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Kapitalerhöhung geplant : Wie Singulus aus der Klemme will

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Von Singulus hergestellte Maschine für Solar-Beschichtungen Bild: Singulus

Das börsennotierte Unternehmen bekommt mehr Aufträge, als es vorfinanzieren kann. Der Wirtschaftsprüfer verweigert daher das Testat für die Bilanz. Nun soll eine Kapitalerhöhung das Problem lösen, woraufhin der Aktienkurs einbricht.

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          Der börsennotierte Maschinenbauer Singulus Technologies hat am Mittwochabend eine Einladung zu einer außerordentlichen Hauptversammlung veröffentlicht. Auf dem Treffen am 29. Oktober sollen die Aktionäre über eine Notoperation am Eigenkapital entscheiden, die einen ungewöhnlichen Grund hat: Die Maßnahme soll verhindern, dass Singulus sozusagen zum Opfer der kräftigen wirtschaftlichen Erholung nach der Corona-Krise wird.

          Mark Fehr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Denn obwohl das Unternehmen aus Kahl am Main sich über steigende Aufträge freuen kann, hat die zuständige Wirtschaftsprüfung KPMG bisher das Testat für den Jahresabschluss verweigert. Aus Sicht der Prüfer sei die Fortführung des Unternehmens nicht gesichert, weil Geld zur Vorfinanzierung der Aufträge fehle, wie Singulus-Finanzchef Markus Ehret Ende August im Magazin „Finance“ erklärte. Wirtschaftsprüfer dürfen laut dem im Gesetz verankerten Going-Concern-Prinzip ein Bilanztestat nur erteilen, wenn sie von der Fortführung des Unternehmens ausgehen.

          Um das Finanzierungsproblem zu lösen, plant Singulus laut seiner aktuellen Ad-hoc-Mitteilung nun in einem ersten Schritt, das Kapital herabzusetzen, um Wertminderungen auszugleichen und sonstige Verluste zu decken. Dazu werden Aktien im Verhältnis 17 zu 3 zusammengelegt. In einem zweiten Schritt sollen die Aktionäre das zuvor herabgesetzte Kapital wieder erhöhen – und zwar durch eine Bareinlage von bis zu 13,6 Millionen Euro.

          Für den Fall, dass die Altaktionäre die durch die Kapitalerhöhung neu entstandenen Aktien nicht vollständig zeichnen, steht ein Finanzinvestor bereit, um die Anteile zu übernehmen. Weil durch die Beteiligung des Investors die Kontrolle des Unternehmens wechseln könnte, braucht Singulus neben der Zustimmung der Aktionäre auch grünes Licht von den Gläubigern seiner Unternehmensanleihe. Daher soll nicht nur eine Hauptversammlung sondern auch eine Gläubigerversammlung stattfinden.

          SINGULUS TECHNOL. EO 1

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          Als Singulus seine Aktionäre Mitte August über die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung informiert hatte, war der Aktienkurs des Unternehmens an der Frankfurter Börse von knapp 5 Euro auf 4,20 Euro eingebrochen und in den darauffolgenden Wochen auf ein Tief von bis zu 3,30 Euro gesunken. Bis Donnerstagmittag brach der Singulus-Kurs nach der am Vorabend erfolgten Einladung zur Hauptversammlung um mehr als 16 Prozent auf etwa als 3,40 Euro ein. Die Aktien befanden sich zum Stand 17. August zu knapp 67 Prozent in Streubesitz. Größter Ankeraktionär war zu dem genannten Stichtag mit einem Anteil von mehr als 16 Prozent ein Tochterunternehmen des chinesischen Staatskonzerns CNBM.

          Singulus baut nach eigenen Angaben besonders innovative und ressourcenschonende Maschinen für viele Branchen wie Solar, Wasserstoff, Halbleiter- und Medizintechnik sowie Konsumgüter und Datenspeicher. Wie Mitte August mitgeteilt wurde, sind zuletzt besonders die Aufträge aus dem Bereich Life Sciences gestiegen. Der Auftragsbestand habe auf 110 Millionen Euro zugelegt, zudem seien weitere Aufträge zu erwarten, etwa aus dem Bereich Solar und Halbleiter.

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