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Oper für Pubertierende : Telefonieren während der Rhapsody in Blue

  • -Aktualisiert am

Fußnoten: Hornist Felix Klieser spielt für das junge Publikum. Bild: Tibor-Florestan Pluto

Die Alte Oper probiert es mit einem Konzert für Pubertierende, anscheinend mit Erfolg: Bei „Rhapsody in Concert“ ist der Mozart-Saal fast bis auf den letzten Platz mit Teenagern gefüllt.

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          Pubertierende Jugendliche im Konzertsaal können das Grauen sein. Müssen sie aber nicht. Das meint man zumindest bei der Alten Oper, die deshalb zum ersten Mal ein Konzert für Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren angeboten hat. Mit Erfolg: Bei „Rhapsody in Concert“ ist der Mozart-Saal fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Hauptsächlich mit Schülern, von denen viele den Eindruck machen, als hätten sie noch nie ein klassisches Konzert gehört, und denen die Namen Rihanna oder Justin Bieber weitaus geläufiger sein dürften als die der Komponisten Beethoven oder Mozart.

          Die Regeln des klassischen Musikbetriebs sind den meisten dieser Jugendlichen offenbar eher fremd. Zum Beispiel, dass man nicht quatscht, während ein Opernsänger eine Arie vorträgt. Auch der Verzicht auf spontanes Aufstehen und Lustwandeln durch den Saal während eines Musikstücks ist manch eines Besuchers Sache nicht. Und als eine junge Dame während Gershwins „Rhapsody in Blue“ einen Anruf auf dem Handy bekommt, steht sie selbstverständlich auf und verlässt parlierend den Saal.

          Ganz offensichtlich hingerissen

          Das alles stört den Konzertablauf, vermindert aber den Genuss nicht entscheidend. Viele der jungen Gäste im Saal sind ganz offensichtlich hingerissen von den Leistungen der Musiker. Sie mögen zwar im Gegensatz zu erfahrenen Konzertgängern größtenteils nicht dazu in der Lage sein, die musikalische Leistung etwa von Felix Klieser zu beurteilen, der zusammen mit der Pianistin Annika Treutler Beethovens Sonate für Horn und Klavier vorträgt. Aber ihnen ist durchaus bewusst, dass es eine große Leistung ist, wenn ein Mann ohne Arme wie Klieser auf dem Horn spielt – mit seinem linken Fuß.

          Seine Hauptarbeit bestehe darin, das Horn zu blasen, antwortet er einer Schülerin von der Musterschule, die ihn auf der Bühne interviewte. Wie er auf sein Instrument gekommen sei? Schon als Kind habe er unbedingt Horn spielen wollen, erzählt Klieser. Seine Eltern hätten sich erst einmal erkundigen müssen, was das für ein Musikinstrument sei.

          Pubertierende fesseln

          Schüler einzusetzen, die vor dem Auftritt jeden Musiker befragen, ist ein Mittel, das Tobias Henn, der Leiter des Kinder- und Jugendprogramms Pegasus, bewusst gewählt hat, um Pubertierende zu fesseln, die mit dem klassischen Konzertbetrieb sonst nichts zu tun haben. Und die sechs Mädchen und Jungen von der Musterschule treten mit einem Selbstbewusstsein als Reporter auf, wie es ältere Semester in diesem Alter wohl nie besessen haben.

          Sie stellen ungewöhnliche Fragen. Ob er eine höhere Gage bekommen, weil sein Baßsaxophon größer und schwerer sei als die Instrumente der Kollegen, will einer von einem Mitglieder des Saxophon-Quartetts Signum wissen.

          Womöglich finden sich in diesem Konzert für Jugendliche Elemente einer Darstellungsform, die dem klassischen Konzertbetrieb wieder mehr Leben einhaucht und ihn für Jüngere attraktiver macht: Musiker geben dem Publikum Auskunft, Zuhörer dürfen auch an den „falschen“ Stellen klatschen und die Sänger blicken nicht geistesabwesend ins Publikum, sondern machen Faxen.

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