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Alte Brücke in Frankfurt : Karl der Große als Kopie

  • -Aktualisiert am

Wacht am Main: Bis 1914 stand Karl auf der Bücke Bild: Institut für Stadtgeschichte

Mit Tradition zur Zukunft? Die Frankfurter Stadtverordneten entscheiden, ob das Standbild Karls des Großen wieder auf die Alte Brücke kommt.

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          Karl der Große musste noch durch die Wasser des Mains waten. Vielmehr dürfte sein Pferd gewatet sein, während der König auf dessen Rücken saß. Karls Füße sind wahrscheinlich trotzdem nass geworden. Immerhin stellt diese Geschichte den Gründungsmythos Frankfurts dar. Die Sage behauptet, der große Karl sei auf der Flucht mit einer Franken-Schar den Sachsen über eine Furt durch den Main entkommen. Aus der Furt der Franken wurde Frankfurt.

          Wann genau die erste Steinbrücke über den Main, die Alte Brücke, errichtet wurde, steht nicht genau fest. Irgendwann zwischen 1193 und 1222 muss der Schlussstein gesetzt worden sein. Karl jedenfalls hat den Main nicht mehr auf ihr überquert. Aber ein steinerner Doppelgänger von ihm hat später von der Alten Brücke aus auf den Dom und die einstige Kaiserpfalz geblickt. Das vom Bildhauer Karl Eduard Wendelstädt entworfene und vom Städelprofessor Johann Nepomuk Zwerger ausgeführte Standbild Karls des Großen stand von 1843 bis 1914 auf der Alten Brücke.

          Und dort wird, wenn es nach dem SPD-Stadtverordneten Eugen Emmerling geht, der Karl aus Miltenberger Rotsandstein bald wieder stehen. „Standbild Karls des Großen zurück auf die Alte Brücke!“ lautet die Überschrift von Emmerlings Antrag, über den heute im Haupt- und Finanzausschuss entschieden wird. Eine Wiederaufstellung der Statue im 1200. Todesjahr Karls auf der zurzeit in Sanierung befindlichen Alten Brücke könnte die Bedeutung dieses Bauwerks nicht nur als historisches Denkmal, sondern auch als Sehenswürdigkeit steigern, begründet Emmerling seinen Vorschlag.

          Tatsächlich ist die 1843 vom Städelschen Kunstinstitut der Stadt geschenkte Statue in den vergangenen Jahrzehnten eine Attraktion gewesen. Denn das Historische Museum hatte den 1914 wegen einer Brückenrenovierung entfernten und ins Depot verbannten Karl 1986 aus langem Schlaf erweckt und ihn vor dem Betonbau des Museums auf dem Römerberg aufgestellt. Das Standbild wurde eines der Wahrzeichen der Stadt, Hunderttausende Frankfurter und Gäste haben sich schon vor dem großen Karl fotografieren lassen. Seit die Beton-Zwingburg des Historischen Museums abgerissen wurde, steht das Standbild wieder im Depot. Museumsdirektor Jan Gerchow ist dennoch nicht willens, die Statue zugunsten der Alten Brücke abzutreten. Vielmehr soll der König Wache halten in jenem Teil der künftigen Dauerausstellung, die sich mit Geld und Münzen befasst.

          Denn Karl war auch ein Währungsreformer. Auf der Frankfurter Synode von 994 wurde festgesetzt, dass überall im Reich neue Münzen (novi denarii) eingeführt würden. Sie sollten aus Silber sein, und auf ihnen sollte der Name des Kaisers stehen. Einer der Teilnehmer, Paulinus, Patriarch von Aquileia, erwähnte damals zum ersten Mal in einer Urkunde den Namen Frankfurts: „Franconofurd“.

          Gescheitert ist das Projekt „Karl auf die Alte Brücke“ trotz der Absage Gerchows noch nicht. Es geistert die Idee durch die Stadt, eine Kopie des Standbildes fertigen und auf der Brücke aufstellen zu lassen. Das wirkliche Problem bei diesem Vorhaben sind die Kosten. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein etwa findet die Idee, Karl wieder auf der Alten Brücke zu plazieren, toll. Doch bisher habe man keine Finanzierungsmöglichkeit gefunden. Deshalb werde die CDU heute im Ausschuss für „Prüfung und Bericht“ stimmen. Will heißen: Der Magistrat soll eine Lösung suchen.

          Schulwettbewerb zur Alten Brücke

          Der Brückenbauverein hat die Schüler Frankfurts dazu aufgerufen, Arbeiten über die Alte Brücke einzureichen. Dabei kann es sich um Texte, Bilder, Musikstücke oder andere künstlerische Ausdrucksformen handeln. Schon in alter Zeit hätten Künstler die Alte Brücke zum Thema gemacht, schreibt der Verein. In jüngster Zeit hat sogar ein Komponist ein Musikstück über dieses Bauwerk verfasst, das eine der Keimzellen Frankfurts war. Eine unabhängige Jury wird die Schülerarbeiten bewerten und auszeichnen. Dabei werden sowohl Einzel- als auch Gruppenarbeiten berücksichtigt. Für Gewinne stehen insgesamt 1000 Euro zur Verfügung. Im Mai nächsten Jahres bei der Wiedereröffnung der Alten Brücke, die derzeit saniert wird, will der Brückenbauverein ein Fest veranstalten, auf dem die prämierten Arbeiten gezeigt werden. Lehrer oder Schulklassen, die teilnehmen wollen, können sich unter der E-Mail-Adresse info@brückenbauverein-frankfurt.de anmelden. (rieb.)

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