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Wladimir und Witali Klitschko : Auf sozialer Mission

  • -Aktualisiert am

Malen mit Fäusten: Wladimir Klitschko als Künstler - das Werk wurde versteigert Bild: Brüder Klitschko Stiftung

Boxen und Gutes tun: Die Stiftung von Wladimir und Witali Klitschko sammelt jede Menge Geld für Kinder und Jugendliche in der Ukraine. Es gibt noch viel zu tun.

          Wladimir Klitschko liebt die Kunst. Wenn der Champion des Schwergewichts in New York weilt, boxt er nicht nur im Madison Square Garden, sondern besucht auch das Museum of Modern Art oder das Guggenheim Museum. Gemälde und Skulpturen sind für ihn „Massage für das Auge, für den Geist, für die Seele“. In seiner Heimatstadt Kiew interessiert sich der Faustkämpfer für Ausstellungen ukrainischer Künstler in der Pinchuk Art Gallery.

          Der Maler Alexander Krilow hatte die Idee, Klitschko malen zu lassen - mit Boxhandschuhen. In Krilows Atelier beschmierte Klitschko die Fäustlinge mit verschwommenem Blau und grünstichigem Gelb. Er schlug Serien gegen eine Leinwand wie auf einen Sandsack. Fertig war das Erstlingswerk abstrakter Malerei. Weil sich am Abend seines Maldebüts der Mond so romantisch im Wasser des Dnjepr spiegelte, gab der Boxer dem Bild den Namen „Moon“. An eine Mondlandschaft erinnern auch die vermischten Abdrucke der Faustschläge. „Das Bild kannst du verkaufen“, sagte Krilow begeistert. Tatsächlich: Auf der ersten Auktion der „Klitschko Brothers Foundation“ wurde „Moon“ für sage und schreibe 55.000 Euro versteigert. Seitdem frönt Wladimir Klitschko neben der Zauberei einem zweiten künstlerischen Hobby.

          Ringbegleiter für 350.000 Euro

          Der Preis für „Moon“ war ein vergleichsweise bescheidener Ertrag beim Galadinner in einem Fünfsternehotel der ukrainischen Hauptstadt vor einem Jahr. Das Privileg, beim „Walk-in“ im rotgekleideten Klitschko-Team Wladimir zum Kampf gegen David Haye in den Ring zu begleiten und einen seiner Weltmeistergürtel in die Höhe zu halten, war Marina Surkis 350.000 Euro wert. Wer kann sich das leisten? Die Tochter des Präsidenten von Dynamo Kiew und Managerin der Marketing-Agentur des ukrainischen Fußballverbandes.

          350.000 Euro für einen exklusiven Auftritt: Die Tochter des Präsidenten von Dynamo Kiew präsentiert Wladimirs WM-Gürtel

          „Die Auktion damals hat 880.000 Euro eingebracht“, sagt Anna Starostenko stolz. Sie ist seit sechs Jahren die starke Frau hinter den starken Brüdern. Sie leitet als Geschäftsführerin die Stiftung, hatte zuvor vier Jahre in Frankfurt (Oder) an der Europa-Universität Viadrina Germanistik und Internationale Beziehungen studiert, besitzt den „Master“ in Kulturwissenschaft, spricht fließend Deutsch und Englisch. Mit Menschen dieses Profils umgeben sich die Klitschkos bei ihren Aktivitäten außerhalb des Rings, sei es bei ihren Wohltätigkeiten oder in Witalis Partei Udar. Anna Starostenko, jünger als ihre beiden Chefs, zählt auf, was unter anderem noch versteigert wurde: eine Gitarre der deutschen Rockband Scorpions (für 230.000 Euro), der musikalischen Entertainer des Abends; ein von dem ehemaligen Model Natalie Klitschko, heute Mutter von drei Kindern, entworfenes Kleid; ein Golf-Wochenende mit Wladimir auf Mallorca; ein Tennistag mit Boris Becker.

          Die Klitschko-Stiftung, mit Kampfbörsen als Startkapital 2003 gegründet und auch heute noch von den Boxbrüdern mitfinanziert, residiert standesgemäß im „Parus“ (Segel). So heißt das Kiewer Business Center, weil der 156 Meter hohe Glasturm, einen Meter höher als die Frankfurter Türme der Deutschen Bank, in seiner Form einem Schiffssegel ähnelt. Autosalons flankieren den Eingang. Die teuersten Modelle von Rolls-Royce, Lexus und BMW demonstrieren den Status der Mieter. Vor den sechs Fahrstühlen herrscht morgens zu Bürobeginn ein Gedränge wie auf einem U-Bahnhof in Tokio. 34 Etagen wollen mit Managern und Angestellten gefüllt sein.

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