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Börsenwoche : Am Dollar hängt doch alles

Bild: picture alliance / VisualEyze

Die amerikanische Leitwährung wird immer teurer. Das ist kein Grund zur Freude - auch nicht für europäische Anleger.

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          Im Faust von Johann Wolfgang von Goethe hieß es: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch alles. Ach wir Armen!“ An den Börsen spielt Gold nicht so eine Rolle, der Preis des Edelmetalls fällt seit einiger Zeit und notiert auf rund 1830 Dollar je Feinunze zu 31,1 Gramm. Das sind rund 200 Euro weniger als noch im März. Ganz anders sieht es in Euro aus: Dort kostet eine Feinunze rund 1760 Dollar und befindet sich seit einiger Zeit auf diesem Niveau, der Preis steigt sogar.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese Entwicklung ist eng mit dem Dollar verbandelt – denn dieser wird weltweit immer teurer, besonders aber auch für den Euroraum. Ein Euro hat in dieser Woche zeitweise nur noch 1,035 Dollar gekostet. Das entspricht dem niedrigsten Niveau seit fünf Jahren – damals fiel der Kurs auf 1,034 Dollar. Fällt der Kurs unter diese Marke, muss man 20 Jahre zurückschauen, um ein ähnliches Niveau zu finden.

          Aber auch global ist der Dollar immer stärker geworden. Das misst man mit dem Dollar-Index, der die amerikanische Leitwährung mit anderen Devisen auf der ganzen Welt vergleicht. Und eben dieser Dollar-Index ist diese Woche auf 104,925 Punkte gestiegen. Das ist ein Niveau, welches zuletzt vor zwanzig Jahren erreicht wurde. Der Grund dafür ist auch sehr klar: Nach 20 Jahren endet die Ära des billigen Geldes, die Notenbank zieht die Zinsen nun wieder an.

          Ein starker Dollar beeinflusst die Wirtschaft auf der ganzen Welt. Europäische Touristen merken das am ehesten, wenn der Urlaub in den Vereinigten Staaten teurer wird. Doch das ist nur eine Petitesse.

          Viel wichtiger für die Weltwirtschaft ist, dass zahlreiche Kredite in Dollar bedient werden. Davon sind besonders Schwellenländer betroffen – für sie verteuert sich das Bedienen der Kredite. Taumeln sie dann in eine Krise, ist das auch für andere Länder schlecht: Etwa für Deutschland mit seiner exportstarken Wirtschaft.

          Die Kredite verteuern sich aber nicht nur für die Länder, sondern auch für amerikanische Unternehmen. Das erklärt, warum die Börsenkurse an der Wall Street gerade so abstürzen. Besonders Tech-Konzerne sind hier betroffen: Ihre Bewertungen basieren auch auf dem zukünftigen Geschäft, das aber heute erst einmal finanziert werden muss. Steigen die Zinsen, steigen die Kreditkosten, und damit sinken die Gewinne oder die Erwartungen an das zukünftige Geschäft oder im schlimmsten Falle: beides. Ob die Konkurrenz in Europa davon profitieren kann, ist aber mehr als unsicher.

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