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Skispringen : Coup einer 14-Jährigen

Furchtlose Debütantin: Gianina Ernst springt auf Anhieb aufs „Stockerl“ Bild: REUTERS

Beim Saisonstart der Skispringerinnen landet die erst 14 Jahre alte Debütantin Gianina Ernst auf Anhieb auf dem zweiten Platz. Severin Freund gewinnt bei den Männern.

          2 Min.

          Die Winterspiele in Lillehammer gelten bis heute als die stimmungsvollsten der Olympia-Historie. Als die Wettbewerbe im Februar 1994 in der norwegischen Kleinstadt, passend illustriert von jeder Menge Schnee und Eis, Maßstäbe setzten, waren Skischanzen noch ein exklusiver Tummelplatz für Männer.

          Marc Heinrich
          Sportredakteur.

          Das änderte sich erst vor zehn Jahren, als auch der Internationale Skiverband dem Trend nach Gleichberechtigung Rechnung trug und für die seinerzeit wenigen hundert Athletinnen erstmalig offizielle Veranstaltungen organisierte. Ebenfalls in Norwegen. Seitdem hat sich einiges getan. Im kommenden Februar werden sich in Sotschi auch Frauen mutig zu Tal stürzen. Die Aussichten, dass beim Debüt im Zeichen der olympischen Ringe Teilnehmerinnen aus Deutschland bei der Medaillenvergabe ein entscheidendes Wort mitreden können, sind ein Stück gewachsen.

          In Lillehammer, beim Start in die Saison, landete die erst 14 Jahre alte Debütantin Gianina Ernst auf Anhieb auf dem zweiten Platz. Auch Carina Vogt (Degenfeld) als Vierte und ihre Oberstdorfer Vereinskollegin Katharina Althaus auf Rang sechs lösten beim Sieg der Japanerin Sara Takanashi die Tickets für die Olympia-Reise ans Schwarze Meer. „Natürlich bin ich total begeistert, dass ich bei meinem ersten Weltcup gleich auf dem Podium stehe. Andererseits ist das mein Job. Und den mache ich, seit ich fünf Jahre alt bin“, kommentierte Gianina Ernst ihren Coup.

          Vater Skispringer, Mutter Langläuferin

          Die Schülerin, die fünf Geschwister hat, stammt aus einem Elternhaus, in dem (Spitzen)-Sport eine große Rolle spielt: Vater Joachim war deutscher Meister der Skispringer und trug bei den Vierschanzentourneen von 1980 bis 1984 das deutsche Trikot, während die Mutter unter ihrem Mädchennamen Cornelia Thomas zur gleichen Zeit, zu den erfolgreichsten Langläuferinnen der Schweiz zählte.

          „Ich hatte im Training schon einige gute Sprünge von ihr gesehen. Aber wie unbekümmert sie dann gesprungen ist, das war nicht selbstverständlich“, lobte Bundestrainer Andreas Bauer das Nesthäkchen seiner Mannschaft, das schon bei der Weltmeisterschaft in Val di Fiemme im Frühjahr einen Teil zu ersten Mixed-Medaille (Bronze) des Deutschen Ski-Verbandes beitrug. Auch von den kommenden Wochen verspricht sich Bauer weitere Fortschritte: „Wir können noch besser werden.“

          Freund wiederholt seinen Vorjahressieg

          Rundum zufrieden mit der Dienstreise nach Skandinavien war auch Severin Freund. „Hier ist es sensationell“, sagte der 25-Jährige vom WSV Rastbüchl, nachdem er am frühen Sonntagabend seinen Vorjahreserfolg in Lillehammer wiederholt und den fünften Weltcup-Sieg seiner Karriere errungen hatte; 2012 war er auf der kleinen Schanze nach vorne gesprungen, diesmal ließ er unter Flutlicht und bei leichtem Schneefall auf der großen Anlage die Konkurrenz hinter sich: „So macht das Spaß“, sagte er strahlend nach zwei Durchgängen, in denen er auf Weiten von 132,5 und 137 Meter gekommen war und sich gegen den Norweger Anders Bardal und Daiki Ito aus Japan durchsetzte; Freund punktete bei den Wertungsrichtern auch mit sehenswerten Landungen. „Es ist toll, dass wir zu diesem frühen Zeitpunkt schon den ersten Saisonsieg gelandet haben“, sagte Bundestrainer Werner Schuster. Und er fügte an: „Wenn Severin den Stress beiseite packt, kann er richtig gut fliegen.“

          Andreas Wellinger (Ruhpolding) kam zum Ausklang des Wochenendes auf Rang elf, der Vortagesdritte Richard Freitag (Aue) belegte den 16. Platz. In Titisee-Neustadt findet am dritten Adventswochenende die nächste Form-Überprüfung statt. Bei ihrem Heimspiel im Schwarzwald müssen die Deutschen dann erstmals in diesem Winter auch der Favoritenrolle gerecht werden.

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