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Kion, Siltronic, Puma : Run auf Gewinneraktien

Gabelstapler von Kion im Einsatz Bild: dpa

Trotz des schwachen Abschneidens der amerikanischen Börse stehen deutsche Anleger am Donnerstag überwiegend auf der Käuferseite. Gefragt sind vor allem Kion, Siltronic und Puma.

          Aktienkurse gehen mal rauf und mal runter. Diese Binsenweisheit trifft immer zu, doch hat sie derzeit eine gewisse Brisanz. Am Vortag ging den deutschen Aktien nach gutem Start die Puste aus und der Dow Jones verlor mehr als 600 Punkte. Zugegeben, das wäre vor fünf Jahren, als der Dow noch bei etwa 15.000 Punkten stand etwas sensationeller gewesen. So war es nur ein Minus von 2,4 Prozent, was deutlich von den Technologiewerten an der Nasdaq übertroffen wurde, die ein Minus von 4,6 Prozent verzeichneten.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das alles ficht die deutschen Aktien am Donnerstagvormittag aber nicht an, ebenso wenig die miserable technische Lage des Marktes, die nach unten zeigt, und auch nicht das kurzfristige Elend des amerikanischen S&P-500-Aktienindex‘, der seit Monatsbeginn zwar nur 269 Punkte, aber damit fast 10 Prozent verloren hat.

          Streng genommen ist es bislang nicht so schlimm: Der S&P-500 hat schon zweimal in diesem Jahr solche Abstürze verzeichnet und da ging es durchschnittlich stärker abwärts. Allerdings dauert der Kursrutsch nun schon 15 Börsentage und ist damit um die Hälfte länger. Gleichwohl ficht das die deutschen Börsianer am Donnerstag wenig ab. Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche, und das heißt sie stürzen sich auf Gewinneraktien.

          Dow Jones

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          Nummer eins ist der Gabelstaplerhersteller Kion, dessen Aktienkurs um satte 14 Prozent steigt und in dessen Schlepptau Konkurrent Jungheinrich mit einem Plus von mehr als 8 Prozent. Kions Geschäftszahlen zum dritten Quartal gelten als besser denn erwartet. Allerdings muss man zwei Dinge einräumen. Blickt man erstens auf die Notierung, so sind die 14 Prozent Plus nach den Kursverlusten von fast 50 Prozent seit April kaum zu sehen. Und zweitens war das Niveau der Erwartungen sehr niedrig. Befürchtet wurde eine Senkung der Gewinnprognosen, die aber ausblieb. Grund zum Feiern offenbar allemal.

          Um Kion gerecht zu werden muss man indes schon anmerken, dass der Auftragseingang als stark gelten kann, auch wenn die Profitabilität rückläufig ist, und die Jahresziele erst einmal erreicht sein wollen. Zudem gewinnt Kion Marktanteile in China sowie in Nord- und Südamerika gewinne. Das Abschneiden von Kion sei eine gute Basis für wieder zurückkehrendes Investorenvertrauen in die Aktie, betonte der Experte.

          KION GROUP AG

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          Nummer zwei der Gewinner ist der Hersteller von Halbleiterwafern Siltronic, dessen Kurs um mehr als 10 Prozent zulegt. Die Nachfrage nach Wafern sei unvermindert hoch und auch die Durchschnittspreise entwickelten sich positiv, sagte Konzernchef Christoph von Plotho am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal. Daher rechnet er mit etwas mehr Umsatz in diesem Jahr.

          Auch der Kurs der Siltronic-Aktie ist zuletzt um fast 50 Prozent gefallen. Das ging allerdings schneller als bei Kion, denn der Rutsch begann erst im August. Das lässt auch das Plus vom Donnerstag in einem etwas anderen Licht erscheinen. Denn solche Kurssprünge wie am Donnerstag macht die Aktie desöfteren. Die aktuellen Zugewinne entsprechen auch mehr oder weniger nur den Verlusten vom Mittwoch.

          Dem Aktienkurs macht die Sorge vor einem nachlassenden Chipboom sowie verhaltene Ausblicke von Branchenunternehmen zu schaffen. Dagegen hat Siltronic den Umsatz im dritten Quartal um 5 Prozent gesteigert und mehr verdient. Gleichwohl hat die Dynamik nachgelassen.

          SILTRONIC AG NA O.N.

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          Nummer drei ist der Sportartikelhersteller Puma, dessen Aktienkurs um mehr als 7 Prozent steigt. Und auf der Zahlenseite sieht es hier ein ganzes Stück angenehmer aus. Denn Puma hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr abermals erhöht, nachdem das dritte Quartal etwas besser verlief als erwartet. Daher erwartet Puma nun ein währungsbereinigtes Umsatzplus von 14 bis 16 Prozent und einen Anstieg des Betriebsergebnisses um rund ein Drittel. Puma wächst in Asien und Amerika, besonders mit Sportbekleidung. Der Turnschuh-Boom flache dagegen etwas ab, so ein Analyst.

          PUMA

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          Trotz dieser starken Kursgewinne geht es insgesamt für den 100 Werte umfassenden F.A.Z.-Index nur um 0,7 Prozent aufwärts. Mut könnte dagegen machen, dass es immerhin nur rund 20 Aktien mit fallenden Kursen gibt.

          Allein die übergeordnete Lage des Marktes ist eher schwach. Den Amerikanern machen enttäuschende Quartalsberichte ebenso Sorgen, wie Inflation und eine stärker als erwartet sinkende Zahl verkaufter neuer Häuser. Grund ist, dass sich immer mehr Amerikaner neue Häuser derzeit nicht leisten können.

          F.A.Z.-Index

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          Und sollte sich der Kursrutsch vom Mittwoch am Donnerstag fortsetzen, wird er auch die Kurse der deutschen Aktien mitziehen. Das gilt um so mehr, als die aktuelle Erholung nicht zuletzt auf der Annahme basiert, dass nach den stärkeren Verlusten vom Vortag an diesem Tag eine Erholung einsetzen wird. Dafür gibt es eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Gewiss ist derzeit aber nichts.

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