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Strobels schwere Verletzung : „Es war ganz schlimm, er hat geschrien“

  • Aktualisiert am

Nach der schlimmen Knieverletzung ist die WM für Martin Strobel beendet. Bild: Picture-Alliance

Die deutschen Handballer bejubeln nach einem harten Kampf gegen Kroatien den Einzug ins WM-Halbfinale. Doch die schwere Verletzung des Spielmachers nimmt nicht nur den Bundestrainer arg mit.

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          Christian Prokop genoss den vorzeitigen Halbfinal-Einzug der deutschen Handballer bei der WM in vollen Zügen. Noch lange nach dem 22:21 (11:11) gegen Kroatien schwärmte der Bundestrainer vom Auftritt seines Teams. „Natürlich ist das im Moment für uns die geilste Zeit, die wir im Berufsleben erleben dürfen“, sagte Prokop. In diesem Job sei es manchmal richtig schwierig und „manchmal richtig toll. Und das ist schön, dass wir gerade auf der Sonnenseite stehen.“

          Handball-WM 2019

          Mit 7:1 Punkten liegt das DHB-Team vor dem letzten Spieltag auf Platz eins der Hauptrundengruppe 1. Im abschließenden Spiel gegen den im Kampf ums Halbfinale chancenlosen Europameister Spanien geht es am Mittwoch (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) um den Gruppensieg. Prokop freute sich diebisch, das große Ziel Halbfinale in Hamburg bereits erreicht zu haben. „Dass wir das jetzt vorzeitig lösen und nicht über den Umweg Spanien gehen müssen – das ist fantastisch“, sagte der 40-Jährige. Man habe eine schwere Gruppe erwischt und sich „da durchgebissen mit den Fans zusammen“, sagte Prokop und blickte nach vorn: „Jetzt geht es weiter.“

          Die deutschen Handballer gehen mit enormen Selbstvertrauen ins Halbfinale. „Wir spielen zu Hause. Die Mannschaften müssen eher Angst vor uns haben als wir vor ihnen“, sagte Abwehr-Ass Patrick Wiencek im ARD-Morgenmagazin. Mögliche Gegner im Kampf um den Finaleinzug sind Olympiasieger Dänemark, der WM-Zweite Norwegen oder oder EM-Zweite Schweden. Gegen Spanien am Mittwoch will die DHB-Auswahl noch einmal „eine Show abliefern“, wie Wiencek versicherte: „Es kommen noch einmal 19.250 Zuschauer in die Halle. Sie zahlen viel Geld. Daher sind wir in der Bringschuld.“

          Für den verletzten Spielmacher Martin Strobel rückt Tim Suton nach. „Tim hat bei uns alles mitgemacht. Das ist naheliegend. Aber bestätigen werde ich heute noch nichts“, sagte Prokop. „Die Überlegung war nur von kurzer Dauer. Wir sind überzeugt, dass er uns weiterhilft“, sagte Prokop. Die WM ist für Suton seine Turnier-Premiere. In bislang acht Länderspielen erzielte der Rückraumspieler vom TBV Lemgo zwölf Tore. Wenige Tage vor der WM war Suton noch aus dem Kader gestrichen worden, als das Team von 18 auf 16 Spieler verkleinert werden musste.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Strobel fällt aufgrund einer Knieverletzung für den Rest des Turniers aus. Der 32 Jahre alte Spielmacher des Zweitligaverein HBW Balingen-Weilstetten erlitt im Spiel gegen die Kroaten einen Innenbandriss sowie einen Riss des vorderen Kreuzbandes im linken Knie. Nach einer Untersuchung im Krankenhaus Merheim bestätigte der Deutsche Handballbund (DHB) drei Stunden nach Spielende die Diagnose. Strobel wird das WM-Quartier am Dienstagmorgen verlassen. Eine Operation ist in den nächsten Tagen geplant. Die Verletzung hatte Strobel ohne gegnerische Einwirkung erlitten.

          „Es hat mich leider hart erwischt“, sagte Strobel. „Ich glaube an diese Mannschaft und wünsche den Jungs für das weitere Turnier, dass sie ihren Weg gehen.“ Die Verletzung seines Spielmachers nahm auch den Bundestrainer arg mit. „Es war ganz schlimm, als man ihn auf die Trage gehoben hat, weil er vor Schmerzen geschrien hat“, sagte Prokop: „Die Gedanken sind jetzt natürlich bei Martin. Wir haben den Sieg auch für ihn geholt.“ Strobel gehörte im bisherigen Turnierverlauf zu den Leistungsträgern im deutschen Team. Er galt im Angriffsspiel als verlängerter Arm von Prokop. „Das mit Martin war ein Riesenschock. Es ist dann auch wirklich schwer, so ein Spiel zu spielen, weil man das ständig im Kopf hat“, sagte Rechtsaußen Patrick Groetzki.

          Der Hauptrunden-Krimi gegen Kroatien bescherte dem ZDF eine Rekordquote für die Heim-WM. Den deutschen Sieg am Montagabend verfolgten im Schnitt 10,02 Millionen Zuschauer. Der Marktanteil lag bei 30,4 Prozent. Die zuvor höchste Quote der WM in Deutschland und Dänemark wurde im deutschen Vorrundenspiel gegen Titelverteidiger Frankreich (25:25) mit 8,53 Millionen im Schnitt erzielt.

          Kroatiens Handball-Nationaltrainer Lino Cervar übte derweil deutliche Kritik an den Unparteiischen. „Die Schiedsrichter haben ihren Job nicht gut gemacht heute“, sagte der 68-Jährige: „Unser Team hatte heute nicht die gleichen Chancen wie Deutschland. Das ist die dritte WM, bei der wir um unsere Chance betrogen wurden.“ Kroatien hat nach der Niederlage keine Chance mehr auf das Halbfinale.

          Nach dem vorzeitigen Einzug in das WM-Halbfinale wird sich der Deutsche Handballbund derweil um die Ausrichtung eines Qualifikationsturniers für die Olympischen Spiele 2020 bewerben. Das kündigte DHB-Vizepräsident Bob Hanning an. „Wir haben auch ein Anrecht, solch ein Turnier auszurichten, weil wir unter den besten vier Mannschaften der WM sind“, sagte Hanning. Noch lieber wäre dem 50-Jährigen, „wenn wir uns direkt qualifizieren“. Dafür müsste das Team von Bundestrainer Prokop entweder den WM-Titel holen oder im kommenden Jahr Europameister werden. Gelingt dies nicht, werden im Frühjahr 2020 in drei Turnieren mit jeweils vier Mannschaften die letzten sechs Olympia-Tickets für die Sommerspiele in Tokio vergeben.

          Handball-WM 2019

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