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Eingeschränkte Rückerstattung : RMV schiebt Betrug einen Riegel vor

Der Rekord liegt bei 40 Anträgen auf Rückerstattung – an einem Tag (Symbolbild). Bild: dpa

Kunden des RMV haben sich auf perfide Weise Rückerstattungen des Fahrgeldes erschlichen. Daher ändert der RMV nun seine Geschäftsbedingungen. Durch die Betrüge ist ein hoher Schaden entstanden.

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          Jetzt hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) die Notbremse gezogen. Wegen der vielen Betrugsfälle bei der Zehn-Minuten-Garantie deckelte der Verbund vom 31. März an bei Wochen-, Monats- und Zeitkarten die Gesamt-Erstattung auf maximal ein Drittel des Gesamtpreises der Karte. Zudem können Kunden pro Tag nur für drei verspätete Fahrten einen Antrag auf Rückerstattung des Fahrgeldes stellen. Diese Regelung gilt auch in Fällen von Unwettern, Streiks oder anderen Formen höherer Gewalt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den vergangenen Monaten sei es leider immer wieder vorgekommen, dass einige wenige Fahrgäste die großzügige Zehn-Minuten-Garantie missbraucht und sich Erstattungen erschlichen hätten, berichtete RMV-Chef Knut Ringat. Um den ehrlichen Kunden weiterhin die Garantie anbieten zu können, führe der Verbund neue Regeln ein.

          In den meisten Betrugsversuchen beantragten Kunden Erstattungen für Fahrten, die sie nie angetreten hätten, gab Ringat zu Protokoll. In besonders dreisten Fällen stellten Fahrgäste Anträge für mehrere Fahrten, die zur gleichen Zeit an verschiedenen Orten stattfanden. So kämen zuweilen von einer einzigen Person Anträge für zehn oder mehr Fahrten für einen Tag zusammen. Der Rekord liege bei mehr als 40 Anträgen.

          Erstattungen über das Smartphone beantragen

          „Mit der Begrenzung auf drei erstattungsfähige Fahrten pro Tag schieben wir diesem betrügerischen Verhalten einen Riegel vor“, sagte der RMV-Chef. Dass berechtigte Ansprüche auf Erstattung durch diese Regelung beeinträchtigt würden, sei unwahrscheinlich. 95 Prozent aller Nutzer der Zehn-Minuten-Garantie stellten Anträge für weniger als drei Fahrten am Tag. Fahrgäste des RMV berichten denn auch von Zeitgenossen, die sich einen Sport daraus machten, die Kosten für ihre Monatskarte über die Zehn-Minuten-Garantie möglichst vollständig wieder hereinzuholen. Das ist wegen der angekündigten Ein-Drittel-Regelung vom April an nicht mehr möglich.

          Für RMV-Kunden wird es in Zukunft freilich leichter sein, ihren Anspruch auf Rückerstattung des Fahrgeldes bei mehr als zehn Minuten Verspätung ihrer Bahn oder ihres Busses anzumelden. Bisher konnten Anträge nur über den Computer gestellt werden, künftig dürfen Kunden ihre Erstattungsanträge auch über das Smartphone stellen. Allerdings muss die verspätete Fahrt abgeschlossen sein, wenn sie sich melden.

          „Die mobile Antragstellung ist für uns ein wichtiger Schritt bei der Weiterentwicklung der Zehn-Minuten-Garantie“, sagte Ringat. Man arbeite auf einen Zustand hin, in dem ein Antrag mit nur wenigen Klicks über das Kundenportal „meinRMV“ möglich sei. Perspektivisch ändern will der Verbund laut dem Geschäftsführer auch die bisherige Beschränkung bei der Auszahlung der Erstattungsbeiträge. Derzeit müssen die Fahrgäste ihr Geld unter Vorlage der Fahrkarte in einer RMV-Vertriebsstelle abholen. Nun arbeite der RMV mit seinen Partnern an anderen Auszahlungsformen, berichtete Ringat.

          Die Ausgaben des RMV für die Fahrgeld-Rückerstattung bei Verspätungen liegt bei drei Millionen im Jahr. Das Geld kommt letztendlich von den Verkehrsunternehmen wie der Bahn, die bei Verspätungen weniger Entgelte vom RMV bekommen.

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