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Handball : Hannings Buch für den Aufschwung

  • -Aktualisiert am

Ein Mann, der Dinge anstößt: DHB-Vizepräsident Bob Hanning Bild: dpa

DHB-Vizepräsident Bob Hanning will, wenn schon nicht den Handball, so wenigstens den deutschen Verband in seiner Nationalmannschaftsarbeit neu erfinden. Auch Bundestrainer Martin Heuberger muss sich an ein neues Tempo gewöhnen.

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          Ein paarmal lächelte Martin Heuberger verstohlen, als er hörte, was der neben ihm sitzende Bob Hanning alles verändern will. Seit Hanning beim Bundestag des Deutschen Handballbundes (DHB) Ende September zum Vizepräsidenten Leistungssport gewählt worden ist, vergeht kein Tag, an dem er nicht irgendetwas anstößt. Bundestrainer Heuberger muss sehen, dass er mitkommt: „Manches geht mir zu schnell“, sagte Heuberger am Mittwoch, „Bob will unbedingt etwas bewegen, er versprüht viel Energie“ - und schob grinsend hinterher: „Wir telefonieren mehrfach täglich.“

          Das hat es noch nie gegeben, dass sich ein DHB-Funktionär so um die Belange der ersten Auswahl kümmert. Hanning, im Hauptberuf Geschäftsführer der Füchse Berlin, will den DHB umkrempeln, um wieder unter die Top vier der Welt zu kommen - und 2020 die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen zu holen. Der neue Präsident Bernhard Bauer Hannings Weg mit, der mit Spielen im Supercup Anfang November in Bremen und Hamburg gegen Polen, Schweden und Ägypten sein.

          Es muss etwas passieren. Bei der Europameisterschaft in Dänemark Anfang 2014 fehlt Deutschland. Weitere Ausrutscher dürfe es nicht geben, sagte Hanning. Es geht auch ums Geld. „Das Scheitern bedeutet für uns ein wirtschaftliches Debakel. Wir müssen uns im Juni 2014 für die nächste WM qualifizieren - da gibt es keine Ausreden.“ Den Nationalspielern gesteht er mehr Mitspracherecht zu, erwartet aber auch Mut: „Wir haben genügend Führungsspieler. Das Problem ist, dass sich niemand heraustraut, weil dann sofort der Vorwurf kommt, er wolle nun der Chef sein.“

          Bessere Zusammenarbeit mit den Klubs

          Bis zum Sommer 2014 will Hanning ein „Deutschland-Buch“ erstellen, in dem gemeinsame Werte und Ziele des DHB von den Jugendteams bis zur Profiauswahl festgehalten sind. Bis hin zu Äußerlichkeiten: „Ich dulde in Zukunft nicht, dass ein Nationalspieler bei einem Lehrgang in kurzen Hosen zum Abendessen kommt.“ Entscheidend wird eine bessere Zusammenarbeit mit den Klubs sein. So wird Heuberger vor wichtigen Spielen mehr Trainingstage bekommen.

          Ballübergabe: Bob Hanning und Bundestrainer Martin Heuberger (r.) telefonieren täglich
          Ballübergabe: Bob Hanning und Bundestrainer Martin Heuberger (r.) telefonieren täglich : Bild: dpa

          Hanning fordert eine einheitliche Spielweise aller DHB-Teams. Die Nachwuchsarbeit wird vom 1. Januar 2014 an von einem hauptamtlichen Koordinator geleitet, Wolfgang Sommerfeld. Hanning stellte sich auch vor den jüngst vom früheren Nationalspieler Daniel Stephan scharf kritisierten Bundestrainer: „Wir haben uns entschieden, mit Heuberger weiterzumachen. Aber er wird bei der nächsten Qualifikation Farbe bekennen müssen.“

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