RB12 nach Königstein : Warum die Bahn schon wieder nicht fährt

Ersatzzüge, Verspätungen, Tür kaputt, und keiner weiß Bescheid: Die Regionalbahn nach Königstein verlangt ihren Pendlern einiges ab.
Die Bahn kommt pünktlich, aber mit nur einem Waggon in Höchst an. Weil die Tür auf der rechten Seite kaputt ist, darf sich der Fahrradfahrer gleich wieder hinausdrängeln. Es sei denn, er steigt in Kelkheim aus, denn nur dort ist der Bahnsteig wie in Höchst auf der linken Seite. Immerhin hat er viel Zeit dafür, die Bahn steht hier noch zehn Minuten, um auf den Gegenzug zu warten, die Strecke ist eingleisig. Auch auf der Rückfahrt hat die Bahn zehn Minuten Verspätung, informiert wird nicht. Kurz hinter Liederbach kommt die Durchsage, dass in Höchst Schluss ist. Wer zum Hauptbahnhof weiterfährt, setzt nun zum beliebten Tunnel-Sprint an, um die ebenfalls verspätete S-Bahn zu erwischen.
So sieht ein ganz normaler Abend auf der Regionalbahnlinie RB12 aus, wenn man von Höchst nach Kelkheim möchte, um den RB12-Gipfel zu besuchen. Dieses Treffen zwischen den Verantwortlichen für den Betrieb der Regionalbahnlinie nach Königstein und politischen Vertretern der Anrainerstädte haben die Stadtverordneten von Kelkheim gefordert, um gebündelt über die Probleme zu sprechen. „In der Bevölkerung ist das Unverständnis groß, auch darüber, dass die Information so gar nicht funktioniert“, sagte Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) zur Begrüßung.
Bisher sei die Bahn recht oft in Höchst verendet, weil das dortige Stellwerk nicht besetzt gewesen sei, sagt Alexander Feyh, als Leiter Betrieb Netz bei der Bahngesellschaft Infrago ist er für die Stellwerke zuständig. Inzwischen habe man neues Personal rekrutiert sowie nachgeschult, sodass von anderen Stellwerken jemand aushelfen kann. Weil die Züge in Höchst gewaschen und gewartet werden und sich dort die komplizierte Anbindung zum Industriepark mit ihrem Güterverkehr befindet, benötigt man immer zwei Mitarbeiter. Wegen Bauarbeiten werde es aber weiterhin Ausfälle geben. Immerhin versuche man mittlerweile, die Vorhaben zu bündeln. „Alle vier Wochen gehen wir nachts in die Strecke und bauen alle Gewerke“, erklärt Feyh. Zudem wirbt er um Verständnis für die Zugdisponenten in Frankfurt, die die Ein- und Ausfahrt vieler Züge zu managen hätten. Bei der RB12 entstehe daher oft eine „Wendeverspätung“ in Frankfurt, weil ein Gleis belegt sei, und wegen der eingleisigen Strecke ab Höchst schaukele sich das dann hoch.
Der Markt für Ersatzfahrzeuge ist leer gefegt
Ein leidiges Problem betrifft die Züge. Die momentan verkehrenden Diesel-Ersatzfahrzeuge seien technisch schlechter ausgerüstet, sagt Kai Daubertshäuser, Prokurist beim RMV und für Vergabe-, Qualitäts- und Infrastrukturmanagement zuständig. Sie verfügen über kein GPS, daher erscheint in der App der Hinweis „nur eingeschränkte Echtzeitdaten“. Bis zum Fahrplanwechsel soll sich das ändern, verspricht Daubertshäuser, per Mobilfunk sollen die Dieselzüge dann Verspätungen an die neuen digitalen Anzeigen sowie an die App weitergeben. Auf das einstige Prestigeprojekt, die Wasserstoffzüge der Firma Alstom, werde man wohl bis 2028 warten müssen, denn der Hersteller benötige noch das ganze nächste Jahr, um Brennstoffzellen der nächsten Generation nachzurüsten. Zunächst werden die Züge der Strecke der RB15 ausgetauscht, dann folgten RB16 und RB12.

„Wir hatten höhere Erwartungen an die Ersatzfahrzeuge“, sagt Max Kaiser von DB Regio. Derzeit arbeite man an der Türproblematik, allerdings sei das Störungsbild recht vielschichtig. In der Praxis bedeutet das, die Bahnen fallen wegen unterschiedlicher Fehler schnell aus, können aber auch schnell wieder in Betrieb genommen werden. Die Reparatur erfolge in Königstein, daher seien immerhin die Wege kurz. Um bereitstehende Wagen anzuhängen, brauche man immer zwei Lokführer. „Die laufen nicht einfach so herum“, sagt Kaiser.
Ersatzfahrzeuge zu besorgen, sei schwierig und werde immer schwieriger, fügt Kai Daubertshäuser hinzu. „Es werden keine Dieselfahrzeuge mehr gebaut, der Markt ist leer gefegt“, sagt er. Derzeit warte ganz Deutschland auf Wasserstoffzüge. Für Brennstoffzellen gebe es nur zwei Hersteller, die Zulieferer baue Alstom derzeit selbst mit auf, um die Situation zu verbessern.
Ein weiterer Grund für Komplikationen und Sperrungen rund um Höchst sind die Bauarbeiten für die Regionaltangente West. Horst Amann, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft, hat mit etlichen Widrigkeiten zu kämpfen. „Der Bahnhof Höchst ist höchst kompliziert“, sagt er. Er soll mittels eines Tunnels von Nord nach Süd gekreuzt werden, aber in der Erde befänden sich Leitungen aller Art, manche auch unerwartet. „Das Entdecken der Realsituation“ nenne man diese Überraschungen. Das erschwere das Freiräumen des Baufeldes.
Zudem müssten die Oberleitungen saniert werden. Allerdings sei der Markt verknappt, man finde weder Planungsbüros noch Baufirmen, die das komplizierte Bauwerk durchführen können. Manchmal passen Sperrpausenplan und Baufirmenkapazitäten auch nicht zueinander. Dennoch halte man an dem Plan fest, dass die RB11 nach Bad Soden Ende 2028 fertig sein soll, inklusive neuer Haltepunkte am Stadtpark und in Sossenheim, und die Tunnelquerung bis 2030. Gehe alles gut, müssten sich Fahrgäste der RB12 auf Sperrungen und Teilausfälle zwischen September und Oktober 2027 sowie zwischen Januar und Mai 2028 einstellen.
Immerhin: Auf Alstom-Züge wird man bei der RTW nicht warten müssen. Die eigens entwickelten Züge vom Typ Citylink wird die Firma Stadler liefern.





