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Streit bei den Reitern : Knicks vor Prinzessin Haya

  • Aktualisiert am

Reiterpräsidentin Haya bint al Hussein soll bleiben Bild: dpa

Reiterpräsidentin Haya bint al Hussein steht stark in der Kritik. Doch sie hat ihren Verband am Zügel. Die Mehrzahl der Delegierten spricht sich trotz schwerer Vorwürfe für die Prinzessin aus. Die Inszenierung ist perfekt.

          2 Min.

          Die Reiterpräsidentin Haya bint al Hussein hat ihren Verband am Zügel. Obwohl sie zuletzt aus den eigenen Reihen massiv kritisiert worden war, richtete die Mehrzahl der Delegierten am Donnerstag bei der Generalversammlung der Internationalen Föderation (FEI) in Montreux eine Ergebenheitsadresse gewaltigen Ausmaßes an sie. 100 von 133 nationalen Verbänden unterschrieben eine Petition, mit der sie gebeten wurde, ihre Pläne zu ändern und eine dritte Amtszeit anzustreben. Auch die Inszenierung war perfekt: Kurz bevor das Thema diskutiert wurde, verließ die jordanische Prinzessin den Raum. Drinnen priesen einige Delegierte sie hymnisch, darunter ein Vertreter des belgischen Verbandes, aus dem die fachlich fundierteste Kritik gekommen war.

          Eine Funktionärin aus Jamaika entschuldigte sich für vorangegangene Unbotmäßigkeit – dieser Verband hatte ihren Rücktritt gefordert. Bei ihrer Rückkehr in den Saal wurde Haya stehend mit Ovationen empfangen. Die Prinzessin, deren Mandat im November 2014 endet, hatte einst die Beschränkung auf zwei Amtszeiten selbst durchgesetzt, so dass nächstes Jahr eine außerordentliche Generalversammlung und eine Verfassungsänderung nötig würde. Ob sie den Appell überhaupt erhören will, blieb offen. Deutschland, die Schweiz, Frankreich, England und die Niederlande hatten die Petition nicht unterschrieben.

          Es ist anzunehmen, dass die vielstimmige Liebeserklärung von Montreux vor allem dem arabischen Geld galt. Seit 2006 FEI-Präsidentin, hat Haya aus ihrem Umfeld Millionen an Sponsorengeldern akquiriert und dem Weltverband ein repräsentatives Gebäude in Lausanne gestiftet. Ein zentrales Problem aber kann jetzt weiterwuchern: Die tierquälerischen Zustände im Distanzreiten und Hayas damit verbundener Interessen- und Loyalitätskonflikt. Diese Disziplin – Langstrecken-Ritte bis zu 160 Kilometer – wird dominiert von der arabischen Welt, ganz speziell von Hayas Ehemann Mohammed al Maktoum.

          Der 64 Jahre alte Herrscher von Dubai ist Weltmeister und wurde selbst bereits des Dopings überführt. Die überwältigende Mehrzahl der grassierenden Dopingfälle wird von arabischen Reitern verursacht. Allein 20 davon seit 2005 betreffen Pferde aus Maktoum-Ställen. Weitere Kritikpunkte sind eine alarmierende Zahl von Verletzungen, vor allem Ermüdungsbrüche, Pferde, die nach dem Rennen euthanasiert werden müssen, Wettkampfbetrug, Korruption und Missachtung der Funktionäre. Am Mittwoch, bei einer Veranstaltung der „Strategischen Planungsgruppe Distanzreiten“ der FEI, wurde der Kern des Problems ausgespart.

          Ein „weltweit systemisches Problem“

          Der Vorsitzende Andrew Finding behauptete, es handele sich um ein „weltweit systemisches Problem“. Finding stammt aus Großbritannien, wo Maktoum, der auch im Galopprennsport eine bedeutende Rolle spielt, Millionen für seine Hobbys ausgibt. Wenigstens raffte sich der Vorsitzende zu der Feststellung auf, die Verletzungen im Distanzreiten hätten ein „katastrophales Niveau“ erreicht. Am Donnerstag beschloss die Generalversammlung mehrere Regeländerungen, die die Lage verbessern sollen, das regionale Problem aber nur in einem Punkt angehen: Bei internationalen Wettkämpfen sollen keine lokalen Offiziellen mehr aktiv sein.

          Am liebsten wäre es den Scheichs aber wohl, sie könnten die Verantwortung für Verstöße in Zukunft einfach an ihre Angestellten delegieren. Der – per Video überbrachte – Vorschlag des Maktoum-Mitarbeiters und Strategiegruppen-Mitglieds Saeed al Taher, für Dopingfälle künftig die Trainer büßen zu lassen, ist bisher für die FEI zwar noch inakzeptabel. Er zeigt aber, welch tiefe Gräben zwischen der arabischen und der europäischen Auffassung vom verantwortungsvollen Umgang mit dem anvertrauten Pferd liegen. Dass es aber keinen Graben gibt, der sich mit Geld nicht überbrücken ließe, zeigen die tiefen Verneigungen der FEI-Delegierten vor ihrer Präsidentin.

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