert den Modder, den ein 80 Meter langer Lindwurm aus Stahl vorne gefressen und hinten wieder ausgestoßen hat. Im Fachjargon heißt das Monstrum Tunnelvortriebsmaschine.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In dem Tunnel, den diese gefräßige Maschine tief unter der Erdoberfläche bohrt, wird dereinst die U5 von der Station Wohnpark zum Güterplatz und von dort in einer schon vorhandenen Röhre zum Hauptbahnhof fahren. Wenn dieser Südtunnel im Frühjahr oder Frühsommer nächsten Jahres fertiggestellt ist, wird die Tunnelvortriebsmaschine ab- und im Vorhof der Unterwelt neu aufgebaut. Dann wird sich die Maschine parallel zur ersten Röhre noch einmal zum Güterplatz durchfressen. In dieser Nordröhre soll irgendwann im Jahr 2024 der erste Zug der U5 vom Hauptbahnhof zur Endstation Wohnpark rollen. Der vorläufigen Endstation, genauer gesagt. Denn die Stadtbahn Europaviertel Projektgesellschaft, die das U-Bahn-Projekt betreibt, arbeitet im Auftrag der Stadt schon an Plänen für eine Verlängerung der Strecke bis zum Römerhof, wo ein neuer Stadtteil mit Schule entstehen soll.

          Eine echte Tunnelbohrmaschine eingesetzt

          Es ist das erste Mal, dass im Frankfurter U-Bahn-Bau eine echte Tunnelbohrmaschine eingesetzt wird. Sie wurde eigens für das Projekt Europaviertel gebaut, aber was sie kostet, das weiß der technische Projektleiter der SBEV, Ingo Kühn, nicht. Denn sie gehört dem Bauunternehmen Porr, das die U-Bahn-Strecke baut. Porr dürfte für das Gerät wohl mehrere Millionen Euro an den Hersteller Herrenknecht gezahlt haben.

          Infografik U-Bahntunnel Europaallee
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          241 Meter hat sich die Maschine bislang durch das Erdreich gebohrt. Etwas mehr als 600 liegen noch vor ihr. Doch im Augenblick arbeiten die 100 Schälmesser und 29 Schneidrollen nicht, denn die Abbaukammer, in die das abgefräste Erdreich fällt, ist voll, die Förderschnecke muss erst die angehäufte Erde auf ein Förderband hochschrauben. Dieses Band transportiert den Aushub nach hinten und lässt es in große Schuttkübel fallen, die der Lokomotivführer dann aus dem Tunnel transportiert. Während des Stillstands überprüfen die Mineure das Schneidrad und tauschen nötigenfalls stumpfe Messer oder abgenutzte Schneidrollen aus. Schildfahrer Lars Hoffmann hat an seinem Steuerpult so lange alles auf Null gestellt. Er ist seit 1999 als Tunnelbauer unterwegs, in dieser Zeit hat er schon manche Baustelle gesehen. Die in Frankfurt liegt im Schwierigkeitsgrad nach seinem Gefühl in der Mitte.

          Eine unangenehme Überraschung?

          Die besondere Herausforderung an den beiden hiesigen U-Bahn-Tunneln besteht nach den Worten des Porr-Projektleiters Raghu Kulkarni darin, dass unter bewohntem Gebiet gebohrt werden muss. Das erste Haus, ein Motel, hat die aus 60 Mann bestehende Mineur-Truppe eben unterquert. Es ist alles gut gegangen. Wie überhaupt bisher alles einigermaßen glatt lief. Doch Tunnelbauer kennen die alte Bergmannsweisheit: „Vor der Hacke ist es dunkel.“ Will heißen, das Schneidrad kann jederzeit auf ein unvorhergesehenes Hindernis stoßen.

          Infografik Wie die Bohrung des U-Bahntunnels unter der Europaallee funktioniert
          Vergrößern

          Drei bis sieben Meter geht es mittlerweile pro Tag voran. Je nach Beschaffenheit des Erdreichs. Gearbeitet wird in drei Schichten rund um die Uhr. Die Mineure bohren sich mit Hilfe ihrer Riesenmaschine nicht nur durchs Erdreich, sie müssen auch die Röhre hinter dem Schneidrad festigen. Tübbinge heißen die Fertigteile aus Beton, von denen je sechs einen breiten Ring bilden. Mit diesen Ringen wird der ganze Tunnel ausgekleidet. Später kommen dann noch Leitungen dazu, Gleise für die U-Bahn und ein Fahrdraht, der den Strom liefert. Doch jetzt denken die Tunnelbauer zuerst einmal Meter für Meter. Und hoffen, dass sie auf keine unangenehme Überraschung stoßen.

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