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Olympische Spiele : Das Schweigen der Bach-Kritiker

  • -Aktualisiert am

Auch die Kritiker fügen sich: IOC-Präsident Thomas Bach (Mitte) mit Denis Oswald (r.) und Vorgänger Richard Pound Bild: AFP

Im IOC zählt vor Beginn der Olympischen Spiele nur eine Meinung: die des Präsidenten. Einnahmen von 5,6 Milliarden Dollar sind sein unschlagbares Argument. Nur ein Skeleton-Pilot wagt sich mit dem Kopf voran.

          4 Min.

          Unwirklich sind diese vorolympischen Tage in Rio. Die ausländischen Gäste mit ihren Plastik-Akkreditierungen auf der Brust fahren in Bussen und Taxis durch die Stadt, fast ohne sie zu berühren. Sie besichtigen Sportstätten oder trainieren darin, die wie vergessene Filmsets wirken in einem vom Geldmangel und Resignation gezeichneten Umfeld. Und unwirklich ist auch die Inszenierung, die Thomas Bach, der oberste Regisseur des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), zurzeit hinter einer Sicherheitsschranke im Kongresszentrum des Hotels „Windsor Oceânico“ aufführen lässt. Session, die 129. Arbeitstitel: Jasager im Olymp.

          Umfrage

          Wer soll Fahnenträger der deutschen Olympiamannschaft werden?

          598 Stimmen wurden abgegeben.

          50%
          Timo Boll
          15%
          Moritz Fürste
          10%
          Ingrid Klimke
          16%
          Lena Schöneborn
          9%
          Kristina Vogel
          Die Umfrage ist geschlossen. Alle Umfragen
          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Seit dem 24. Juli, als die Exekutive des IOC beschlossen hat, Russland bei den Olympischen Spielen in Rio unter Auflagen an den Start zu lassen, ist die Weltöffentlichkeit polarisiert, auch die IOC-Mitglieder und die IOC-Mitarbeiter dürften innerlich gespalten sein. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hatte den kompletten Ausschluss empfohlen, 19 Sportminister haben erst kürzlich in einem Schreiben noch einmal dazu aufgefordert, zahlreiche nichtrussische Sportler fühlen sich vom IOC verlassen, wenn nicht gar verraten, weil es seit Jahren Null-Toleranz gegen Doping verspricht und nun gegen Russland mit seinem staatlich organisierten Doping-Programm Milde übte.

          Nur stumpfer Widerstand

          Und? Machte irgendjemand Druck beim ersten Zusammentreffen aller IOC-Mitglieder in Rio? Kaum. Nur zwei von ihnen, die nicht mehr viel zu verlieren haben, rafften sich auf zu einer Art stumpfem Widerstand. Immerhin einer hatte den Mut, eine Gegenstimme abzugeben bei Bachs erfolgreichem Manöver, bei einer Abstimmung neue Tatkraft zu tanken - über die Frage, ob die Exekutive am Sonntag vor einer Woche richtig gehandelt hat. Als die 86 anwesenden IOC-Mitglieder nach dem ersten Tag der Session, die noch bis zu diesem Donnerstag dauern wird, auseinandergingen, war klar, dass es für das IOC nur eine Meinung gibt: die von Bach.

          Vielleicht kann man das frustrierte Gesicht von Claudia Bokel, der scheidenden Chefin der Athletenkommission, wenigstens als inneren Widerstand werten. Von ihr vertretene Athleten sind es, deren Glauben an den Anti-Doping-Kampf erschüttert wurde. Dass die russische Informantin Julija Stepanowa den Spielen fernbleiben muss, während andere russische Athleten dabei sind, ist eine Brüskierung der Sportler, die von den Funktionären stets ermuntert wurden, als Kronzeugen im Anti-Doping-Kampf aufzutreten.

          Und die bei den Spielen gegen Athleten werden antreten müssen, die einem Land mit staatlich organisiertem Doping entstammen - zwei Schwimmer wurden sogar vom Weltverband gemeldet, obwohl sie im McLaren-Bericht erwähnt sind, der die russischen Machenschaften aufgedeckt hat. Die endgültige Entscheidung steht noch aus.

          Athletensprecherin spricht nicht

          In der Exekutivsitzung am 24.Juli hatte Bokel sich der Stimme enthalten - jetzt zog sie es vor, als Exekutivmitglied nicht mehr mitzustimmen. Seit Wochen ist sie für Journalisten kaum mehr ansprechbar, per Mail gestellte Fragen zu ihrem unlogischen Abstimmungsverhalten beantwortete sie nicht. Den sonst üblichen Bericht der Athleten-Chefin vor der Vollversammlung ließ Bach ausfallen, sie musste ihn schriftlich vorlegen.

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