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Britischer Prinzgemahl : Prinz Philip ist kein Pantoffelheld

Prinz Philip: Ohne Jammer durchhalten, lautet seine Devise. Bild: dpa

Der königliche Gemahl ist in all den Jahren sein eigener Herr geblieben. Er überlässt seiner Frau stets das Rampenlicht, doch zu Hause hat er die Hosen an. Ein Portrait.

          Es gehört Größe dazu, stets einen Schritt hinter seiner Frau gehen zu müssen, ohne wie ein Pantoffelheld zu wirken. Das freilich ist eine Bezeichnung, die zum Herzog von Edinburgh so gar nicht passt. In den fast siebzig Jahren, seit der mittellose, deutsch-griechisch-dänische Prinz aus dem Hause Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg der „Firma“ beigetreten ist, wie er das Familienunternehmen Windsor nennt, ist er sein eigener Herr geblieben, der seinen Neigungen und Interessen diskret nachgeht. Anders als sein weniger selbstbewusster Sohn, der nicht verkraften konnte, dass ihm seine erste Frau Diana die Schau stahl, hat der machohafte Prinz Philip nie den Eindruck vermittelt, dass er sich etwas vergebe, wenn seine Frau im Rampenlicht steht.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Die Königin möge die Krone auf ihrem Haupt tragen, zu Hause aber habe ihr Gemahl die Hosen an, verriet ein Mitglied seines privaten Büros vor vielen Jahren. Der Prinz, der eine Karriere in der Marine aufgab, um der Königin zur Seite zu stehen, hat einmal bekundet, sich stets zu bemühen, konstruktiv zu sein und keinen Anlass zum Ärgernis zu geben. Im Zweifelsfall empfehle sich, „auf Nummer sicher zu gehen – die Menschen sind lieber gelangweilt als beleidigt.“ Seine eigene Lebensregel hat er allerdings nicht immer beherzigt. Prinz Philip reagiert oft unwirsch auf die Banalitäten des königlichen Alltags, die platten Fragen und überflüssigen Bemerkungen, die er bei der Erfüllung seiner Pflichten über sich ergehen lassen muss. Und er tritt regelmäßig ins Fettnäpfchen, etwa als er Kindern vom Taubstummenbund, die neben einer Steelband standen, zu verstehen gab, bei dem Lärm sei es kein Wunder, dass sie taub seien.

          Keep calm and carry on

          In Verkennung der geistigen Interessen des Herzogs von Edinburgh wird oft von seinem ältesten Sohn behauptet, dieser sei das nachdenklichste Mitglied des Königshauses. Die Schriften seines Vaters haben zwar weniger Aufmerksamkeit gefunden als die inbrünstigen Bücher des grünen Thronfolgers. Sie zeugen jedoch von der philosophischen Auseinandersetzung eines unabhängigen Kopfes mit großen Fragen wie dem Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, vom Unterschied zwischen Genügsamkeit und Zufriedenheit. Die britische Ermahnung aus dem Zweiten Weltkrieg, „Keep calm and carry on“, die sich in diesen Austeritätszeiten wieder frischer Beliebtheit erfreut, hätte auf Prinz Philip gemünzt sein können. Ohne Jammer durchhalten, lautet auch seine Devise.

          Der Vater war ein Taugenichts, die Mutter psychisch so labil, dass sie Jahre in einer Anstalt lebte, so dass der Sohn schon als Kind auf sich selbst und die Gunst der weiteren Verwandtschaft angewiesen war. Seine vier Schwestern, die in den deutschen Hochadel einheirateten, durften wegen britischer Empfindlichkeiten unmittelbar nach dem Krieg seiner Hochzeit nicht beiwohnen. In seinem 95.Lebensjahr erfährt der Prinz, dass seine deutschen Wurzeln sogar als Pluspunkt betrachtet werden in dem britischen Buhlen um das Wohlwollen der Bundesrepublik. Dieses steht schließlich im Zentrum dieses Staatsbesuches.

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