Geschichte des Stalinismus : Der Midas-Effekt

Als Stalin seinen titanischen Industrialisierungsplan in Angriff nahm, waren die Staatskassen leer. Deswegen entstanden staatliche Valutaläden, die der Bevölkerung die „goldene Sahneschicht“ ihrer Ersparnisse abnahmen.
In Michail Bulgakows Roman „Der Meister und Margarita“ sind die Begleiter des Satans ganz begeistert vom Moskauer „Torgsin“, der hauptstädtischen Luxusausgabe der unter Stalin eröffneten Kette von Handelshäusern, die ursprünglich nur Ausländer oder Westreisende gegen Devisen bedienten. Bulgakow schickt den langen Kerl und den dicken Kater, die mit dem dämonischen Magieprofessor Voland die Kapitale des Sowjetstaats aufmischen, ins „Torgsin“ am Smolensker Platz, wo kesse Frauen sich einkleiden und Delikatessen aufgetürmt sind, während dem einfachen Sowjetvolk noch die künstlich erzeugte Hungersnot in den Knochen steckt. Die Beraubung und Zwangskollektivierung der Bauern, ist, zumal was den sogenannten Holodomor in der Ukraine betrifft, vergleichsweise gut erforscht; die Schlüsselrolle, die das Torgsin für Stalins Industrialisierung spielte, blieb hingegen bisher unterbelichtet.





