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Vorstandswechsel : Der Tag des großen Stühlerückens

Aus für den „Saubermann“: Der Vorstandsvorsitzende des Haushaltswarenherstellers Leifheit, Thomas Radke, muss gehen. Bild: dpa

Es ist Mitte Oktober, Herbst und die Blätter wehen von den Bäumen. Fortgeweht werden am Montag auch Vorstände von vier Unternehmen - mit unterschiedlichen Konsequenzen.

          Der Aktienkurs des Elektronikhändlers Ceconomy steigt am Montag um vier Prozent. Der Grund: Vorstandschef Pieter Haas muss gehen und Finanzchef Mark Frese, sobald ein Nachfolger gefunden ist. Doch Ceconomy ist nicht das einzige Unternehmen, das sich am zur Mitte des Oktober von seinem Spitzenmanager trennt. Auch andere Unternehmen, die in jüngster Zeit nicht eben glänzen konnten, gaben am Montag einen Wechsel an der Spitze bekannt.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Da ist zunächst der Solartechnik-Konzern SMA Solar, dessen Aktie einst im Tec-Dax glänzte und mittlerweile nur noch im S-Dax der kleinen Werte zu finden ist. Vorstandschef Pierre-Pascal Urbon tritt mit sofortiger Wirkung ab und verlässt zum Jahresende auf eigenen Wunsch den Konzern. Nachfolger werde Technik- und Vertriebschef Jürgen Reinert. Urbon war seit 2006 im Vorstand und seit 2011 Chef des Unternehmens.

          Wie Haas wurde auch Urbon am Ende eine Senkung der Gewinnprognose zum Verhängnis. Diese hatte Ende September den Aktienkurs zunächst um 22 Prozent fallen lassen. Danach waren dieser weiter gesunken, so dass für die Ära Urbon ein Kursverlust von fast drei Vierteln zu Buche steht.

          SMA SOLAR

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          Vor allem ein Stimmungswandel in China im Sommer hatte SMA Solar gebracht. Die Chinesen hatten die Förderung und den Bau von Photovoltaik-Anlagen deutlich zurückgefahren, Obergrenzen für die Einspeisung von Solarstrom in die Netze eingeführt und Vergütungen reduziert. Nach dem Dafürhalten von Analysten ist der von SMA bediente Markt für Solar-Wechselrichter von Überkapazitäten und Preisdruck gekennzeichnet. Das dürfte auch ein Grund sein, warum im Unterschied zu Ceconomy der SMA-Aktienkurs eben nicht steigt.

          Keine Gnadenfrist bekam Thomas Radke, bislang Vorstandschef des krisengeplagten Haushaltsgerätehersteller Leifheit. Gemeinsam mit einer Senkung der Gewinnprognose wurde Radke am Montag mit sofortiger Wirkung abberufen und freigestellt – was eine Nummer härter ist als bei Ceconomy und SMA Solar. Ursprünglich hätte der Manager bis Ende 2019 amtieren sollen. Über den Nachfolger will der Aufsichtsrat später entscheiden.

          LEIFHEIT AG O.N.

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          Dafür nimmt Leifheit sogar in Kauf, Rückstellungen bilden zu müssen. Da zudem auch der Umsatz einmal mehr unbefriedigend war und andere Sondereffekte hinzukommen, prognostiziert Leifheit- nun ein Betriebsergebnis von 13 bis 14 Millionen Euro. Ursprünglich hätten es 16 bis 17 Millionen sein sollen. Der Umsatz wird nicht wachsen und bei rund 240 Millionen Euro stagnieren.

          Anfang der 200er Jahre hatte Leifheit noch rund 380 Millionen Euro umgesetzt. Die folgenden Jahren waren von Erlös- und Gewinnrückgängen gekennzeichnet. Zwischen 2011 und 2015 schien sich der Konzern etwas gefangen zu haben. Doch seitdem geht es wieder abwärts.

          Die Aktionäre hatten 2015 kurz gezweifelt, hatten der Aktie aber noch bis Mitte 2017 die Treue gehalten. Dann folgte einer Vervierzehnfachung des Kurses zwischen 2009 und 2017 ein Absturz um mehr als 50 Prozent. Auch aktuell sind die Hoffnungen eher gering, der Kurs gibt am Montag um 3,6 Prozent nach.

          Auch außerhalb der Börse wird in den Chefetagen gewirbelt. So strafft der Modehändler C&A sein Management für das Europa-Geschäft. Im Zuge der Umstrukturierung verlassen gleich vier der sieben Führungskräfte den Vorstand mit sofortiger Wirkung, berichtet das Branchenblatt  "Textilwirtschaft". Ein Unternehmen, das schneller entscheiden, effizienter handeln und agiler sein wolle, brauche ein schlankes Management mit klaren Zuständigkeiten und flachen Hierarchien sowie kurzen Berichts- und Entscheidungswegen. Ein Personalabbau unter den Beschäftigten sei nicht geplant, hieß es.

          C&A ist wie viele Textilhändler ein Unternehmen, das preislich im mittleren Segment agiert. In den vergangenen Jahren hatte man viel Geschäft an Aldi, Primark oder H&M abgeben müssen. "Wer in der Mitte sitzt, verspürt von unten den Druck der Discounter, von oben den Druck der Fashion-Anbieter. C&A macht sich jetzt wieder breiter", hatte Deutschland-Chef Mohamed Bouyaala die neue Strategie in einem Interview mit der "Textilwirtschaft" beschrieben. Im vergangenen Jahr hatte der Textilhändler wieder bessere Geschäfte erzielt. Der Umsatz in Europa war nach Unternehmensangaben um vier Prozent gestiegen, der Marktanteil der Kette europaweit leicht auf 7,3 Prozent geklettert .

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