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Probleme einer Sportart : Handball-Deutschland, ein Pflegefall?

Standhaft bleiben, Größe zeigen: Wer im Handball vorankommen will, muss Haltung bewahren Bild: ZB

Der Handball als ur-deutsche Sportart muss sich strecken – es geht um seine sportliche Bedeutung und um seine gesellschaftliche Relevanz. Helfen sollen dabei Events wie das Weltrekordspiel an diesem Samstag in Frankfurt.

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          Ist ja wirklich nicht allzu schwer heutzutage, den Groove im Sport zu finden, zu Lande oder zu Wasser. Gar kein Problem im Prinzip, sich den Wind um die Nase wehen zu lassen und die Freiheit, lässt sich mit einem Surfbrett bewerkstelligen oder einem Snowboard, es gibt eine Menge Möglichkeiten, Spaß zu haben, freies Spiel für die Generation Fun. Paul Drux ist 19, ein Sportsmann durch und durch, ambitioniert, aufstrebend, ein Versprechen für die Zukunft. Drux? Ein weithin unbekannter Name, vorläufig jedenfalls, obwohl er in seinem Sport schon von sich reden gemacht hat. Er findet sogar, dass er einen ziemlich coolen Sport betreibe, mit reichlich Action.

          Soll der Sache einen neuen Dreh geben: Bundestrainer Dagur Sigurdsson
          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Drux rauscht allerdings nicht über Wellen oder Pisten, er muss nicht immer wieder mit allerlei stylischen Produkten versorgt werden von Ausrüsterfirmen, er gilt trotzdem als eine Art Trendsetter: im Handball, einem urdeutschen Sport, gelegentlich noch befrachtet mit Turnhallenmief. Stört Drux keineswegs, er ist überzeugt, den Rhythmus der Zeit auch im Handball zu spüren. Und er ist dabei, seinen Weg zu machen, in der Bundesliga bei den Füchsen Berlin, vielleicht auch bald in der Nationalmannschaft, der Neunzehnjährige ist gerade in den deutschen Kader berufen worden, gewissermaßen auf dem kurzen Dienstweg. Der Mann nämlich, der sich um die sportlichen Geschicke der Berliner kümmert, der Isländer Dagur Sigurdsson, ist inzwischen auch Bundestrainer.

          So wie Sigurdsson sich nun in das Morgen stürzen will mit dem Nationalteam, so befindet sich der deutsche Handball allgemein im Aufbruch - er muss sich, nach manchen Fehlschlägen und etlichen Turbulenzen in jüngerer Vergangenheit, der Moderne zuwenden. Mit frischen Gesichtern wie Drux. Mit neuen Ideen wie dem Tag des Handballs, der an diesem Samstag in einem Fußballstadion zelebriert wird, der Frankfurter Commerzbank-Arena. Ein Volksfest des Handballs, wenn man so will, eine Bühne für Familien, für etwa 80 Jugendteams, für das Bundesligaspiel zwischen den Rhein-Neckar Löwen und dem HSV Hamburg (18.15 Uhr / Live bei Sport 1 und im Handball-Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET), Sport und Entertainment Hand in Hand - mehr als 40.000 Zuschauer sollen damit gelockt werden, Weltrekord für ein Handball-Event.

          Das Duell zwischen den Löwen und den Hamburgern wird angeblich in 45 Ländern live gezeigt. „Wir geben eine ganz große internationale Visitenkarte ab“, betont Frank Bohmann, der Geschäftsführer des Ligaverbandes HBL. So beträchtlich die Strahlkraft dieses Spektakels auch sein mag, so ist Bohmann doch auch Realist genug zu wissen, dass damit der Handball in Deutschland natürlich nicht auf einen Schlag eine Kehrtwende vollzieht. „Es ist nur ein kleines Mosaiksteinchen in der Entwicklung des Handballs“, sagt der HBL-Funktionär.

          Noch ein Antreiber im deutschen Handball: Bob Hanning

          Nicht, dass die Branche hierzulande inzwischen generell darben müsste, sie steht immer noch auf einem festen Fundament. Neueste Ergebnisse von Marktforschern belegen, dass Handball weiterhin tief verwurzelt ist in Deutschland; unter den Teamsportarten, dominiert vom Fußball, ist Handball unangefochten Zweiter vor Basketball, Eishockey und Volleyball. Der Handball hat zuletzt dennoch Schaden genommen, sei es durch die Misserfolge des Nationalteams oder wirtschaftliche Schieflagen von Bundesligaklubs wie dem HSV Hamburg. Die Norddeutschen hatten gerade noch die Kurve bekommen und durften in der dann auf 19 Teams aufgestockten Liga bleiben.

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