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Prozess um Insolvenz : Windreich-Gründer Balz wehrt sich

  • -Aktualisiert am

Windpark in der Nordsee Bild: dpa

Windreich-Gründer Willi Balz wehrt sich gegen die Anklage wegen Insolvenzverschleppung. „Gut und solide unterwegs“ sei das Unternehmen gewesen, aber seine Reputation „systematisch zerstört“ worden.

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          Ich bin immer angetreten um zu gewinnen, meistens hat es geklappt“, sagt Windreich-Gründer Willi Balz vor dem Stuttgarter Landgericht. Der 59 Jahre alte Angeklagte und frühere Vorstandsvorsitzende und Alleineigentümer des insolventen Windpark-Projektentwicklers hat am Montag zum ersten Mal die Möglichkeit, in dem Strafverfahren gegen ihn und die sieben Mitangeklagten öffentlich Stellung zu nehmen. Er weist die Vorwürfe der Insolvenzverschleppung und des Betrugs energisch zurück. „Ich will dem Gericht zeigen, dass ich nicht Herr Schmider von Flowtex bin.“

          Stattdessen attackiert er in seiner von ihm selbst vorgetragenen Erklärung die Staatsanwaltschaft scharf. „Windreich wurde systematisch bekämpft – unfair, anonym, hintenrum.“ Mit anonymen Briefen an Politiker, Banken, Journalisten und Behörden hätten Unbekannte seine und die Reputation des Unternehmens „systematisch zerstört“. Balz wirft der Staatsanwaltschaft vor, sie habe voreingenommen ermittelt und sich von den Initiatoren dieser Kampagne vor den Karren spannen lassen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe zurück. Jede Strafanzeige werde geprüft. Zur Hauptverhandlung komme es nur, wenn ein Gericht einen hinreichenden Tatverdacht bejahe.

          Windreich meldete im Herbst 2013 Insolvenz an. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft ist die Unternehmensgruppe schon sehr viel früher zahlungsunfähig gewesen und Balz habe das gewusst, aber trotzdem seine Geschäfte fortgeführt und damit enormen Schaden angerichtet hat. Balz wehrt sich insbesondere gegen den Vorwurf, Windreich sei „eine Luftnummer“ gewesen.

          „Windreich war gut und solide unterwegs“, behauptet er. Vielmehr sei es die Durchsuchung der Staatsanwaltschaft im März 2013 gewesen, die letztlich zur Insolvenz geführt habe. Dadurch sei ein unterschriftsreifes 200-Millionen-Euro-Projekt geplatzt. Um seine Projekte zu finanzieren, hatte Windreich Mittelstandsanleihen an der Stuttgarter Börse im Segment Bond-M platziert. Insgesamt waren es 125 Millionen Euro, die bei Anlegern eingesammelt worden sind. Diese haben von ihrem Geld bislang nichts wiedergesehen. Eigentlich wollte Balz knapp 25 Prozent des Unternehmens an der Börse plazieren, um so an frische finanzielle Mittel zu kommen. Windreich plante und entwickelte Windparks vor allem auf hoher See, beschaffte Genehmigungen und organisierte den Bau, um die Projekte dann an Investoren zu verkaufen – ein risikoreiches Geschäft mit Millionensummen.

          Im Zuge der Schlagzeilen nach der Durchsuchung und zunehmenden Hinterfragung des Geschäftsmodells von Windreich verlangten die Kreditgeber nach Aussage von Balz zusätzliche Sicherheiten. Er habe alleine 2013 mit 44,5 Millionen Euro für Windreich gebürgt.

          Insgesamt habe er mit 176 Millionen Euro für die Unternehmensgruppe gebürgt. Und bis zuletzt habe er die Zinsen für die Anleihen bezahlt, sagt der Angeklagte, der schließlich auch als Privatmann in die Insolvenz gehen musste. Bevor er in den Bereich Windenergie eingestiegen war, ist Balz als Immobilienentwickler tätig gewesen und der Verkauf eines von ihm mit einem Partner gegründeten Unternehmens brachte ihm gleichfalls Geld ein. Und wer sich schließlich als Gewinner fühlen darf, ist völlig offen. Noch ist der Prozess, in dem alles strittig ist, ganz am Anfang. Er ist zunächst bis Ende April 2020 terminiert.

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