Übergewicht : Die falsche Botschaft des Body-Mass-Index

Übergewicht hat meistens schwere Folgen. Aber nicht alle Dicken werden krank: Die Medizin entdeckt jetzt die „Happy Obese“, die weder Diabetes noch Herz-Kreislauf-Leiden befürchten müssen.
Seit Jahren zittern übergewichtige Beamtenanwärter, wenn der Besuch beim Amtsarzt bevorsteht. In einschlägigen Foren im Internet wie www.referendar.de tauschen sie sich darüber aus, ob und wie ihr Body-Mass-Index zu Buche schlägt, wenn sie die lebenslange Verbeamtung anstreben. Der BMI - berechnet aus dem Körpergewicht in Kilogramm, dividiert durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat - gilt derzeit als das Maß aller Dinge, wenn es um die Frage „zu dick oder nicht zu dick“ geht. Ein BMI von über 25 macht einen zum Übergewichtigen, ab 30 gilt der Betroffene als adipös oder fettleibig. Etlichen Anwärtern verwehrten Amtsärzte schon das notwendige Gesundheitsattest, weil ihr BMI zu hoch war. Aus dem BMI wurde der „Beamten-Mass-Index“, ein Nadelöhr, durch das hindurchmuss, wer Beamter auf Lebenszeit werden möchte. Allerdings wehrten sich nicht wenige in Berufungsverfahren dagegen, dass man ihnen allein aufgrund ihres Gewichtes diesen Status vorenthalten wollte. Gerade in jüngster Zeit haben etliche Oberverwaltungsgerichte, zuletzt der Verwaltungsgerichtshof in Bayern, den Klägern recht gegeben und die Ablehnungen aufgehoben. Denn den Juristen sind vage Kriterien bekanntlich ein Greuel. Deshalb bezeugt nichts besser, dass der BMI an Glaubwürdigkeit verloren hat, als das Urteil der Richter, ein BMI über 30 rechtfertige keineswegs die Prognose, „dass ein Beamter vorzeitig dienstunfähig werde“ (VGH Bayern vom 13.04.2012).




