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Vierschanzentournee : Drei Siege und ein Bischofshofen

Drei Siege sind keine Garantie: Kamil Stoch will auch das vierte Springen gewinnen Bild: BRUNA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Kamil Stoch hat die Chance, Sven Hannawalds Meisterstück von vier Siegen bei der Vierschanzentournee nachzuahmen: Der Pole hat die ersten drei Springen gewonnen. Aber acht gescheiterte Dreifach-Sieger sind eine Warnung.

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          Yukio Kasaya reiste einfach ab. 1972 war ein Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee offenbar noch nicht so unermesslich wichtig, wie er heutzutage im Hype um Skispringer und immer neue Bestleistungen zu sein scheint. Und selbst die Chance, als erster Skispringer überhaupt sämtliche vier Springen einer Tournee für sich zu entscheiden, konnte die japanische Delegation nicht mehr dazu bewegen, die Reisepläne nach dem dritten Wettbewerb zu ändern, der damals nach einem ausnahmsweise in Innsbruck ausgetragenen Tourneebeginn und dem Neujahrsskispringen in Garmisch am 2. Januar in Oberstdorf ausgetragen wurde. Die Japaner wollten nicht vier Tage bis zum Dreikönigsspringen in Bischofshofen in Europa bleiben, weil sie sich gezielt auf die Olympischen Winterspiele im heimischen Sapporo vorbereiten wollten. Und so war Kasaya schon wieder in Japan, als Ingolf Mork aus Norwegen zum Gesamtsieg bei der deutsch-österreichischen Traditionsveranstaltung zum Jahreswechsel flog, die stets in Bischofshofen endet. 

          Im Salzburger Land sind schon viele Träume jäh geendet auf ganz andere Weise als bei Kasaya. Die Endstation der Vierschanzentournee ist seit jeher gefürchtet bei jenen Springern, die im österreichischen Wintersportort ihren Traum vom Sieg bei der Vierschanzentournee Wirklichkeit werden lassen wollen. Schon viele sind nach Bischofshofen gereist als Führende in der Tourneewertung und haben den Ort verlassen ohne den Siegerpokal.

          Kamil Stoch ist in diesem Jahr nach dem Sturz seines Rivalen Richard Freitag der Erfolg kaum noch zu nehmen bei fast 65 Punkten Vorsprung auf den zweitplazierten Deutschen Andreas Wellinger. Doch für Stoch geht es um mehr: Dem Polen könnte als zweitem Springer nach Sven Hannawald das Kunststück gelingen, alle vier Springen einer Tournee zu gewinnen. Nach den Erfolgen in Oberstdorf, Garmisch und Innsbruck muss der 30 Jahre alte Pole nun nur noch einmal am weitesten springen. Aber dieses Springen ist eben in Bischofshofen. Die dortige Naturskisprunganlage ist seit jeher wegen einer etwas eigenen Gestaltung gefürchtet, auch wenn ein Umbau im Jahr 2003 die Schanze etwas an andernorts übliche Verhältnisse angenähert hat.

          Goldener Trost: Yukio Kasaya wird nach dem Olympiasieg vom Norweger Ingolf Mork auf Schultern getragen.

          Stärker als die Eigenheiten der Paul-Außerleitner-Schanze wiegt am Ende vermutlich der Druck, der beim letzten Springen auf dem Favoriten lastet. Gleich sieben zuvor ungeschlagene Anwärter auf den Grand Slam sind bei ihrem Versuch gescheitert, auch das letzte Springen für sich zu entscheiden. Zuletzt scheiterte Janne Ahonen im Jahr 2005 am Dreikönigstag am Unterfangen, Hannawalds Erfolg auf dem Jahr 2002 zu wiederholen. Ahonen und die anderen sechs Gescheiterten durften sich aber immerhin mit dem Gesamtsieg trösten, der Kasaya nach dem Verzicht aufs vierte Springen verwehrt blieb. 

          Der Japaner hatte derweil 1972 das Glück, sein ganz eigenes Schicksal auf andere Weise verarbeiten zu können. Er sprang schließlich zum Happy End: Bei den Spielen in der Heimat gewann Kasaya als erster Japaner überhaupt eine Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen. Das war vermutlich das Opfer der vorzeitigen Abreise von der Tournee wert.

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