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Editorial : Die Zukunft des Sex

Bild: Illustration F.A.S.

Wie sich unser Paarungsverhalten dramatisch verändert.

          Also gut, Sex. Nebst dem Thema Geld wird darüber schließlich am meisten geredet. Öffentlich wohlgemerkt, denn wenn es ans Private geht, wird der Mitmensch merkwürdig einsilbig. Die Höhe seines Einkommens oder die Art seiner sexuellen Vorlieben verrät er nur höchst ungern. Umso mehr interessiert er sich für die intimen Details der jeweils anderen. Aus diesem Zwiespalt heraus lässt sich fast schon die gesamte Verfassung der Menschheit ableiten. In Schopenhauers Worten: "Wozu der Lärm? Wozu das Drängen, Toben und die Not? Es handelt sich ja bloß darum, dass jeder Hans seine Grete findet."

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So war es bislang. Aber so wird es nicht bleiben. Auf Facebook werden mittlerweile sechzig Möglichkeiten angeboten, sein Geschlecht zu beschreiben, wobei die Unterscheidung zwischen "androgyn", "bigender" und "transgender" schon zeigt, wie subtil die Grenzen verlaufen. Diese semantische Diversifikation, über die sich billige Glossen schreiben lassen, spiegelt wieder, dass es nicht mehr allein um Hans und Grete geht. Und bei denen auch nicht mehr vorrangig darum, Nachwuchs zu zeugen. Fortpflanzung ohne Sex ist heute ohne weiteres möglich, Verhütung seit der Erfindung der Pille kein Lotteriespiel mehr.

          Am stärksten aber wandelt sich die Sexualität unter dem Einfluss der neuen Medien. Unsere Urgroßeltern haben allenfalls mal ins nächste Dorf eingeheiratet, wir selbst können in den einschlägigen Suchbörsen unter Millionen möglicher Partner wählen. Gleichzeitig führt uns das Internet jede denkbare - und für frühere Jahrgänge kaum vorstellbare - Spielart der menschlichen Sexualität vor. Wie sich all dies auf die Phantasie und die Praxis künftiger Generationen auswirkt, können wir allenfalls ahnen. In unserer kleinen Serie riskieren wir trotzdem einen Blick.

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