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WM-Halbfinale gegen Norwegen : Die Abräumer des deutschen Handballs

Patrick Wiencek gibt den deutschen Weg in dieser WM vor mit seinen starken Leistungen. Bild: AP

Bauch und Kopf: Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler bilden das Zentrum der deutschen Defensive. Mit Kraft, aber auch mit Herz. Es ist ein Stabilitätspakt, der die Angreifer verzweifeln lassen kann.

          Das Maskottchen dieser Weltmeisterschaft heißt Stan. Es ist, wie es in offiziellen Quellen heißt, „aus den Weiten des Weltalls“ angereist, ein drahtiger Außerirdischer im schwarzen Anzug mit bunt blinkenden Leuchten, der vermutlich einige Zielgruppentests unter jungen Erdenbewohnern absolviert haben dürfte, bevor er auf seine Mission geschickt wurde. Früher, als ausdifferenzierte Zielgruppen im Sport noch so etwas wie Science-Fiction waren, kamen Maskottchen schon einmal ganz anders daher, eher wie du und ich: 1974 war das, bei der Fußball-WM, Tip und Tap hießen die beiden, der eine etwas größer, schlank, längliche Kopfform, der andere eher der stämmige Typ, rundes Gesicht, praktischer Topfschnitt.

          Handball-WM 2019

          Wenn man es nicht ganz so genau nimmt, kann man zwei Wiedergänger von Tip und Tap gerade bei der Handball-Weltmeisterschaft erleben. Und je nachdem, mit welchem Ziel man sich Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler annähert, kann die Begegnung einen heftigen und auch bleibenden Eindruck hinterlassen. Es sind schon einige Angreifer beim Versuch verzweifelt, an diesen beiden vorbeizukommen. Entweder unangenehm mit Wienceks 110 Kilogramm kollidiert. Oder vorher schon in Pekelers Radar geraten, woraufhin dieser seine langarmigen Abwehrkräfte aktivierte.

          Dass die deutsche Nationalmannschaft bei dieser WM bis ins Halbfinale gekommen ist, in dem sie an diesem Freitag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Handball-WM und in der ARD) in Hamburg auf Norwegen trifft, hat sehr viel mit der Defensive zu tun. Damit, wie Bob Hanning das ausdrückt, der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes, dass die deutsche Abwehr nicht nur die beste der Welt sein kann, sondern das jetzt auch ganz leibhaftig ist. Was die Gegentreffer angeht, sind die Zahlen, die sie bislang geliefert hat, ausgesprochen schlank, 19, 21, 22, 25 (gegen Weltmeister Frankreich), 23, 19, 21 (gegen Kroatien). Dass das 31:30 im letzten Hauptrundenspiel gegen Spanien aus der Reihe fällt, hat vor allem damit zu tun, dass es in diesem Spiel nicht mehr darauf ankam und Bundestrainer Christian Prokop kräftig durchwechselte.

          Gegen Norwegen mit seinen schnellen Angreifern werden Wiencek und Pekeler wieder mittendrin sein, als Bauch und Kopf der deutschen Defensive. Das ist – vor allem in Wienceks Fall – nicht nur physiognomisch zu verstehen. Wenn man sich mit ihm über die Anforderungen der Abwehrarbeit unterhält, dann klingt das nach beherztem Zupacken ohne allzu viel theoretischen Überbau. „Mir hat mal jemand gesagt, Abwehr muss man immer mit Herz spielen“, sagt er, „das zeigen wir momentan alle.“ Weil Wiencek auf dem Parkett so viel Herz zeigt, hat er sich zugleich in die der Zuschauer gespielt: Kein Match, in dem Wiencek nicht nach einer frühen gelungenen Aktion mit seinen mächtigen Armen ruderte, um das Publikum anzupeitschen – und auch sich selbst. Wenn man ehrlich ist, werden viele vor dem Fernseher und in den Hallen gedacht haben, dass es doch auch ganz sympathisch ist, wenn da einer ohne Athletenkörper nach antikem Vorbild daherkommt.

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