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Kommentar zum Seniorenticket : Flatrate für Rentner

Fahren bald besonders billig Bus und Bahn: Rentner in Hessen - hier Senioren an einem Fahrkartenautomaten in Frankfurt Bild: Wolfgang Eilmes

Bisher fahren viele Senioren weder Bus noch Bahn. Deshalb dürfte sich die neue Flatrate für Rentner in Hessen wirtschaftlich lohnen. Eines ist aber schon heute klar: Ein 365-Euro-Jahresticket für alle wird es nicht geben können.

          Dieser Preis ist unschlagbar. Für 365 Euro im Jahr durch ganz Hessen mit Bussen und Bahnen. Da werden viele, die den regulären Fahrpreis zahlen, vor Neid erblassen und fragen: Warum nicht auch ich? Sie werden warten müssen, bis sie nach ihrem 65. Geburtstag mit dem sensationell günstigen Seniorenticket fahren können.

          Betriebswirtschaftlich dürfte die neue Jahreskarte sinnvoll sein für die drei hessischen Verkehrsverbünde. Denn das Angebot richtet sich an eine Kundschaft, die öffentliche Verkehrsmittel bisher mehr oder weniger verschmäht. Die Senioren im Land sind weitgehend auf das Auto geeicht; wer sie gewinnen will, muss ihnen ein unwiderstehliches Angebot machen. Das Seniorenticket könnte ein solches sein.

          Außerhalb der morgendlichen Hauptverkehrszeit

          Weil so wenig Ältere mit Bussen und Bahnen fahren, dürfte es den Verkehrsverbünden durchaus gelingen, mit ihrem Flatrate-Angebot einen brachliegenden Markt besser zu erschließen und ihre Züge und Busse außerhalb der morgendlichen Hauptverkehrszeit stärker zu füllen. Die Einnahmeeinbußen bei Bestandskunden dürften sie durch die Mehreinnahmen, die sie über neue Kunden erzielen, kompensieren. Im Notfall steht das Land Hessen bereit und wird eventuelle Einnahmeausfälle ausgleichen. Die Verbünde gehen also kein Risiko ein.

          Es sei denn, die Normalzahler proben den Aufstand. Tatsächlich ist es erklärungsbedürftig, warum ein Rentner deutlich weniger für seine Jahreskarte bezahlen muss als ein Normalverdiener. Denn Altersarmut ist kein Massenphänomen, vielmehr leben viele Rentner im Wohlstand.

          Zu besonders günstigen Bedingungen

          Für Verkehrsminister Al-Wazir und Frankfurts Oberbürgermeister Feldmann, den beiden treibenden Kräften beim Seniorenticket, ist diese Flatrate für die Älteren denn auch nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zu einem günstigen Angebot für alle. Schon jetzt fährt bei den Verbünden ein großer Teil der Kundschaft zu besonders günstigen Bedingungen: die Schüler für 365 Euro im Jahr; die Landesbediensteten mit ihrem tariflich abgesicherten Ticket für ganz Hessen; viele Arbeitnehmer mit einem preiswerten Jobticket.

          Eines ist aber schon heute klar: Ein 365-Euro-Jahresticket für alle wird es nicht geben können. Ein wenig mehr wird ein Bürgerticket schon kosten müssen, anders ist der teure öffentliche Nahverkehr nicht zu finanzieren.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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