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DSW-Studie : Die größten Kapitalvernichter 2015

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Singulus Technologies entwickelt und baut Maschinen für effiziente und ressourcenschonende Produktionsprozesse - und vernichtete 2015 viel Kapital. Bild: dpa

Auch für das Jahr 2015 stehen wieder sechs Dax-Konzerne auf der Liste der größten Kapitalvernichter. Am meisten Geld haben Anleger aber mit einem chinesischen Unternehmen an der Börse verloren.

          Vtion Wireless Technology, Singulus und Solarworld: Diese drei Unternehmen haben 2015 am meisten Kapital am deutschen Aktienmarkt vernichtet. Alljährlich veröffentlicht die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) die Liste der größten Kapitalvernichter an der Börse. Sie betrachtet dabei die Kursverluste von Aktien über ein, drei und fünf Jahre. Die Schutzvereinigung hat dieses Jahr jedoch den Betrachtungshorizont ein wenig erweitert und erstmalig Dividendenzahlungen - soweit solche geleistet wurden - mit in die Wertung einbezogen.

          Das ist neu, aber angesichts der Tatsache, dass im aktuellen Niedrigzinsumfeld die Gewinnausschüttungen der Unternehmen immer mehr in den Fokus privater Anleger gekommen sind, entschloss man sich dazu, zwei Listen zu erstellen - eine Kurs- und eine Performance-Liste. Damit wurde jedoch „aus dem Kursindex des Schreckens ein Performanceindex des Schreckens“, so Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW (Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz).

          Dabei ist die Quote der Dividendenzahler auf der Liste gar nicht einmal so schlecht. Immerhin 31 der 50 Unternehmen haben in dem Betrachtungszeitraum von fünf Jahren mindestens einmal Gewinne an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Doch die Daten zeigen: nur bei wenigen hat die Dividende etwas an dem fatalem Performancerückgang ändern können, sagt Marc Tüngler weiter.

          So schrumpfte bei den Kapitalvernichtern der „Watchlist-Index“ im Einjahres-Zeitraum um knapp 19 (Kursliste) respektive 15 Prozent (Performanceliste). Im Dreijahresvergleich lag das kumulierte Kursminus bei knapp 34 Prozent für die Kurs- und bei 28 Prozent für die Performanceliste. Im Fünfjahresvergleich lag der durchschnittliche Kursrückgang bei minus 63 Prozent respektive bei minus 60 Prozent. Interessant ist zudem, dass die ersten fünf Plätze in beiden Listen identisch sind. Und das obwohl mit Vtion, Telegate und Aixtron drei der fünf Gesellschaften Dividende zahlen oder zumindest gezahlt haben.

          Mit Vtion Wireless verloren Anleger über 90 Prozent in einem Jahr

          An Nummer eins der größten Kapitalvernichter steht mit Vtion Wireless Technology ein Neuling. Der Anbieter von Mobilfunk-Datenkarten musste Mitte 2015 einen massiven Umsatzeinbruch vermelden, was den Kurs einbrechen ließ. Das Unternehmen bescherte seinen Anteilseigner in allen drei betrachteten Zeiträumen mit minus 90,1 Prozent, minus 77,7 Prozent und minus 71 Prozent eine der schlechtesten Performances aller Unternehmen.

          Der zweite Platz auf der Kapitalvernichterliste geht an den Maschinenbauer Singulus Technologie. Die Gesellschaft ist schon ein alter Bekannter in der Watchlist. Nach Platz 32 im Jahr 2014 und Platz 6 im vergangenen Jahr ist Singulus nun der Sprung auf das wenig erstrebenswerte Verlierertreppchen gelungen. Die Solarworld AG ist zwar – einmal mehr – auf der Liste zu finden, „da die Bewertung sich aber lediglich auf die alten Aktien (WKN A1YCMM) bezieht, haben wir das Unternehmen insgesamt aus der Wertung genommen“, so der DSW weiter.

          Damit rückt die Telegate AG auf den dritten Rang vor. Ein Unternehmen, das nach eigenen Angaben der zweitgrößte deutsche Anbieter für Telefonauskunft und regionale Werbung ist und einen durchaus beeindruckenden Kursverfall hinter sich hat.

          Die "Dauergäste" aus dem Dax

          Das Überraschende an der Liste: Während in der Kurs-Watchlist fünf DAX-Gesellschaften vertreten sind, sind es in der Performance-Liste sogar sechs. Zusätzlich zu den Dauergästen RWE, EON, Commerzbank, K+S sowie Deutscher Bank hat es auch mal wieder ThyssenKrupp erwischt, die erst im vergangenen Jahr die Kurs-Watchlist verlassen hatten.

          In der aktuellen Performance-Watchlist belegt RWE Platz 9 in der Kurs-Liste sogar Rang 6. Damit taucht der Energieversorger erstmals unter den Flop-Ten auf. Eine Platzierung, die die Commerzbank 2014 auch schon einmal inne hatte. Mittlerweile pendelt sich die Bank in den Dreißiger-Rängen ein. Beim RWE-Konkurrenten Eon machen sich dagegen noch geleistete Dividendenzahlungen bemerkbar. Beim reinen Kurs-Vergleich belegt die Eon-Aktie Platz 20.

          Im Performance-Vergleich kann sie sich immerhin auf Rang 30 verbessern. Bei K+S und Deutscher Bank sind die Unterschiede in der Platzierung dagegen marginal. Ohne Dividenden findet sich K+S auf Platz 36 wieder, mit auf Platz 34. Die Deutsche Bank liegt ohne Einbeziehung der Gewinnausschüttungen der letzten fünf Jahre auf Rang 41, mit auf Rang 40.

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